Pflegekräfte als Codierer...gemeinsame Fortbildung?

  • Hallo,


    hier in unserer Klinik werden wir zum 01.02.2002 zwei Pflegekräfte hauptamtlich dem Medizincontrolling zuordnen....


    Diese intern gewonnen Kräfte sollen neben der Durchführung und Kontrolle aller Codierungsarbeiten (jeweils anhand Arbeitslisten Neu-Aufgenommene und Entlassene Patienten) auch die BQS-Bögen in unserer EDV bearbeiten und später auch zur Datenerhebung für die Kostenträgerrechnung überwachen.


    Die Verantwortlichkeit bleibt bei der Ärzteschaft, diese soll aber durch diese Massnahme wirksam von Verwaltungstätigkeiten entlastet werden.


    Nun müssen wir diese zwei vollexaminierten Krankenschwestern natürlich auf ihr neues Tätigkeitsfeld vorbereiten. Hierzu habe ich schon mal ein Schulungskonzept vorbereitet, das wir hier selbst ON_THE_JOB schulen werden.


    Meine Frage an das Forum:
    Hat jemand schon Pflegekräfte ähnlich eingesetzt und hat jemand interesse die Schulungen zu teilen, d.h. wir würden dann Teilbereiche wechselseitig gemeinsam schulen und so den finanziellen und zeitlichen Aufwand minimierem?


    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Lückert
    Stabsstelle Medizincontrolling
    Unfallkrankenhaus Berlin

  • Hallo Hr. Lükert,
    auch in unserem Hause wird über die Kodierung durch "Nichtmediziner" nachgedacht. Unser Konzept ist z.Z. in der zweiten Entscheidungsrunde. An der Möglichkeit wechselseitiger Schulungen bin ich sehr interessiert.
    Auch was die Entfernungen angeht ist dies sicher einfacher zu organisieren. (Fläming - Eisenhüttenstadt)
    Lassen sie uns doch mal diesbezüglich telefonieren. Ich bin ab Mittwoch wieder gut zu erreichen (03364 543708)
    Gruß aus Eisenhüttenstadt
    Michael Chudy

    Gruß


    MiChu ;)
    Sei nicht unglücklich vor der Zeit, denn was dich, als dir drohend, in Angst versetzt, wird vielleicht nie kommen. (Seneca)

  • Hallo Herr Lueckert,
    die Kliniken des Main-Taunus-Kreises gehen diesen Weg flächedeckend. Im Rahmen eines Projektes arbeiten diese Kräfte allerdings bei uns extern in den jeweiligen Fachabteilungen. Details entnehmen Sie bitte einem Artikel der Zeitschrift Medizin im Dialog (http://www.medizinimdialog.com), Ausgabe 12/02, Titel: "Arbeitsorganisation im Krankenhaus".
    In diesem jahr wird das Projekt beendet und es folgt die Ausweitung auf das gesamte Krankenhaus. Wenn Sie weitere Fragen haben können Sie gerne mit mir Kontakt aufnehmen: drhaack@gmx.de.
    Herzliche Grüße !
    Haack
    --
    Dr. med. Jochen Haack
    Kliniken des main-Taunus-Kreises
    Medizincontrolling/Kardiologie



  • Hallo Herr Dr. Haack,


    sehr lesenswerte Arbeit, Glückwunsch zu diesem Projekt und Danke für den Hinweis.



    Gruß


    E. Rembs

  • Hallo Herr Lueckert,
    hallo Forum,


    interessant zu lesen, wie sie die ihren Personalpool umorganisieren bzw. erweitern. Wir sind bereits ab 2000 einen ähnlichen Weg gegangen und haben unsere ursprünglich rein kaufmännisch qualifizierte Stationäre Abrechnung personell sukzessive restrukturiert: Wir verfügen nun über vier ehem. (Intensiv-)Pflegekräfte, die kaufmännisch zusatzqualifiziert sind und damit zukünftig eine Patientenakte überhaupt unter DRG-Gesichtspunkten auswerten können.


    Mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, wofür viele Krankenhäuser heute noch in den Stellenausschreibungen reine Kaufleute für die Abrechnung (teilweise sogar die Abteilungleitung) suchen. ?(


    Wir versuchen, die Erlösoptimierung der ärztlich erfaßten Diagnosen anhand der Patientenakten und der EPA sowie die direkt anschließende Abrechnung in einer Hand und einem Arbeitsschritt zu halten. Die Ersterfassung der Diagnosen verbleibt also beim Ärztlichen Dienst. Eng begleitet wird die Arbeit dieser Abteilung natürlich von unserem lieben MedCo :smokin:.


    Hat noch jemand andere Ideen zur Organisation von Codier-Check und Abrechnung?


