Bundesverband Pflegemanagement warnt bei Pflegepersonaluntergrenzen vor Orientierung an Ist-Werten

Die aktuellen Diskussionen um Personaluntergrenzen auf Basis von Ist-Werten beurteilt der Bundesverband Pflegemanagement kritisch und als hochproblematisch für die künftige Qualität der Patientenversorgung. Mit großer Sorge betrachtet der Bundesverband Pflegemanagement die aktuelle Diskussion um Personaluntergrenzen und die dazugehörigen Äußerungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und des GKV-Spitzenverbands. Der Auftrag an die KPMG, Daten zum Verhältnis Pflegepersonal zu Patienten retroperspektiv zu erfassen und als Orientierung für den sogenannten Perzentil-Ansatz zu nutzen ist aus Sicht des Verbands äußerst problematisch.


Diese Vorgehensweise würde bedeuten, man orientiert sich bei der Festlegung der

Grenzen an den schlechter ausgestatteten Einrichtungen. Denn im Fokus der

Erfassung stehen vor allem Einrichtungen im unteren Segment, also Häuser die

bereits heute keine dem Versorgungsbedarf entsprechende

Patienten-Pflegekraft-Relation aufweisen. „Statt die Personalausstattung zu

verbessern, würden Missstände so zum neuen Standard", so Peter Bechtel, der

Vorsitzende des Bundesverbands Pflegemanagement. Dies widerspricht klar dem

Ziel der Bundesregierung deutliche Verbesserungen zu schaffen, fügt Bechtel

hinzu.


Bei einer im Herbst letzten Jahres vom Bundesverband Pflegemanagement

durchgeführten Stichprobenerhebung hat sich gezeigt, wie schwierig es aufgrund

der unterschiedlichen Versorgungslagen in den Einrichtungen ist, die richtige

Basis für die Ermittlung der Personaluntergrenzen zu finden. So hat der

Bundesverband in seiner Befragung festgestellt, dass in den gleichen

Fachabteilungen, beispielsweise Kardiologie, die Pflegefachkräfte am gleichen

Tag in dem einem Haus 16,2 Patienten im Frühdienst zu versorgen hatten, während

Fachkräften in einem anderen Haus 4,5 Patienten zugeteilt waren. Durchgängig

zeigte sich über alle Schichten hinweg und auch unabhängig vom Wochentag eine

sehr breite Streuung des Patienten-Personal-Verhältnisses, selbst dann, wenn

„Ausreißer" eliminiert wurden. „Es würde uns sehr wundern, wenn die Erhebung

von der Firma KPMG wesentlich andere Ergebnisse zu Tage brächte", so Peter

Bechtel. Ob auf Basis dieser Erkenntnisse überhaupt Grenzen sinnvoll definiert

werden können bleibt fraglich. Aus Sicht des Verbandes birgt die Definition von

Personaluntergrenzen wesentlich mehr Risiken als Vorteile für die Sicherheit in

der Patientenversorgung. Auch das alleinige Herauslösen der sogenannten

Pflegelast, also der in die DRG-Vergütung eingerechneten Pflegeerlöse, sehen

Bechtel und seine Vorstandskollegen nicht als dauerhafte Lösung. Auch dieser

Ansatz schreibe nur die ohnehin belastende und vielerorts patientengefährdende

Ist-Situation fest.


Der Bundesverband fordert daher effektive Sofortmaßnahmen. Allen voran die

Bereitstellung der Mittel für die 50.000 seit Einführung der DRG verloren

gegangenen Stellen in Deutschlands Krankenhäusern. Damit unterstützt der

Bundesverband Pflegemanagement die Forderung des Deutsche Pflegerats. Darüber

hinaus muss Geld in die Hand genommen werden, um ein adäquates System zu

schaffen, in welchem Pflegeleistungen und Pflegebedarf die Basis für die

Personalbemessung und Finanzierung darstellen. Dafür könnten beispielsweise

fünf Milliarden aus dem aktuellen Steuerüberschuss sinnvoll eingesetzt werden.

„Sich an der Ist-Situation zu orientieren, bedeutet einen Rückschritt und ist

mit einer qualitativ hochwertigen Versorgung nicht zu vereinbaren", so Bechtel

abschließend (Pressemitteilung).