8-981.0/1 Monitoring, 6 Parameter

  • Hallo,


    hier mal wieder das leidige Thema neurologische Komplexbehandlung. Die Patienten werden erstklassig auf unserer Stroke Unit versorgt und der MDK findet mal wieder eine Mini-Dokumentationslücke oder ist anderer Ansicht als wir um Geld für die KK eintreiben zu können.


    Nun haben wir ein neues Problem mit den geforderten 6 Parametern. Bei uns ist der sechste Parameter immer die Temperatur, und diese wurde bisher meistens nur morgens kontrolliert und eingetragen. In den Gutachten wurde das eigentlich immer so akzeptiert, nur ein MDK meint jetzt die Temperatur müsste im Sinne des Monitoring alle 4 Stunden kontrolliert werden. Kann das sein? Und wenn ja, wo steht das ??


    Sebastian

  • Moin,
    in der OPS heißt es \"..... das Monitoring darf nur zur Durchführung spezieller Untersuchungen unterbrochen werden.....\" Eine singuläre Messung der Temperatur ist daher ein beliebtes Agriffsziel des MdK. Lösung: alle 4h kontrollieren :-)

    Dr.D. Herbertz
    MedCon; Chirurg
    Regio Kliniken

  • Hallo zusammen,


    leider gibt es bei der neurol.Komplexbehandlung sehr viele Angriffsziele und jeder Pfennigfuchser kann dabei zu 99% immer irgendetwas finden.


    Beide Antworten hier zeigen ja schon, daß es nicht geregelt zu sein scheint wie so Vieles. 4, 6, 8, 24 Stunden.... das ist doch ziemlich unerheblich, oder. Bei uns wird immer morgens Fieber gemessen und wenn der Arzt morgens, mittags und abends den neurologischen Verlauf befundet und darniederschreibt und der Patient zu 100 % fieberfrei ist, warum soll man dann den Patienten auch damit noch belasten? Ganz abgesehen von der zusätzlichen unsinnigen Bindung von Menpower?!?!?


    Wie gesagt, ein MDK-Arzt hat es bemängelt, 3-Tages Fall mit TIA und 25 Stunden auf der Stroke. Und dafür über 3000,- €, na das gönnt man dem KH ja nicht..... Sorry für meine Häme!


    Sebastian

  • Guten Tag



    Sie haben leider keine andere Wahl, die Dokumentation muß wasserdicht sein.



    In den Auseinandersetzungen um die Kodierung der neurolog. Komplexbehandlung werden nur weitere Ressourcen gebunden.
    Regelmäßige Begehungen (Feststellung der Struktur- und Prozessqualität) von stroke units wird von MDK Ärzten ausdrücklich abgelehnt.


    Die MDK Ärzte mögen kurzfristig für die Kostenträger durch die Ablehnung der neurolog. Komplexbehandlung Geld sparen, volkswirtschaftlich sind die „Kollateralschäden“ sehr viel höher.



    Aufgabe der Gutachter wäre es eher, zu fragen: warum wird ein Patienten nicht auf einer stroke-unit behandelt (besseres outcome, weniger Folgekosten), wenn die lokalen Verhältnisse das ermöglichen.



    Wir haben zertifizierte stroke units, aber die Gutachter lehnen die Kodierung der durchgeführten neurolog. Komplexbehandlung mit lächerlichen Behauptungen ab.



    Frustrierte Ärzte verlassen das Krankenhaus bzw. das Land.


    Irgendwann fehlen die Neurologen auf der stroke unit, dann wird auch keine Komplexbehandlung mehr kodiert.



    Gruß


    E Rembs

  • Hallo,


    das mit der wasserdichten Dokumentation ist mir schon klar. Aber es gibt sogar MDK-Ärzte die die Komplexbehandlung durchwinken mit der Bemerkung: IM WESENTLICHEN ERFÜLLT! - Ja, auch so etwas gibt es tatsächlich. Nur mit der Techniker und dem MDK Niederrhein (s. Thread ZE/ Human-Immun-Globuline) gibt es derartige Probleme, das ist schon sehr auffällig!!! Die anderen Krankenkassen oder MDK\'s lassen sich eigentlich sehr schnell überzeugen daß der OPS korrekt codiert ist, denn dafür ist der Patient ja auch hervorragend auf einer zertifizierten Stroke versorgt worden.




    Zitat


    Original von ERembs:


    Frustrierte Ärzte verlassen das Krankenhaus bzw. das Land.


    Irgendwann fehlen die Neurologen auf der stroke unit, dann wird auch keine Komplexbehandlung mehr kodiert.




