HD bei Kyphoskoliose und Atemmuskelinsuffizienz

  • Hallo Forum,


    seit längerem beschäftigt mich folgender Fall:


    Pat. mit Kyphoskoliose mit Atemmuskelinsuffizienz und resp. Globalinsuffizienz wird zur Kontrolle der Heimbeatmung stat. aufgenommen. Es erfolgten die Überprüfung der Lungenfunktion (Progredienz der Atemmuskelinsuffizienz), TTE (ohne relevante Ergebnisse) und BGA einschl. Anpassung der BIPAP-Einstellung (resp. Globalinsuffizienz).
    Zusammenfassend liegt eine leicht progrediente Erkrankung mit einer resp. Globalinsuffizienz vor, so dass eine Änderung der BIPAP-Einstellung erfolgte, die Blutgase konnten so verbessert werden, die weitere häusliche Versorgung mit O2 ist zudem weiterhin notwendig.


    Wie ist die HD? Der MDK möchte die Q67.5 (Kyphoskoliose). Kodiert haben wir die chron. resp. Insuffizienz als HD mit Q67.5 und Z99.1 (Abh. vom Respirator) als ND.


    Wie sehen Sie das? Für Meinungen wäre ich dankbar.


    Viele Grüße
    pay

  • Hallo pay,


    Ihr Patient wurde aufgenommen \"zur Kontrolle der Heimbeatmung\" bei respiratorischer Globalinsuffizienz.


    Ich würde kodieren:
    HD: J96.1
    ND: M41.xx (Skoliose! - es enzieht sich meiner Kenntnis, warum der MDK die Q67.5 wünscht = \"angeborene Deformitäten der Wirbelsäule - die M41 ist m.E. spezifischer).
    ND: R94.2 (abnorme Ergbenisse von Lungenfunktionsprüfungen)
    ND: Z99.1


    zudem als OPS:
    1-790 (Bodyplethysmographie)
    8-717.1 (Kontrolle oder Optimierung einer früher eingeleiteten nasalen odr oronasealen Überdrucktherapie).

    Mit freundlichen Grüßen

    Lunge - Internist / Pneumologe

  • Hallo Lunge,


    das ist sehr schön, dass Sie als Pneumologe antworten, vielen Dank.
    Zunächst haben Sie hinsichlich der M41._ statt Q67.5 Recht. Daran habe ich noch gar nicht gedacht.


    Es gibt folgende Begründung des MDK:
    Die Kyphoskoliose deshalb als HD, da dies die zugrundeliegende Krankheitsentität ist, die zu dem paraklinischen Befund der J96.1 geführt hat.
    Er bezieht sich dabei auch auf die MDK-Empfehlungen Nr. 37 und 244 (COPD und resp. Insuffizienz bei Heimbeatmung). Hierzu ist zu bemerken, dass dieser Vergleich wohl sehr hinkt bzw. diese Empfehlungen mit unserem Prüffall eigentlich nicht zu vergleichen sind, da die COPD in den MDK-Empfehlungs-Fällen ja mitbehandelt wird.


    Er geht auch davon aus, dass die resp. Insuff. auch kein Symptom sei wie z.B. Dyspnoe, also Symptome, die vom Patienten selbst angegeben werden können. Eine resp. Insuff. könne vom Pat. nicht angegeben werden, sie könne nur durch eine Messung bestimmt werden. Er hat damit auf unser Argument reagiert, wonach wir in unserer Stellungnahme die DKR D002f (Symptom als HD) als Begründung für die J96.1 angeführt haben.


    Es ist schon ziemlich bemerkenswert, wie der MDK eine derartige Begründung auf fast 2 Seiten festhalten kann.


    Mit freundlichen Grüßen und ein schönes WE
    pay

  • Hallo pay,


    Zitat

    Original von pay:Es ist schon ziemlich bemerkenswert, wie der MDK eine derartige Begründung auf fast 2 Seiten festhalten kann.


    nehmen wir mal an, der MDK hat nach fast 2 Seiten die \"besseren Argumente\": Haben Sie mal die möglichen Erlöse verglichen? :d_zwinker:


    Auch Ihnen ein schönes WE.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lunge - Internist / Pneumologe

  • Hallo Lunge,


    ja, ich weiß schon. Da die VD auch noch auf 1 BT gekürzt werden und nur die I76B abgerechnet werden soll (auf diese DRG kommt man aber nur, wenn die Z99.1 gestrichen wird), habe ich alle möglichen Varianten getestet. Mir ging es aber um eine korrekte Kodierung und die Sicherheit, da richtig zu liegen. Diese Rückenstärkung haben Sie mir gegeben. Die ist mir ganz wichtig, um sich ggf. vernünftig einigen zu können. Besten Dank und


    viele Grüße
    pay

  • Hallo pay.
    Lässt sich denn für die Kyphoskoliose überhaupt ein Ressourcenverbrauch darstellen? Ich meine, dass \"Änderung der BIPAP-Einstellungen\" eine sehr, sehr ungewöhnliche Skoliosetherapie ist, um es mal vorsichtig auszudrücken.

    Liebe Grüße


    H. Weyland
    Facharzt für Chirurgie

  • Hallo Herr Weyland,


    Zitat

    Original von Weyland:......\"Änderung der BIPAP-Einstellungen\" eine sehr, sehr ungewöhnliche Skoliosetherapie ist, um es mal vorsichtig auszudrücken.


    ohne pay vorgreifen zu wollen - er wird sicher Ihre Frage noch beantworten:
    Die Änderung der BiPAP-Einstellungen ist KEINE Skoliosetherapie.
    Bei Patienten mit einer Kyphoskoliose jedoch sieht man im Schlaf die ausgeprägtesten Sauerstoffmangelsituationen. Die reduzierte Muskelspannung der Brustwandmuskulatur und die Restriktion führen zu einer erheblichen Abnahme des Lungenvolumens. Die Atemregulation ist gestört und es entsteht eine schwerstgradige Hypoxie. Eine weitere Verschlechterung des Gasaustausches resultiert, wenn zusätzlich noch Apnoen oder Hypopnoen durch Verengungen der oberen Atemwege hinzukommen.


    Die Überdruckbeatmung ist die allgemein akzeptierte Behandlung, weil die Sauerstoffsättigung deutlich angehoben werden. Durch die Entlastung der Muskulatur steigt die Kraft der Atemmuskulatur an. Als Folge der muskulären Erholung normalisiert sich in vielen Fällen die Atmung, und die körperliche Leistungsfähigkeit wird deutlich verbessert.
    Die Überpüfung oder Neueinstellung der Beatmungsparameter verbraucht damit die Ressourcen eines Schlaflabors mit kompletter Polysomnographie. Die Beatmung ist die notwendige Therapie der Folgen der Skoliose, nicht der Skoliose selbst.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lunge - Internist / Pneumologe

  • Hallo und guten Abend,


    es ist so, wie Lunge es beschreibt. Ein Ressourcenverbrauch speziell für die Skoliose gibt es nicht.


    Herzliche Grüße und einen schönen Wochenanfang
    pay