    Alex Hoppe
    Verwaltungsleiter
    Ev. Krankenhaus Unna

  • Hallo, liebe Kollegen,


    verfolge gespannt die Diskussion.
    Auch wir haben quasi flächendeckend (so ziemlich auf jeder Station) Stationsassistentinnen eingesetzt, die die ärztlichen Kollegen von ihrer administrativen Tätigkeit entlasten, was sich auch sehr bewährt hat. Zusätzlich arbeitet ein Med. Dokumentar im Medizincontrolling, der sich mit um die Kodierqualitätskontrolle kümmert.
    Auch diesbezüglich sind die Erfahrungen äusserst gut.
    An die Kodierung durch die Stationsassistentinnen hatten wir auch bereits gedacht, jedoch habe ich bislang noch Bedenken hinsichtlich der spezifischen medizinischen Dokumentation (Diabetes-Typen, etc.)- hin und wieder ist ja doch noch einiger ärztlicher Sachverstand nötig. Mich interessiert darum sehr, wie sie dieses Problem lösen bzw. gelöst haben. Sind die Mitarbeiter bei Ihnen in der Lage, entsprechend gut zu kodieren (auch als Nicht-Mediziner) oder sind es sämtlich MDs bzw. MDA´s ?
    Wie haben Sie das finianzielle Problem gelöst - zusätzliche Personalkosten oder anderweitig Stellen abgebaut ?.
    Bin demnach, lieber Herr Lückert und Kollegen, sehr am Austausch interessiert.
    Dank für Ihre Antworten, mit besten Grüßen aus Stuttgart


    Jörg Noetzel

    FA für Chirurgie, Leiter Medizincontrolling, Klinikum Stuttgart, Vorstand DGfM

  • Hallo Herr Noetzel,
    hallo Forum,


    Zitat


    Original von jnoetzel:
    Wie haben Sie das finianzielle Problem gelöst - zusätzliche Personalkosten oder anderweitig Stellen abgebaut ?.


    Zusätzliche Personalkosten...:no: Da wir die Entscheidung zur Umstellung der Qualifikationsprofile in der Stationären Abrechnung schon 2000 gefällt haben, konnten wir nun über 2 Jahre jede anstehende Nachbesetzung entsprechend nutzen. Neben den natürlichen Fluktuationen muss man bei so einer Umstrukturierung natürlich ständig darauf achten, ob sich die früheren Mitarbeiter der Abrechnung für eine Nachbesetzung anderer, intern vakanter Stellen eignen bzw. eine solche Versetzung zumutbar ist :besen:. Hilft ja leider nix... Bislang sind wir daher fast vollständig personalkostenneutral geblieben.


    Ein Projekt Stationssekretärinnen wurde aus dem Pflegedienst kompensiert, ist aber bislang nocht nicht mit den Kodierfachkräften vernetzt.


    Unserer Erfahrung nach sind wirklich geeignete Kandidaten für diese neuen Kodiertätigkeiten nur sehr schwierig aufzutreiben...


    Viele Grüße :)
    Alex Hoppe
    VL, Evangelisches Krankenhaus Unna

  • Hallo Herr Hoppe,
    hallo Forum,





    Mir ist schleierhaft, daß es in vielen Krankenhäusern kein Medizincontrolling gibt. Die alleinige Ernennung von Ärzten zu nebenberuflichen DRG Beauftragten ist sicher nicht der beste Weg.
    Peter Drucker der anerkannte Managementexperte hat kürzlich in einem Interview im manager magazin von einer Überlastung und Überforderung der Männer an der Spitze gesprochen...








    Hier liegt die Erklärung, alle Untersuchungen zeigen, die „take-off“ Manager holen die richtigen Leute an Bord, dann wird überlegt wohin die Reise gehen soll!




    Schöne Grüße


    Eberhard Rembs
    Bochum

  • Hallo Forum,


    zu den Personalkosten kann ich nur sagen, dass dies sicher keine Fehlinvestition ist, insbesondere im ländlichen Brandenburg, wo Arztstellen immer schwerer zu besetzten sind.


    Die freien Stellen auf der Intensiv werden nachbesetzt und da die zwei Intensivschwestern jetzt der Verwaltung (sprich dem Medizincontrolling) zugeordnet sind wird sich auch der Verwaltungskostenanteil nominal erhöhen (in Wirklichkeit werden die echten Kosten von Verwaltungstätigkeiten z.B. der Ärzte oder von Schwestern ja nie mitgezählt und somit halte ich eine Verwaltungskostenexplosion für reine Augenwischerei, weil die Verwaltungstätigkeiten sind ja längst enorm gestiegen und somit die echten Kosten schon lange!).


