Monitor Patientenberatung 2017

Mit dem Monitor, der auf der Auswertung der Dokumentation von rund 155.000 Beratungen der UPD beruht, zeigt die Patientenberatung auf, welche Probleme und Herausforderungen Patientinnen und Patienten in Deutschland immer wieder zu bewältigen haben. Zugleich kann der Monitor Krankenkassen, Ärzteschaft, Gesetzgeber und anderen Akteuren des Gesundheitswesens konkrete Hinweise darauf geben, wie das Gesundheitssystem aus der Perspektive der Ratsuchenden noch patientenorientierter gestaltet werden kann.


Ralf Brauksiepe sagte zur Präsentation des Monitors: „Wie in der Vergangenheit

gibt der diesjährige Monitor einmal mehr einen sehr guten Überblick, wie die

Patientinnen und Patienten in Deutschland das Gesundheitssystem erleben, in

welchen Bereichen sie Beratung und Informationen benötigen, um sich

selbstbestimmt in diesem System bewegen zu können, und vor allem aber, mit

welchen Problemen und Herausforderungen sie sich auseinandersetzen müssen.“


Nach den Worten von Thorben Krumwiede sind es besonders zwei große Leitthemen,

die im Monitor immer wieder aufscheinen: Kommunikationsdefizite im Umgang mit

Patientinnen und Patienten und Versicherten – und eine vielfach beschriebene

Hürde der Ratsuchenden, Ansprüche und Rechte im Alltag wirksam durchsetzen zu

können. „Aus der hohen Bedeutung der gesundheitsrechtlichen Beratungen können

wir schließen, dass echte Gesundheitskompetenz regelmäßig über die Fähigkeit

hinausreichen muss, medizinische Sachverhalte richtig einordnen und auf die

persönliche Lebenssituation anwenden zu können. Sie wird ergänzt um

Systemkompetenz, also das Wissen, wo die passende Unterstützung und Hilfe zu

finden ist. Dazu kommt gesundheitsrechtliche Kompetenz, um persönliche

Gesundheitsinteressen und Ansprüche gegenüber Leistungserbringern und

Kostenträgern durchsetzen können.“


In der Kommunikation der Kostenträger, die gesetzlich zur Auskunft und

Information der Versicherten verpflichtet sind, beobachtet die

Patientenberatung allgemein mit Sorge, dass insbesondere Zwischeninformationen

für Versicherte wie echte Entscheidungen wirken und sie sich von den Kassen

dazu gedrängt fühlen, die ihnen zustehenden Rechte einer Überprüfung ihrer

Ansprüche auf dem Verwaltungsweg nicht auszuschöpfen. „Verharmlosende

Schreiben, die die Versicherten nicht eindeutig über ihre echten Rechte

informieren und nach dem Eindruck der Ratsuchenden stattdessen häufig Lösungen

anbieten, die für die Kassen günstiger sind, stehen nicht im Einklang mit den

eigentlichen Aufgaben unserer Krankenkassen“, sagt Thorben Krumwiede.


Der Auswertung der Beratungsdokumentation zufolge nehmen in der

gesundheitsrechtlichen Beratung Fragen zum Krankengeld 2017 eine besonders

starke Rolle ein: Die Zahl der Beratungen kletterte von 10.193 Beratungen im

Vorjahr auf 14.334 Beratungen. Nach wie vor ungelöst ist den Beratungszahlen

nach das Problem existenzbedrohender Konsequenzen durch den Verlust des

Anspruchs auf Krankengeld aufgrund formaler Lücken in der

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – unabhängig vom objektiven Gesundheitszustand

der Versicherten. Wie im Vorjahr beklagen viele Ratsuchende zudem, dass der

Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) Begutachtungen ihres

Gesundheitszustandes nach Aktenlage vornehmen kann, was als wenig

patientenorientiert erlebt wird. Erstmals ausführlicher aufbereitet hat die

Patientenberatung die Situation der Klärung des zuständigen Leistungsträgers

bei Gefährdung der Erwerbsfähigkeit, die den Schilderungen der Ratsuchenden

nach oft als belastend erlebt und nicht selten von einer wenig einfühlsamen

Kommunikation begleitet wird.


