Codieren in der Hausarztpraxis - Wird die ICD-11 ein Fortschritt sein?

Hausärztinnen und Hausärzte haben keinen eigenen Nutzen vom Verschlüsseln der Diagnosen – sie codieren für die Zwecke anderer. Sie nutzen dabei meist den Thesaurus des Deutschen Instituts für Medizinische Information und Dokumentation (DIMDI) oder selbst erstellte "Hauslisten". Die Codierqualität scheint für den morbiditätsadjustierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) auszureichen.


Aus hausärztlicher Sicht ist weder die „Internationale statistische

Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10)

noch der DIMDI-Thesaurus für die Hausarztmedizin geeignet. Es ist nicht

erkennbar, dass die neue ICD-11 ein Fortschritt für Hausärzte sein wird.

Zumindest ist das Datenbankformat mit Browser vorteilhaft. Eine konsequente

Einbindung in die 182 deutschen Praxisverwaltungssysteme (PVS) würde den

Codiervorgang standardisieren und die Codesuche erleichtern. Diese Codierweise

wäre jedoch immer noch aufwendiger als die Nutzung der Hauslisten.


Erste Schritte in Richtung einer „offiziellen Hausliste“ wurden gegangen. Eine

primärmedizinische Version der ICD-11 ist geplant, wird aber nicht ausreichend

unterstützt. Mit der International Classification of Primary Care (ICPC-2)

liegt bereits jetzt eine adäquate Klassifikation für den hausärztlichen Bereich

vor, die in Kombination mit der ICD-10 verwendet werden kann. Aktuell wird die

ICPC-3 entwickelt. Die ICPC ist Teil des ICD-11-Foundation-Layer und müsste nur

noch als offizielle Version für den hausärztlichen Bereich anerkannt werden.

Auch über die ICPC ließen sich die richtigen Codes der ICD schnell finden. Eine

verbesserte Kommunikationsfähigkeit der PVS untereinander sowie mit

Krankenhausverwaltungssystemen könnte eine Übernahme von Codes möglich machen.

Eine weitere Möglichkeit, die Situation zu verbessern, bestünde darin, den

Hausärzten eigene Anwendungszwecke für die Daten zu schaffen (Springer).


DOI: 10.1007/s00103-018-2750-y