8-981.0/1 Monitoring, 6 Parameter

  • Hallo Sebastian,


    unsere Klinik liegt in NRW, Niederrhein.
    Ja, natürlich sollte es um eine erstklassige Versorgung gehen. Aber die Realität sieht doch anders aus. Den Kassen geht es ums Sparen und das treibt mittlerweile Stilblüten. Gerade habe ich ein MDK-GA auf dem Tisch, in dem moniert wird, dass die NIH-Stroke-Scale-Werte nicht summiert wurden und die Durchführung nicht auf der Fieberkurve in dem dafür vorgesehenen Feld angekreuzt wurde.


    Anderes Beispiel:
    Auf der Fieberkurve ist dokumentiert, dass der Pat. die O2-Messung nicht tolerierte (dadurch Messintervall >4 Stunden). Aber in dem angesprochenen Zeitraum wurde Fiebermessung akzeptiert: OPS streichen!


    Natürlich akzeptieren wir das nicht in jedem Fall. Aber die Arbeit, Zeitaufwand und Kosten, die diese MDK-Gutachten verursachen ist unglaublich - und zwar auf beiden Seiten. Ich bin mittlerweile überzeugt, dass auf diese Weise Haus für Haus \"mürbe\" gemacht werden soll. Sobald die Flügel gestreckt und die Komplexbehandlungen heftig reduziert werden, fokussiert man sich auf das nächste Haus...
    Natürlich sollte man dieses Spiel nicht mitspielen.
    Deshalb würden mich Urteile zum Thema \"Dokumentation Komplexbehandlung\" sehr interessieren. Zu welchem Ergebnissen kommen Sie, durch die Klageverfahren?


    Viele Grüße
    Lara

    Freundliche Grüße


    S.d.R.

  • Moin,


    Die Phasen bei uns lauteten:
    1. Vollständigkeit des Monitoring
    2. Regelmäßigkeit der UNtersuchugnen auch nachts
    3. Kontinuität der begleitetenden Terhapieformen
    4. Differentialdiagnostik
    5. (aktuell): Indikation für eine Behandlung auf der SU.


    Auch uns wurden schon pauschale Abschläge angeboten. Die Diskussion ist ermüdend. Die Leute, die die Arbeit machen, sind schon lange entnervt.


    Aufgegeben werden aber nur Briefe.


    Gruß


    merguet

  • Guten Tag zusammen,


    ich denke, es bleibt in solchen Fällen tatsächlich nur der Klageweg. Die Dokumentation der Vitalparameter alle 4 Stunden ist nebenbei bemerkt eine Empfehlung der Fachgesellschaft und nicht Bestandteil der Liste von Mindestmerkmalen im OPS-Katalog (auch 2010 nicht). Die Mindestabstände bei Dokumentation des ärztlichen Befundes sind im Katalog definiert, das ist Gesetz, das andere \"nur\" Empfehlung. Die Ablehnung des Codes mit Hilfe eines Lineals (\"Abstände zwischen Temperaturmessungen\") hat mit der medizinischen Begutachtung nichts zu tun. Eine Temperaturmessung alle 4 Stunden ist - ohne klinische Indikation - auch unsinnig. Eine Ablehnung der Vergütung auf Grund der fehlenden Temperaturmessung steht außerdem in keinem Verhältnis zu den tatsächlich verbrauchten Ressourcen, vor allem Personalressourcen.


    Einer inhaltlichen Diskussion werden wir uns dagegen m.E. kaum entziehen können. Hier meine ich die Patienten, welche anhand der Akte völlig unauffällig erscheinen und trotzdem mehrere Tage auf Stroke Unit bleiben. Es gab bestimmt einen medizinischen Grund, warum ein Patient mit NIHSS =0 noch auf Stroke Unit behandelt werden musste. Steht in der Akte dazu nichts, würde ich für die Klage lieber einen anderen Fall nehmen.


    Gruß
    GenS

  • Danke für Ihre Einschätzung, GenS.
    Der MDK beruft sich bzgl. der Zeitabstände immer auf die Empfehlung der Deutschen Schlaganfallgesellschaft. Im Katalog gibt es keine genaue Definition, das ist ja das Problem. Ich halte das 4-Stunden-Intervall bei fehlender Indikation auch für unsinnig und vor allem - für reichlich patientenunfreundlich.
    Interessieren würde mich auch gerade diesbezüglich, ob es schon jemand ein Klageverfahren engereicht hat und mit welchem Ergebnis...

    Freundliche Grüße


    S.d.R.