Auch der Verdacht auf Behandlungsfehler (5.851 Beratungen) führt regelmäßig

besonders viele Ratsuchende zur Patientenberatung. Betroffene, die fürchten,

Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein, berichten vielfach von

mangelnder Kommunikation und Information. Trotz verbesserter

Unterstützungsangebote zur Abklärung einer belastenden Situation fühlen sie

sich oft weitgehend allein gelassen. Die Beraterinnen und Berater machen auch

fünf Jahre nach Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes die Erfahrung, dass

Einsichtsrechte in die Patientenakte längst nicht immer, wie gesetzlich

gefordert, gewährt werden.


In der medizinischen Beratung wird der UPD zufolge häufig deutlich, dass

Patientinnen und Patienten in Deutschland aus ganz unterschiedlichen Gründen

schon beim Zugang zum Gesundheitswesen scheitern. Es mangelt an

Orientierungswissen, allerdings auch an qualitativen Informationen, die den

Menschen helfen, die für sie passenden Angebote zu finden. Und schließlich

berichten Ratsuchende auch von Schwierigkeiten, überhaupt einen

Behandlungstermin zu erhalten. In der Arzneimitteltherapie herrschen nach wie

vor große Unklarheiten über Zuständigkeiten. In der Zahnmedizin fühlen sich den

Rückmeldungen der Ratsuchenden zufolge Betroffene an einem bedingungsfreien

Zugang zu Kassenleistungen gehindert und werden über kostengünstige

Kassenmodelle in der Kieferorthopädie häufig nicht oder nicht umfassend

aufgeklärt.


Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung bezeichnete die geschilderten

Problemlagen als Anstoß für konkrete Verbesserungen. Er verwies dabei auf die

schon jetzt bestehenden Aufklärungs- und Informationspflichten und auch auf die

Anstrengungen der Politik, etwa mit der Ausweitung der Sprechstunden in den

Arztpraxen und einer Verbesserung der Arbeit der Terminservicestellen schon

beim Zugang zum Gesundheitssystem anzusetzen. Auch das Thema

Beweiserleichterung für Betroffene von Behandlungsfehlern wolle er angehen,

sagte Ralf Brauksiepe und kündigte an: „Nach einer Bestandsaufnahme der

ableitbaren Verbesserungen werde ich im Herbst den Monitor der Unabhängigen

Patientenberatung wieder auf die Agenda setzen. Dann werden hoffentlich alle,

die im Monitor angesprochen werden, konkrete Lösungsvorschläge präsentieren

können.“


Der „Monitor Patientenberatung 2017“ sowie die Unterlagen der Pressekonferenz

zur Vorstellung des Berichts sind im Internet sowohl auf der Seite des

Patientenbeauftragten (http://www.patientenbeauftragter.de) als auch auf der Seite der

UPD (http://www.patientenberatung.de) abrufbar.


Über die Unabhängige Patientenberatung Deutschland, UPD


Die UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH (UPD) mit Sitz in Berlin ist eine

gemeinnützige Einrichtung. Sie hilft Ratsuchenden, sich im deutschen

Gesundheitssystem besser zurechtzufinden und Entscheidungen im Hinblick auf

medizinische oder sozialrechtliche Gesundheitsfragenselbstbestimmt,

eigenverantwortlich und auf informierter Grundlage zu treffen.


Gut erreichbar, bürgernah, qualifiziert: Das Beratungsangebot der UPD


Die unabhängige, neutrale, kostenfreie und evidenzbasierte Beratung der UPD ist

für alle Menschen in Deutschland zugänglich – egal, ob sie gesetzlich, privat

oder nicht krankenversichert sind. Ratsuchende können die Patientenberatung

unkompliziert und auf vielen Wegen erreichen: per Telefon, Post, Mail, oder

Onlineberatung, in den 30 festen Beratungsstellen und an weiteren 100

Standorten in Deutschland, die regelmäßig von einem der drei UPD-Mobile

angesteuert werden.


Neben medizinischen Fachteams und Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen

gehören auch Juristen und Sozialversicherungsfachangestellte zum

UPD-Beraterteam.


Dem gesetzlichen Auftrag (§ 65b des Sozialgesetzbuchs V) entsprechend macht die

Patientenberatung über die individuelle Beratung hinaus Politik und

Entscheidungsträger auf Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen aufmerksam,

unterbreitet Lösungsvorschläge aus Patientensicht und stärkt auf diese Weise

die Patientenorientierung im Gesundheitswesen.



Monitor Patientenberatung 2017 - Gesundheitssystem muss noch patientenorientierter werden: Kommunikationsdefizite und Rechtsdurchsetzung im Fokus (Unabhängige Patientenberatung Deutschland, PDF, 5,4 MB).