DKG: Schließung von Krankenhäusern führt zu Versorgungslücken für die Patienten

Zu dem Gutachten "Über- und Fehlversorgung in deutschen Krankenhäusern" des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium (BMF) und dem Beitrag in der heutigen Ausgabe der BILD-Zeitung "So zocken Krankenhäuser bei Patienten ab" erklärt der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gerald Gaß:


„Hier findet ein unverantwortliches Schlechtreden der Krankenhäuser und ihrer

Mitarbeiter statt. Weder die aus statistischen Zahlen abgeleiteten Vermutungen

der Bertelsmann Stiftung über nicht notwendige Leistungen, noch die im

Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim BMF behaupteten Überkapazitäten

lassen solche unqualifizierten Bewertungen der Leistungen der Krankenhäuser

zu.


Tatsache ist, dass wir in Deutschland ein gutes stationäres Versorgungssystem

haben, das die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf hohem Niveau zu

relativ günstigen Kosten gewährleistet. Die Fallkosten in den deutschen

Krankenhäusern sind deutlich niedriger als in vielen Ländern mit ähnlich

qualifizierten Krankenhausversorgungssystemen. Tatsache ist ebenso, dass in

immer mehr medizinischen Versorgungsbereichen und in immer mehr Regionen eher

Engpässe als Überkapazitäten im Krankenhausbereich existieren. Das ist im

Frühjahr als durch die Grippewelle hundertfach Patienten auf den Gängen

versorgt werden mussten ebenso deutlich geworden wie die zunehmenden Meldungen

über Zugangsprobleme zu Geburtsabteilungen.


Gerade im ländlichen Raum sind die Krankenhäuser zunehmend in der Verantwortung

auch für die ambulante Versorgung und die Notfallversorgung der Bevölkerung.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen kommen dort ihrem Sicherstellungsauftrag

längst nicht mehr nach.


Die Propagandisten einer hochgradigen Zentralisierung der stationären

Versorgungsstrukturen verkennen den hohen Stellenwert der flächendeckenden

medizinischen Versorgung. Das Beispiel der dänischen Zentrierung ist lediglich

gut für den Beweis, dass viele Milliarden Euro an Investitionen auch im

deutschen Gesundheitswesen erforderlich sind. Diese müssten aus den

Steuerhaushalten, wie es das Gesetz vorsieht, aufgebracht werden. Wenn die

Bundesländer die im Gesetz vorgesehene Investitionsmittelbereitstellung

weiterhin nicht gewährleisten können, dann muss die chronische

Unterfinanzierung der Krankenhäuser durch Bundesmittel beendet werden. Hier und

nicht bei den Krankenhäusern sind die Defizite festzustellen – darauf sollte

sich der Beirat beim BMF dann auch konzentrieren, statt den Refrain von der

durch Fakten nicht belegten These der Über- und Fehlversorgung neu anzustimmen.

In keiner Weise besser würde die Versorgung über Selektivverträge in den Händen

der Krankenkassen. Medizinische Daseinsvorsorge muss politisch verantwortet

bleiben. Es wäre eine Bankrotterklärung der Politik, diese zentrale

Verantwortung auf die Krankenkassen zu übertragen.


Wer auf Zentralisierung und Selektivverträge setzt, riskiert große

Versorgungslücken und Wartelisten für die Patienten, wie wir sie aus anderen

Ländern kennen.“ (Deutsche Krankenhausgesellschaft).