Koordiniert, leitliniengerecht und im Team: Versorgung von Beatmungspatienten zu Hause

BdP und KBV haben ein Versorgungsprogramm erarbeitet bei dem Patienten, die zu Hause beatmet werden, künftig von einer fachübergreifenden und abgestimmten Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte profitieren sollen. In Deutschland werden immer mehr Patienten außerhalb des Krankenhauses beatmet. Genaue Zahlen liegen nicht vor, Schätzungen gehen aber von einer Größenordnung von rund 15.000 invasiv und einer weit größeren Anzahl nichtinvasiv (etwa mittels Maske) beatmeter Menschen aus. Für die Zukunft ist hier aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts sowie der demografischen Entwicklung mit einer weiteren Zunahme zu rechnen. „Auch auf diesem Gebiet, das früher zwingend mit einem Krankenhausaufenthalt verknüpft war, zeigt sich eindeutig der Trend zur Ambulantisierung. Diese für die Patienten erfreuliche Entwicklung bedeutet

jedoch insofern eine Herausforderung für die Versorgung, als dass verschiedene Akteure in die Betreuung solcher Patienten involviert sind – neben Ärzten etwa spezialisierte Pflegedienste. Hier setzt unser Konzept an“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Gassen.


Teilnehmende Ärzte sollen regionale Netzwerke schaffen, die eine koordinierte

und qualitätsgesicherte Behandlung von Beatmungspatienten sicherstellen. Ziele

sind neben einer höheren Lebensqualität der Patienten unter anderem, ihre

Abhängigkeit von künstlicher Beatmung möglichst zu reduzieren und

wiederkehrende Krankenhausaufenthalte – sogenannte Drehtüreffekte – zu

vermeiden.


Der Vorsitzende des BdP, Dr. Frank Heimann, sagte: „Dieses Vertragskonzept

zeigt, dass wir Lungenärzte (Pneumologen) uns zum Wohle unserer Patienten

dieser komplexen Herausforderung in der ambulanten Versorgung stellen. Ohne die

tatkräftige professionelle Unterstützung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

wäre das nicht umsetzbar! Wir hoffen jetzt, für dieses Vertragskonzept in den

einzelnen KV-Regionen Vertragspartner zu finden.“


An dem Versorgungsvertrag zur ambulanten Behandlung von Beatmungspatienten

können folgen Fachgruppen teilnehmen: Fachärzte für Innere Medizin und

Pneumologie, Fachärzte für Lungenheilkunde sowie Fachärzte für pädiatrische

Pneumologie zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Bei gleichwertiger

Qualifikation steht das Konzept auch benachbarten Fachgruppen offen. Um ein

regionales Netzwerk zu bilden, sind Kooperationsvereinbarungen zwischen den

Fachärzten, stationären Einrichtungen, Pflegediensten sowie Logopäden, Physio-

und Ergotherapeuten verpflichtend. Maßnahmen zur Qualitätssicherung gehören

ebenfalls dazu.


Dazu erläuterte Dr. Christian Franke, Leiter der BdP-Arbeitsgruppe Beatmung und

Vorsitzender des Landesverbands Thüringen: „Die Kostenübernahmeverpflichtung

der häuslichen Beatmungs- und Intensivpflege wurde vor Jahren im SGB V

festgeschrieben – das war ein Segen für die Betroffenen. Doch Verbesserungen

sind weiterhin notwendig. So sprechen wir uns für eine verpflichtende

ärztliche Versorgung durch Beatmungsspezialisten im ambulanten Bereich aus.

Außerdem ist die ärztliche Betreuung von Beatmungspatienten im aktuellen EBM

nicht adäquat abgebildet. Modellprojekte einzelner Regionen haben gezeigt, wie

es gehen kann. Aber was wir brauchen, ist eine echte sektorenübergreifende

Lösung für ganz Deutschland! Mit unserem Konzept kann das gelingen!“


Hintergrund zur KBV-Vertragswerkstatt: Nach dem Motto „„Besondere Lösungen für

besondere Probleme“ entwickelt die Vertragswerkstatt der KBV gemeinsam mit

Kassenärztlichen Vereinigungen, Berufsverbänden und Selbsthilfeorganisationen

Konzepte für spezielle Versorgungsangebote, welche die allgemeine, zwischen

Krankenkassen und KBV ausgehandelte kollektivvertragliche Versorgung ergänzen.

Damit die Konzepte tatsächlich Eingang in die Versorgung finden, müssen die

Krankenkassen deren Umsetzung unterstützen. Nähere Informationen zur

Vertragswerkstatt gibt es hier: http://www.kbv.de/html/100.php


Quelle: <a href='https://www.mydrg.de/k/5W4' title='Koordiniert, leitliniengerecht und im Team: Versorgung von Beatmungspatienten zu Hause'>Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner</a>, pne14.03.2018

(Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner).