Wider das politische Getöse einiger Krankenkassen

  • Guten Tag zusammen,


    ein kurzer Hinweis auf den offenen Ausgang für beide Seiten mit den rechtlichen, bindenden Konsequenzen war hier ein durchgreifendes Argument, insbesondere verbunden mit dem Hinweis auf ein partnerschaftliches Handeln und einer juristischen Bewertung des "Angebotes".


    MfG stei-di

  • Guten Morgen,


    ein Artikel in der Ärztezeitung zeigt die übliche Streit-Linie. Soweit nicht bemerkenswert.

    Allerdings erstaunlich ist die dort geschilderte Einschätzung der DKG:

    Zitat

    Nach Einschätzung der DKG suchten die Kassen gerade bei Komplexziffern nach Fehlern, um die Höhe der Vergütung in Frage zu stellen. Während in der Regel drei bis fünf Prozent der Abrechnungen vom MDK geprüft werden, seien es bei Komplexziffern 15 bis 20 Prozent.


    Da frage ich mich: Gibt der Artikel die Einschätzung der DKG korrekt wieder oder ist das ein journalistisches Versehen? Bei derartigen Prüfquoten käme ich hier in Feierstimmung. Ich kenne Prüfquoten von 85% in der Geriatrie, bei den nicht geprüften Patienten war der Kode nicht gruppierungsrelevant. Muss man mit dem Medium oder mit der DKG reden?


    Herzlichen Gruß


    merguet

  • Hallo merguet,

    evtl. kommt die Zahl dadurch zustande, dass die DKG eben alle Komplex-OPS betrachtet und nicht lediglich die aktuell umstrittenen wie Geriatrie und Intensiv? Allerdings passt auch der Anteil von 3-5% nicht wirklich zu den seit Jahren geführten Statistiken von medinfoweb, die ja von der DKG ausdrücklich unterstützt werden...


    MfG, RA Berbuir

  • Guten Tag


    Siehe hierzu auch:



    Gruß

    E Rembs




    „Wo Fehlsteuerungen und Fehlerquellen auftreten und Reformbedarf besteht, wird für Krankenkassen erst erkennbar, wenn sie Abrechnungen ohne Einschränkungen und unter Zuhilfenahme des medizinischen Sachverstandes des MDK prüfen.


    Die hohe Zahl von über 40 % fehlerhafter Abrechnungen verdeutlicht diesen Prüfungsbedarf, selbst wenn die notwendigen Korrekturen im Ergebnis nicht in allen Fällen zu einer Reduzierung des Abrechnungsbetrags führen. Die Komplexität des Finanzierungssystems und die Vielzahl selbständiger Krankenhäuser als Gläubiger zeigt, dass unzutreffende Abrechnungen kein zu vernachlässigendes Phänomen darstellen.“


    https://www.bundesverfassungsg…en/DE/2019/bvg19-003.html

  • Moin,


    aus der Hüfte habe ich dazu keine soliden Zahlen. Aber die Quoten liegen bei uns insgesamt bei 23-25%, Große KTR schaffen z.T. deutlich mehr und die Komplexbehandlungen sind der Haupt-Fokus


    Ich werde mal versuchen, die Ärzte-Zeitung deswegen anzufragen.


    Gruß


    merguet

  • Hallo zusammen,


    schön daß der Uralt-Thread mal wieder "hervorgekramt" wird, aber mit 3% ist vielleicht die Quote der Fälle gemeint die korrigiert werden. Da wir bald Richtung 40% Prüfquote gehen (bei uns waren es ca. 22%) evtl. nur eine Verwechslung.... Ein Schelm, wer Böses denkt!


    VG

  • Tach,

    hab ich gemacht.

    Gruß

    merguet

  • Endlich wird das Wissen um die betrügerischen Kliniken wieder aufgefrischt:

    https://app.handelsblatt.com/p…-Z1jjWqjda3lfLBBn6OKF-ap2


    Leckerbissen hieraus:


    Um ihre Bilanz aufzubessern, rechnen Krankenhäuser oft falsch ab. Doch der Prüfdienst der gesetzlichen Krankenkassen kommt ihnen auf die Schliche.


    Die Krankenkassenpolizei, die die Bösen jagt und auch stellt. Danke für den Einsatz! Klingt wie investigativer Journalismus à la RTL2 Nachmittags"doku". Der Autor dieses Artikels schreibt da vielleicht auch die Stories. Zumindest hat er das Potential dafür, oder sagen wir, das "Niveau".


    Dabei wurde 2018 jede zweite Rechnung im Durchschnitt um 2.000 Euro gekürzt. Nur bei einem Prozent kam es zu einer Erhöhung des Rechnungsbetrags.


    Nur 1 %.... Woran das wohl liegt?


    Um ihre Bilanz aufzubessern, rechnen Krankenhäuser oft falsch ab. Doch der Prüfdienst der gesetzlichen Krankenkassen kommt ihnen auf die Schliche.Daraus den Schluss zu ziehen, dass die Krankenhäuser es bei der Stellung der Rechnung schlicht darauf ankommen lassen, ob sie erwischt werden oder nicht, hält der MDK-Mann nicht für abwegig. „Die Krankenhäuser haben ein Interesse, für jeden Fall den größtmöglichen Rechnungsbetrag zu erzielen“, sagt er.


    Jep, alles Betrüger. Man hätte vielleicht ergänzen können, dass die KK ein Interesse haben, für jeden Fall den niedrigstmöglichen Rechnungsbetrag zu zahlen.


