Frage aus der Praxis...

  • Liebe Kolleg(inn)en,
    wie verschlüsselt man denn am besten den Querschnittspatienten DRG-gerecht (Nebendiagnose, keine Akutfall), der ja ohne Frage eine Menge mehr Arbeit macht, nicht nur bei einer Operation wie in unserem Falle. Ich beiße mir die Zähne aus, komme aber immer nur auf CCL-Werte von 0. Hat jemand das Exempel schon einmal durchgespielt?
    Dank und Gruß,


    Jan Cramer

    Dr. J. Cramer
    AGAPLESION Diakonieklinikum Hamburg

  • Hallo Hr. Cramer,


    die Schlüssel aus der Gruppe G82.- haben nur dann einen CCL (2-4), wenn eine Tetraplegie vorliegt. Anscheinend ist es in Australien zu keiner statistisch signifikanten Fallkostenerhöhung gekommen, wenn eine Paraplegie vorlag, deswegen erfolgte keine CCL-Bewertung > 0. Das dies in Einzelfällen natürlich zu höheren Aufwendungen führen kann, ist klar. Das DRG-System erfüllt allerdings auch nicht den Anspruch an Fallhomogenität in den einzelnen DRGs, deswegen sind es nun halt auch mal Pauschalen.
    In Zukunft liegt es natürlich bei uns, anhand der Dokumentation nachzuweisen, dass diese Nebendiagnose doch so relevant bezüglich der Kosten ist und vielleicht eine CCL-Bewertung > 0 resultiert. Deswegen auch die Paraplegien unbedingt kodieren, auch wenn im Moment kein finanzieller Vorteil resultiert. Noch haben wir die australischen CCL´s, dass wird sich zwar noch nicht 2003 ändern, aber irgendwann...


    Gruß
    --


    Dirk Dorian Selter
    Arzt, Leiter Med. Cont., DRG-Beauftragter, Kliniken d. Main Taunus Kreises GmbH, Hofheim/Taunus

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Danke für die Belehrung Herr Selter,
    da fasse ich mir aber wieder nur an den Kopf, denn was macht wohl einen höheren (Pflege)aufwand: ein Querschnitt oder...


    Das muß ich erstmal schlucken ;-)


    Viele Grüße,


    Jan Cramer

    Dr. J. Cramer
    AGAPLESION Diakonieklinikum Hamburg

  • Hallo Hr. Cramer nochmal,
    das ist meine persönliche Interpretation des Sachverhalts. Außer der alles erklärenden Statistik, kann ich mir allerdings keine anderen Gründe ausmalen, warum die Paraplegie nicht mit einem CCL > O beglückt wurde. Deswegen kann ich auch nicht "belehren" (das hat auch so einen bitteren Beigeschmack), sondern nur diskutieren. ;)


    Viele Grüße
    --


    Dirk Dorian Selter
    Arzt, Leiter Med. Cont., DRG-Beauftragter, Kliniken d. Main Taunus Kreises GmbH, Hofheim/Taunus

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Oh nein, Herr Selter,
    das war überhaupt nicht so gemeint, Ihre Infos sind immer so fundiert und handfest, daß ich mich darüber freue, von Ihnen zu hören! Es wird mir nur so oft vor Augen geführt wie, wenig Logik angebracht ist.
    :rotate:


    Viele Grüße,


    Jan Cramer

    Dr. J. Cramer
    AGAPLESION Diakonieklinikum Hamburg

  • Hallo Herr Cramer, Hallo Herr Selter,


    erstaunlicherweise war die "Belehrung" nicht richtig, denn laut Definitions Manual ist ADRG B60 (Non Acute Paraplegia/Quadriplegia W or W/O O.R. Procedures) kurioserweise Bestandteil der Pre-MDC!


    Alle nicht akuten Paraplegien/Tetraplegien (egal ob als Haupt- oder Nebendiagnose erfasst) führen zur Einordnung in die DRG B60A oder B, wobei A einen PCCL > 3 erfordert. Durchgeführte Operationen verändern die Eingruppierung laut Definition nicht.


    cw (Public 98_99) B60A 7,85 und B60B 2,09


    Mit freundlichen Grüßen


    Dr. Bernhard Scholz


    -----
    Grouper-Software ist nicht gleich DRG-Definitionshandbuch ist nicht gleich Kodierrichtlinie

    [center] Bernhard Scholz [/center]

  • Guten Morgen,
    ich habe es dann doch mal gegroupt und kann Hr. Scholz zustimmen. `Erst Groupen, dann den Mund aufmachen!` ist ab sofort einer meiner Grundsätze.
    In den mir zu Verfügung stehenden Groupern erreicht man damit dann sogar ein RG von 2,22 für B. Man lernt doch nie aus, danke Herr Scholz.


    Jetzt stellt sich für mich nur die Frage, warum dann die Tetraplegie mit einem CCL ausgestattet ist, da doch anscheinend die Nebendiagnose Tetra-/Paraplegie zur "Hauptdiagnose" wird. Es macht auch keinen Unterschied, ob ich die G82.50 oder G82.26 eingebe, B60B Nicht akute Paraplegie /Tetraplegie; mit oder ohne OPs ohne schwerste KK beinhaltet ja beides.
    Wann und wo also kommt der CCL der Tetraplegie überhaupt zum Tragen?
    Ich bin gespannt!
    Gruß


    --


    Dirk Dorian Selter
    Arzt, Leiter Med. Cont., DRG-Beauftragter, Kliniken d. Main Taunus Kreises GmbH, Hofheim/Taunus


    [ Dieser Beitrag wurde von Selter am 22.08.2001 editiert. ]

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Scholz, guten Morgen Herr Selter,
    nicht daß der Eindruck entstünde, ich hätte nicht selbst gegroupt...
    Habe dabei aber mein Augenmerk lediglich auf den CCL-Wert der schlaffen lumbosakralen Paraplegie (G82.05) gerichtet und die Veränderung der DRG nicht bemerkt!!!!I) I)
    Es hätte mich auch sehr gewundert...
    Ich bin begeistert. Vielen Dank nochmals für die "Belehrungen".


    Viele Grüße,


    Jan Cramer

    Dr. J. Cramer
    AGAPLESION Diakonieklinikum Hamburg