Krankenhäuser in privater Trägerschaft 2018 - Private Kliniken arbeiten wirtschaftlich effizienter

Das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und die Hochschule Fresenius in München, Fachbereich Wirtschaft & Medien, haben in einer aktuellen Studie die Produktivität privater Kliniken untersucht. Dazu haben sie zahlreiche Krankenhaus-Kennziffern aus den Jahren 1996 bis 2016 ausgewertet.


Pflegenotstand, überfüllte Notfallambulanzen, fehlende medizinische Versorgung

in ländlichen Regionen: Schlagwörter, die die Berichterstattung über das

deutsche Gesundheitswesen dominieren. Wie private Kliniken aufgestellt sind und

welche Maßnahmen notwendig sind, um die medizinische Versorgung zu verbessern,

haben Wissenschaftler des RWI und der Hochschule Fresenius in einer Studie

analysiert.


Die Ergebnisse zeigen: Deutsche Krankenhäuser in privater Trägerschaft sind im

Durchschnitt deutlich ertragskräftiger als freigemeinnützige oder

öffentlich-rechtliche Krankenhäuser. Die privaten Häuser nehmen weniger

öffentliche Fördermittel in Anspruch und zahlen mehr Steuern als Krankenhäuser

in anderer Trägerschaft. In ihrer Ausstattung und der Zufriedenheit der

Patienten liegen sie gleichauf mit Kliniken anderer Träger. Die privaten

Einrichtungen haben die höchste Arbeitsproduktivität aller Krankenhäuser, die

Zahl der zu betreuenden Patienten je Vollkraft ist liegt etwas höher als in

Häusern anderer Träger. Für die Studie wurden zahlreiche

Krankenhaus-Kennziffern aus den Jahren 1996 bis 2016 trägerspezifisch

aufbereitet und ausgewertet. Der Fokus der Studie liegt auf den

Versorgungskrankenhäusern, die nach diagnosebezogenen Fallgruppen (DRG)

abrechnen. Datengrundlage sind die amtlichen Krankenhausdaten des Statistischen

Bundesamts. Sie umfassten für das Jahr 2015 Daten von 1.463

Versorgungskrankenhäusern, darunter 405 in privater, 572 in freigemeinnütziger

und 486 in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Psychiatrische oder

psychotherapeutische Krankenhäuser, reine Tages- und Nachtkliniken sowie

Universitätskliniken wurden nicht in die Analysen mit einbezogen. Die

Untersuchung basiert auf einem Projekt im Auftrag des Bundesverbands Deutscher

Privatkliniken e.V. (BDPK), Berlin.


"Bereits heute gibt es im Gesundheitswesen einen kaum zu bewältigenden

Fachkräftemangel", erklärt Prof. Dr. Andreas Beivers, Mitautor der Studie und

Professor für Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius. "Für

Krankenhäuser wird es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden."

Daher fordert er mehr Offenheit für die Digitalisierung, Robotik und künstliche

Intelligenz sowie ein modernes Zuwanderungsgesetz. "Die politischen Reformen,

die im Koalitionsvertrag verankert sind, sind hier nicht zielführend, sondern

verhindern eher Innovation", kritisiert Beivers.


Krankenhäuser in privater Trägerschaft 2018 - Private Kliniken arbeiten wirtschaftlich effizienter (RWI Essen, PDF, 812 kB).