    Dabei profitieren die Krankenhäuser davon, dass sie bei einer fehlerhaften Rechnung kein Bußgeld zahlen müssen. Dagegen müssen die Krankenkassen für jede geprüfte Rechnung, die sich als richtig herausstellt, 300 Euro Strafe zahlen.


    Aha, für jede geprüfte Rechnung 300 €... Wer das schafft, bitte PM mit Zauberspruch an mich, danke!


    Jede Differenzierung aber bietet den Rechnungsabteilungen auch neue Ansatzpunkte für eine Optimierung der Rechnung. Wie sieht so etwas aus? In 14 Prozent der geprüften Fälle rechnete die Klinik einen Krankenhausaufenthalt ab, obwohl die Behandlung ambulant erfolgen könnte.


    Prinzipiell also der Ansatz einer bandenmäßigen Kriminalität. Der behandelnde Arzt ist ja bekanntermaßen der MDKler, der das so weiß....


    Richtig viel Geld aber lässt sich mit der Wahl der Hauptdiagnose verdienen, weiß Klaus Peter Thiele, leitender Arzt des MDK Nordrhein. Das DRG System erweist sich hier offenbar als Trigger für eine Optimierung der Abrechnung. So steigt die Vergütung für einen Beatmungspatienten auf der Intensivstation um mehr als 9.800 Euro an, wenn er länger als 249 Tage beatmet werden muss. Da bleibt ein Patient zumindest auf dem Papier schon einmal länger unter dem Beatmungsgerät als er eigentlich müsste.


    "Das DRG System erweist sich hier offenbar als Trigger für eine Optimierung der Abrechnung. " Was für ein schwachsinniger Satz.

    249 Tage beatmet, 9.800 € mehr... soso.Tage oder Stunden, wer nimmt das schon so genau. Papier ist geduldig, der Patient die 249 Tage hoffentlich auch.


    „Alle diese Faktoren führen dazu, dass das Ziel der richtigen und gerechten Vergütung im Krankenhaus verfehlt wird“, sagt Hustadt. Leidtragende seien alle Kliniken, die korrekt abrechnen. Zudem binde die wachsende Zahl der Prüfungen Personal und Geld, das am Ende für die Versorgung der Patienten fehlt. Die Politik müsse bestehende Fehlanreize beseitigen, fordert er.


    Die Politik sollte dafür sorgen, dass der MDK in seiner bisherigen Struktur aufgelöst wird und in ein unparteiisches Institut geschaffen wird, damit diese immer wieder festzustellende, mit schwachsinnigen Pseudoargumenten vorgehaltene Blockadehaltungen durchbrochen wird. Zudem wäre es hilfreich, wenn man nur Gutachter vorhält, die inhaltlich dafür gerüstet sind. Was man da teilweise als "Gutachter" vorgesetzt bekommt, ist unaussprechlich peinlich.

    Und ja, es gibt Falschabrechnungen, ja, es liegen auch Patienten in einem Bett, das sie nicht bräuchten und ja, es gibt auch ganz sicher absichtliches Upcoding, ganz sicher schwarze Schafe. Dies gehört auch geändert, durch entsprechende Prüfungen. Aber die Fälle einfach auszusitzen (und zu verrechnen) und die Klinik in die Klage treiben, egal wie schwachsinnig die "Argumentation" ist, ist einfach nur eine einseitige Benachteiligung.

    Unterstützt werden könnte die Verbesserung durch eine sinnvolle Darstellung der Kodierrichtlinien (nehmen wir doch einfach mal Stichwort "Beatmung"). Hier lähmt sich die Selbstverwaltung seit Jahren selber. Da sollte man mal irgendwann eine Lösung finden!


    Der MDK Nordrhein will es erst mal im Guten versuchen: „Wir suchen das Gespräch mit den Kliniken und laden in diesem Jahr die Medizin-Controller der 175 Krankenhäuser in unserem Zuständigkeitsbereich zum Gespräch ein.“


    Das schwer erziehbare Kind mal mit Reden, nicht nur Schlägen formen, gute Idee.... Ich hoffe aber, man hört da auch mal richtig zu.


    Was mich besonders stört, ist, dass dieser Artikel ja dann zum Redigieren an die Herren vom MDK-Nordrhein (Andreas Hustadt und Dr. Klaus- Peter Thiele) gegangen sein muss und diese ganz offensichtlich nicht auf die Idee kamen, hier eine sachgerechte Darstellung der Sachverhalte zu unterstützen. Wenn ich die Einladung zu dem erwähntem Gespräch bekommen würde, würde ich da ganz sicher mal darauf hinweisen, dass diese Haltung das Verhältnis weiter verschlechtert und ganz augenscheinlich macht, wie "der" MDK tickt. Danke für diese Klarstellung. Wird mir ein Rätsel bleiben, wie ungeschickt und undifferenziert man in Leitungsfunktionen sein kann. Peinlich.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Gestern Abend drüber gelesen und mir nur gedacht: "Nette Pressemeldung des MDK".

    Grüße aus dem Salinental

  • Seitdem ich weiß, dass ich einer "deliktsförderlichen Tatgelegenheitsstruktur" vorstehe, achte ich noch mehr darauf, dass unsere Patienten die notwendige Beatmung auch wirklich erhalten und nicht nur "unter dem Beatmungsgerät" liegen. Das wäre dann tatsächlich Abrechnungsbetrug.


    Kopf hoch an alle und weitermachen!

    AnMa