  • Hallo Lara und der Rest der 8981x-Codierer,


    da solche Klageverfahren ja bekannterweise immer Jahre dauern, sollte man darauf verzichten. Zum Glück brauchten wir bzgl. der neurologischen Komplexbehandlung noch nicht klagen, der bloße Hinweis das wir dies tun würden reichte bisher immer zum Einlenken seitens der KK/KT. Diese wissen ja auch bei entsprechendem Sachverstand, daß diverse Empfehlungen eben nicht zur Beurteilung geeignet und/oder völlig unpraktikabel und patientenunfreundlich sind!


    Die Indikation zur Behandlung auf der SU bleibt jawohl dem behandelnden Arzt überlassen, oder ? Wenn natürlich 3 Tage nur Nullen stehen paßt da etwas nicht, dann ist da definitiv etwas falsch gelaufen! Dann gibt die Akte wohl nichts her und wäre natürlich für eine Klage eher ungeeignet.
    Alles in allem eine Endlos-Diskussion, die ich aber trotzdem gerne weiterführen würde, da sich ja immer neue Aspekte ergeben....


    Die KT versuchen es doch nur, weil sich bei einer Streichung des 89810 etwa 1200,--€ und bei der 89811 sogar 2700,-- (bei HD I63.x) sparen können. Nichts leichter als das, denn es gibt ja vielleicht auch Häuser die die MDK-Gutachten so akzeptieren und sich nicht wehren ?!?!


    Viele Grüße und allen ein schönes Wochenende


    Sebastian

  • Zitat


    Original von Sebastian:


    Die Indikation zur Behandlung auf der SU bleibt jawohl dem behandelnden Arzt überlassen, oder ?


    Hallo Sebastian,


    natürlich stellt der behandelnde Arzt die Indikation, wir sind aber bei der Abrechnungsprüfung :-)
    Im Grunde ist es doch dasselbe, wie bei der Entscheidung über Notwendigkeit und Dauer der stationären Behandlung. Es reicht nicht aus, einfach zu sagen, dass die tatsächlich behandelten Kollegen so festgelegt haben. Die Entscheidung muss schon nachvollziehbar sein.


    Gruß
    GenS

  • Hallo -


    das Problem ist doch aber gerade das immer weitere Auseinandertriften von dem was Sie \"Rechungsprüfung\" nennen und was ich im Gegensatz dazu als \"klinischen Ermessens- und vor allem Verantwortungspielraum\" bezeichen würde.


    Mir hat kürzlich ein MDK Mitarbeiter im Brustton der Überzeugung gesagt, er mache doch nur Rechungsprüfungen und würde auf keine Fall Einfluss auf die medizinische Qualität haben.


    Welch ein Irrtum.


    Ein schönes Wochenende.

    „Quod non in actis est, non est in mundo.“ (Was nicht in den Akten ist, ist nicht in der Welt)

  • Tag,


    Zitat


    Original von Sebastian:
    da solche Klageverfahren ja bekannterweise immer Jahre dauern, sollte man darauf verzichten.


    Nein. Manchem Unsinn muß ein Riegel vorgeschoben werden. Ich hege die naive Hoffnung, dass die SG ab irgendeinem OPunkt auch mal die Absicht der KTR in diesem Punkt erkennen.
    Und wenn es den zu unseren Lasten geht, ist wenigstens eine Klärung da.


    Gruß


    merguet

  • Hallo TT,


    ich mag die Rolle des Advocatus diaboli nicht. Was ich meinte, steht allerdings in Ihrer Signatur :-)


    Schönes Wochenende!


    Gruß
    GenS

  • Hallo miteinander,


    in diesem Zusammenhang muss ich nochmal nachfragen, wie sich bei den meisten Kliniken die 6 Parameter zusammensetzen.
    Blutdruck, Frequenz und EKG (in einem), O2 Sättigung, Temperatur ist ja meist problemlos- aber das sind nur 5 ; intrakranieller Druck, EEG und evozierte Potentiale sind doch eher selten?, was wird denn in den anderen Häusern für die \"Atmung\" verwendet- Atemfrequenz? in regelmäßigen Abständen- zählt das jemand alle 4h? oder verwenden sie die ominösen Messungen über die EKg Elektroden? - Impedanzmessung meines Wissens?


    Bin ja echt gespannt.


    Mfg

    Uwe Neiser







  • Moin, Her Neiser,


    nahezu alle modernen Monitore messen die Atmungsfrequenz. Diese wird aus den Impedanzschwankungen der EKG-Elektroden untereindander berechnet, welche bei Atemexkursionen des Thorax entstehen. Der Wert muß nur eingetragen werden oder findet sich im Trendausdruck.


    Gruß


    merguet