    Kein Wunder, und 2085 schließt das letzt Krankenhaus und wir müssen uns selbst helfen.... toller medizinischer Fortschritt.



    Sebastian

  • Hallo,
    wir haben mit unserem MDK (BerlinBrandenburg) ähnliche Probleme für die rheumatologische Komplexbehandlung.
    Manchmal habe ich das Gefühl das der MDK in einer Region neue Möglichkeiten testet. Je nach dem werden diese dann in anderen Bereichen übernommen. Hätte noch einige Beispiele in denen der MDK offensichtlich nicht bundeseinheitlich agiert.


    Bei der rheumatologischen Komplexbehandlung (OPS 8-983.-) sind ebenfalls spezifische Untersuchungen / Dokumentationen gefordert.
    Aber


    Aus Kodierleitfaden Rheumatologie Version 2009 (Seite 87):
    Die aufgeführten Messinstrumente sind diagnosebezogen einzusetzen; ist der Einsatz bei einer rheumatologischen Diagnose nicht sinnvoll (z.B. BASDAI bei chronischer Polyarthritis), so braucht ein Instrument auch nicht verwendet zu werden



    Ich denke das dies im übertragen Sinne auch für medizinische Untersuchungen (Temperatur) gilt.


    Also! den gesunden Menschenverstand (ärztliche Entscheidung) beachten.


    Grade bei der neurologischen Komplexbehandlung war doch auch das Thema CT
    siehe hier

    Gruß


    MiChu ;)
    Sei nicht unglücklich vor der Zeit, denn was dich, als dir drohend, in Angst versetzt, wird vielleicht nie kommen. (Seneca)

  • Hallo MiChu,
    leider entspricht der Text aus dem Kodierleitfaden Rheumatologie nicht dem offiziellen OPS-Text.
    Und nur der ist nun mal bindend.
    Und ob da der medizinische Sachverstand ausreichend eingebunden ist wird das DIMDI sicher bestätigen; wozu gibt es denn sonst das Vorschlagsverfahren.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo Erwin,
    Danke

    Zitat


    Original von E_Horndasch:
    leider entspricht der Text aus dem Kodierleitfaden Rheumatologie nicht dem offiziellen OPS-Text.
    Und nur der ist nun mal bindend.


    darauf habe ich gewartet. Bei uns fragt der MDK immer nach einer Stellungnahme der Fachgesellschaft. Auch das DIMDI verweist immer auf die Fachgesellschaft. Von daher sollten wir nicht versuchen den OPS Katalog als alleinige Bibel zu betrachten. Dies schlägt schon deshalb fehl, da doch viele wichtige Dinge nicht bis ins letzte beschrieben sind.
    Aber selbst vor Gericht werden Urteile mit Zitaten aus Kommentierungen begründet.


    Zitat


    Original von E_Horndasch:
    Und ob da der medizinische Sachverstand ausreichend eingebunden ist wird das DIMDI sicher bestätigen; wozu gibt es denn sonst das Vorschlagsverfahren.


    Davon gehe ich aus.

    Gruß


    MiChu ;)
    Sei nicht unglücklich vor der Zeit, denn was dich, als dir drohend, in Angst versetzt, wird vielleicht nie kommen. (Seneca)

  • Hallo,


    mal kurz an der Stelle erwähnt, da ich ja nun mal als Mitglied im KKG die ICD- und OPS-Änderungen jährlich aktiv begleite:
    Bei den Komplexkodes geht es immer über die Fachgesellschaften. Ohne diese würde es diese Kodes gar nicht in diesen ausdifferenzierten Versionen geben. Dass die Komplexität der Kodes dann naturgemäß den Kodier-/Dokumentier-/Prüfaufwand steigert und verkompliziert, dies noch getriggert durch die unterschiedlichen finanziellen Interessen, ist systemimmanent (muss immer wieder feststellen: Ein tolles Wort). Das Vorschlagsverfahren ist dann der geeignete Weg, Widersprüche zu beschreiben, bzw. Anwenderprobleme zu thematisieren. So geschehen und auch letztlich umgesetzt, bei der Frage der CT-Untersuchung extern/intern (oben angesprochen). Dass aber bis zur Klärung dann auch mal ein bisserl Zeit ins Land geht, wurde ja auch schon in dem oben verlinkten Thread beschrieben.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Michael,
    schön wenn bei Euch der MDK nach Stellungnahmen von Fachgesellschaften verlangt. Ist aber nicht immer so, sonst würden wir hier nicht darüber diskutieren, was konkret unter Monitoring der Temperatur zu verstehen ist.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch