Paracelsus-Kliniken: Gläubigerversammlung stimmt Insolvenzplan zu

Entscheidende Etappe durch Annahme des Insolvenzplans erfolgreich beendet Gläubiger erhalten erste hohe Planquote von etwa 42 Prozent und Aussicht auf weitere Ausschüttung Bundeskartellamt hat Freigabe für Übernahme durch Investor Porterhouse erteilt Zustimmung der Gläubiger macht Weg frei für Neustart durch Porterhouse.


Osnabrück, 23.05.2018. Bei der heutigen Gläubigerversammlung der Paracelsus Kliniken Deutschland GmbH & Co. KGaA i.I. ("Paracelsus-Kliniken") haben die Gläubiger einstimmig in allen Gruppen dem Insolvenzplan zugestimmt. Den Insolvenzplan hatte zuvor die Eigenverwaltung mit dem Restrukturierungsteam um

die Generalbevollmächtigten Andreas Ziegenhagen, Daniel F. Fritz und Dr. Reinhard Wichels in Abstimmung mit dem designierten neuen Eigentümer Porterhouse Group AG (‚Porterhouse‘) beim Amtsgericht Osnabrück eingereicht.


Die Annahme des Insolvenzplans sichert die Zukunft und Fortführung der

Klinikgruppe. Der Insolvenzplan bildet die gesamten Restrukturierungsmaßnahmen

der Eigenverwaltung und der Geschäftsführung, den Übergang auf den Investor

sowie die Befriedigung der Gläubiger ab und ermöglicht der Klinikgruppe, das

Verfahren vorzeitig zu beenden.


Verfahren kurz vor der Ziellinie

Sobald der Insolvenzplan durch Beschluss des Amtsgerichts rechtskräftig wird,

wird die Übernahme durch Porterhouse vollzogen. Es wird damit gerechnet, dass

bereits am 30.06.2016 - gerade einmal sechs Monate nach dem Insolvenzantrag -

das Verfahren aufgehoben wird. Bis dahin leiten der Geschäftsführer Michael

Schlickum und die Eigenverwaltung die Klinikgruppe weiter.


Auszahlung der Planquote bereits im Sommer 2018

„Ich freue mich, dass die Gläubiger einstimmig den Insolvenzplan angenommen

haben. Das ist ein wichtiger Durchbruch für die Sanierung der Klinikgruppe und

für den Neuanfang. Daher ist das ist ein guter Tag für die Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter und für die Klinik-Standorte“, freut sich Dr. Rainer Eckert,

Sachwalter der Paracelsus-Kliniken.


Die Gläubiger haben Grund zur Freude, da sie nach derzeitigem Stand mit einer

außergewöhnlich hohen ersten Planquote von beinahe 42 Prozent rechnen können.

Bei Regelinsolvenzverfahren liegt die durchschnittliche Ausschüttungsquote bei

deutlich unter fünf Prozent. Die Planquote wird den Gläubigern zwei Monate nach

Eintreten der Rechtskraft des Insolvenzplans und nach Aufhebung des Verfahrens

ausgezahlt.


Luft nach oben für weitere Ausschüttung

„Natürlich legen wir sehr großen Wert auf eine bestmögliche

Gläubigerbefriedigung. Neben der ersten Ausschüttung der Planquote im Sommer

2018 haben die Gläubiger durchaus die Aussicht auf eine weitere signifikante

Ausschüttung. Dadurch würden die Gläubiger erfreulicherweise insgesamt den weit

überwiegenden Teil ihrer Forderungen zurück erhalten “, erläutern die

Restrukturierungsexperten Rechtsanwalt Andreas Ziegenhagen und Rechtsanwalt

Daniel F. Fritz. Diese zusätzliche Besserungsquote, die etwa in 2021

ausgeschüttet würde, käme zu der bisherigen Planquote von 42 Prozent auf die

jeweiligen festgestellten Forderungen hinzu.


Grünes Licht für Übernahme vom Kartellamt

Inzwischen liegt auch die Freigabe für die Übernahme der Paracelsus-Kliniken

durch Porterhouse vom Bundeskartellamt vor. Das Kartellamt hatte zuvor geprüft,

ob durch die angestrebte Übernahme der Beteiligungsgesellschaft Porterhouse

eine Behinderung des Wettbewerbs eintreten würde und der Übernahme grünes Licht

erteilt. Damit ist eine weitere wichtige Bedingung für die Übernahme von der

Porterhouse Group mit Sitz in Luzern erfüllt worden.


Restrukturierungskurs ermöglicht Stabilisierung und positive Perspektive

Mit dem Verkauf der Gruppe an den künftigen Eigentümer können alle

Verpflichtungen aus dem Insolvenzplan erfüllt werden. Gleichzeitig greift das

Restrukturierungskonzept der Eigenverwaltung und beschleunigt die Sanierung.

Diese wiederum stabilisiert die Klinikgruppe, erhöht die Ertragskraft und

ermöglicht langfristig einen positiven Ausblick auf den Geschäftsbetrieb. Im

Wesentlichen führen eine Portfolio-Anpassung, wie etwa die Schließung des

Standortes Karlsruhe und defizitärer Fachabteilungen, der gezielte Ausbau von

Leistungsschwerpunkten, diverse Kostensenkungen auf organisatorischer Ebene und

im Einkauf sowie Personalmaßnahmen zu einer deutlich verbesserten und stabilen

wirtschaftlichen Situation der Klinikgruppe.


Ursachen für die Insolvenz

Vor dem Antrag auf Eigenverwaltung konnten die Paracelsus-Kliniken insgesamt

nicht wirtschaftlich betrieben werden, weil insbesondere die Akutkliniken in

Karlsruhe, Osnabrück und Henstedt-Ulzburg über Jahre teils erhebliche Verluste

erwirtschafteten. Kritisch ist weiterhin die Entwicklung des Reha-Standortes

"Rotenfelsklinik" in Bad Münster, der seit mehreren Jahren Verluste schreibt

und einen beträchtlichen Investitionsrückstau aufweist. Hier wird die

Eigenverwaltung im Rahmen des noch laufenden Insolvenzverfahrens ergebnisoffen

alle Optionen für die Reha-Klinik in Bad Münster prüfen, die auch einen Verkauf

oder letztlich die Aufgabe der Klinik einschließen.


Nach konsequenter Durchführung der Sanierungsmaßnahmen ist es der

Eigenverwaltung und der Geschäftsführung - unterstützt und überwacht durch den

Sachwalter - gelungen, die Klinikgruppe als Ganzes zu erhalten, sie zu

stabilisieren und nun an einen verantwortungsvollen neuen Eigentümer zu

übertragen. Die neue Eigentümer Porterhouse wird die weiteren Schritte zur

Neuaufstellung des Unternehmens begleiten (Pressemitteilung).