    Ich freue mich übrigens das auch andere diesen Weg gehen, mich hat es ehrlich gesagt gewundert, dass nicht schon häufiger über den Einsatz von Pflegekräften hier disktiert wurde, schließlich liegt das ja fast auf der Hand und ist meines Erachtens auch eine neues Zusatzliches Gebiet (vieleicht gibt es ja irgendwann mal eine Dokumentationsschwesterzusatzausbildung genau wie die die für OP-Schwestern für die gesamte Pflege).


    Übrigens bin ich gerade am Ausbildungskonzept für die neuen Mitarbeiterinnen und bin hier an einem regen Austausch interessiert...


    Die Frage ist was genau muss eine DRG-Fachschwester genau wissen?


    So und nun ab zum Skifahren....


    Gruß





    --
    Thomas Lückert
    Medizincontrolling
    Johanniter-Krankenhaus im Fläming

    Thomas Lückert
    Stabsstelle Medizincontrolling
    Unfallkrankenhaus Berlin

  • Zitat


    Original von Lueckert:
    So und nun ab zum Skifahren....


    ...ts, ts, und das um 11:47.
    Ich glaube, ich mache was falsch.
    Viel Spaß und guten Schnee :bounce:


    Gruß
    J. Noetzel

    FA für Chirurgie, Leiter Medizincontrolling, Klinikum Stuttgart, Vorstand DGfM

  • Hallo,
    nach so zahlreichen Wortmeldungen möchte ich auch nochmal Stellung nehmen:
    @ alle: allen Modellen gemeinsam sind, wenn ich es richtig verstanden habe, zwei Dinge:
    1. es wird versucht medizinischen Sachverstand in Verwaltungspositionen zu holen. Das ist m.E. auch absolut notwendig.
    2. bei allen Modellen handelt es sich um eine zentrale Lösung.
    Dazu folgendes: wir haben uns entschieden, das MC in zentral/dezentral zu teilen und eine entsprechende Zuordnung der Kompetenzen/Tätigkeiten vorzunehmen. Unsere MDAs sind also der dezentrale Teil. Dadurch können Sie eine Reihe weiterer Vorteile umsetzen:
    a) die Arbeiten an der Schnittstelle Verwaltung-Arzt-Pflege werden transparenter, es ist immer jemand "aus der Verwaltung" in der Fachabteilung ansprechbar. Dadurch lassen sich Reibungsverluste minimieren.
    b) wir konnten so ein monatliches Berichtswesen etablieren und haben so so ein sehr schnelles feedback über die Wirsamkeit von Ablaufänderungen.
    c) Änderungen der DKR oder "Kodiergepflogenheiten" lassen sich so schneller umsetzen.
    d) neuen Ärzten kann ein abteilungsnaher Kodiersupport geboten werden.


    @ Hr Hoppe: ein Knackpunkt bei uns war, wie wir der gesetzlichen Vorgabe "Die Kodierung erfolgt in Verantwortung des Arztes" umsetzen. Wie gelingt das bei Ihnen, wie werden Änderungen vorgenommen, wenn fehlerhaft oder unvollständig kodiert wurde ? Und: werden bei Ihnen alle Akten, oder nur eine Stichprobe geprüft ?


    @ Hr Noetzel: wir haben anfangs auch in der Chirurgie probiert mit Stationssekretärinnen zu arbeiten, mußten aber schnell feststellen, dass wegen fehlenden Medizinkenntnissen erhebliche Nachfragen entstanden. Das machte es insgesamt sinnlos. Von daher würde ich davon unbedingt abraten.


    @ Hr Rembs: volle Zustimmung: auch mir ist es nicht verständlich, dass so viele (wie viele sind das eigentlich - gibt es da Zahelen ?) Kliniken ohne MC arbeiten. Ich glaube viele Geschäftsführungen ahnen gar nicht, welches ökonomische Bedrohungspotential davon ausgeht...


    Zum Schluß nochmal eine Anmerkung zu der Frage: wer ist geeignet? Das Problem ist doch, Mitarbeiter aus den Reihen eigener Pflegekräfte er zu rekrutieren. Es verschärft den Pflegenotstand und meist gehen dann auch noch besonders gute Schwestern und Pfleger. Aber die Voraussetzungen, die mitgebracht werden, sind tatsächlich ideal.
    Mittlerweile werden eine Reihe von berufsbegleitenden Fortbildung (DRK-Kodierer ect. angeboten. Es tut sich also etwas. Das ist gut so.


    Ein schönes Wochenende wünscht



    --
    Dr. med. Jochen Haack
    Kliniken des main-Taunus-Kreises
    Medizincontrolling/Kardiologie