Urosepsis bei Paraplegie

  • Guten Tag.


    Eine querschnittsgelähmte Pat. (85 Jahre alt) wird wegen Urosepsis aufgenommen und behandelt. Bei der Entlassung geschieht folgendes:


    HD A41.58
    ND E11.91; F44.88; I48; Z85.01


    Grouper wirft DRG T60A, Rel. Gew. 1,414 aus


    Die die Pflege erheblich komplizierende Paraplegie G82.05 wird als Nebendiagnose dazugegeben, und man wird gegroupt mit


    B60B (Nicht akute Paraplege mit oder ohne OR-Prozedur, ohne äußerst schwere CC.), Rel.Gew. 1,117


    führt also zu einer Abwertung um fast 0,3!:shock1:


    Arbeitet unser Grouper überhaupt korrekt? Natürlich wird man versucht sein, die Paraplegie zu "vergessen"?!
    :smile:

    M.Rost

  • Guten Tag Herr Rost,


    Ihr Grouper arbeitet richtig. Die B60 wird automatisch angesteuert, wenn ein Para-/Tetraplegie als HD oder ND genannt wird. Eine Art Pre-MDC ohne als solche ausgewiesen zu sein.


    Der Rest ist kalkulationsbedingt und nicht das einzige Beispiel für einen Mindererlös bei Nennung bestimmter Diagnosen und Prozeduren, bzw. Mehrerlös, wenn einen das Gedächtnis einen Streich spielt.
    Das bedeutet aber nicht vergessen zu dürfen, das ist die No-No-Form des Upcodings, was mit dem 2x Differenzbetrag von "erschummelter" zur berechtigten DRG-Abrechnung "belohnt" wird, den Sie dann der Kasse überweisen dürfen (sofern der Fall vom MDK so gesehen wird und die Absicht nachgewiesen wurde).


    Eine kurze Frage:
    War die Urosepsis auf einen Katheter zurückzuführen? Wenn ja müßten Sie eine andere HD nennen und es würde ein geringeres DRG resultieren.
    Der Kode Z85.01 existiert nicht, entweder Z85.0 oder -.1.


    Gruß


    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Danke für Ihre kompetente und prompte Antwort! Ich habe schon befürchtet, dass der Grouper nicht spinnt; kann er ja eigentlich auch nicht, nur diejenigen, die die Algorithmen zugrunde legen (und damit die Krankenhäuser zugrunde richten).


    Man möchte es kaum glauben. :no: Mehraufwand führt zu Mindervergütung. Und:
    Wo liegt denn im Aufwand der Unterschied, ob eine Urosepsis mit oder ohne Katheter stattfindet? Braucht man da andere Antibiotika oder was?
    Diagnose: F73.9 (hochgradiger Schwachsinn) ;D

    M.Rost

  • Zitat

    Original von rostm:Wo liegt denn im Aufwand der Unterschied, ob eine Urosepsis mit oder ohne Katheter stattfindet? Braucht man da andere Antibiotika oder was?


    Hallo Herr Rost,


    es geht da um die HD-Zuordnung, wenn die Urosepsis z.B. kausal auf einen liegende Katheter zurückzuführen ist. Hierzu die DKR 0103a Bakteriämie, Sepsis und Neutropenie:


    Sepsis im Zusammenhang mit Abort, ektoper Schwangerschaft, Molenschwangerschaft oder postoperativer Sepsis, im Zusammenhang mit Maßnahmen wie Infusion, Injektion, Transfusion oder Impfung sowie im Zusammenhang mit Prothesen, Implantaten oder Transplantaten sind
    mit dem passenden Kode aus einer der folgenden Kategorien zu verschlüsseln
    :
    ...
    T83.5 Infektion und entzündliche Reaktion durch Prothese, Implantat oder Transplantat im Harntrakt
    ...
    Bei bekanntem Erreger ist ein Kode aus Kapitel I (z.B. aus A40.- Streptokokkensepsis, A41.- Sonstige Sepsis, P36.- Bakterielle Sepsis beim Neugeborenen) als zusätzlicher Kode anzugeben, um auf den Erreger und das Vorliegen einer Sepsis hinzuweisen. Bei unbekannten Erreger ist A41.9 Sepsis, nicht näher bezeichnet zu verwenden.


    Nehmen wir also an, die Urosepsis entstand im Zusammenhang mit einem Katheter:
    HD: T83.5
    ND: A41.58, E11.91, F44.88, I48, Z85.0 (ohne die G82.05)


    L65A Andere Erkrankungen der Harnorgane mit äußerst schweren CC


    Somit sogar etwas höher bewertet als Ihre T60A (ich nahm erst an, dass das RG niedriger sein wir, da es meist in diesen Fällen so ist)!



    Gruß


    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Super, diese schnellen und kompetenten Antworten, fast wie ein Chat! Vielen Dank!


    Ob es sich bei einem Katheter allerdings um ein Implantat, Transplantat oder eine Prothese handelt, müsste genauer definiert sein. Eigentlich verstehe ich unter diesen drei Begriffen dauerhaftere Dinge als einen Katheter. Ansonsten allerdings müsste logischerweise auch die Katheteranlage (die ja keine OPS-Prozedur mehr ist) z.B. am ehesten als 5-589.0 codieren, also Stentimplantation (ein DK entspricht ja am ehesten einer Endoprothese, wie man sie z.B. auch am Gallengangsystem implantiert und auf regelmäßig wechselt).

    M.Rost

  • Zitat


    Original von rostm:
    Super, diese schnellen und kompetenten Antworten, fast wie ein Chat! Vielen Dank!


    Find ich auch !


    Anmerkung zu DKR 0103/0104a

    HD: T83.5 Katheterinfektion
    ND: I48, E11.91, G82.05 dann sagt DKR 0103a dass A 41.58 zusätzlich verschlüsselt werden darf macht B60 A = cw: 2,23


    DKR 0104a ist unklar („ ... N39.0 bezeichnet eine Harnwegsinfektion. Bei klinisch manifester Sepsis ist (( stattdessen / zusätzlich ?)) ein Kode aus A40/41 Sepsis zuzuweisen.
    das lässt nur entweder N39.0 oder A 40/41 zu und führt in B60 B



    P.S.: F44.88 (dissoziative Störung inklusive Dämmerzustand,Verwirrtheit, i.S. neurotische Störung) - bestand evtl. ein Delir F05.1 (85 Lebensjahr)?


    Gruss & Begeisterung über die schnellen Rückmeldungen, M.Goesling

  • Guten Abend Herr Rost,


    <rostm>Man möchte es kaum glauben. Mehraufwand führt zu Mindervergütung. Und:
    Wo liegt denn im Aufwand der Unterschied, ob eine Urosepsis mit oder ohne Katheter stattfindet? Braucht man da andere Antibiotika oder was?
    Diagnose: F73.9 (hochgradiger Schwachsinn)</rostm>


    mE hilft es bei rezidivierenden Anfällen von DRG-Verzweiflung immens, sich zwischendurch immer wieder mal vor Augen zu führen, wie schwachsinnig und voller Fehlanreize eigentlich das jetzige Abrechnungs- und Finanzierungssystem ist....


    Freundliche Grüße


    Christian Jacobs

  • Da haben Sie allerdings auch wieder recht. Bin mal gespannt, wie die Krankenkassen, die bisher auf möglichst kurze Liegedauer pochten, jetzt reagieren, wenn exakt die zuvor gewünschte Liegezeiten realisiert werden. Da hätte dann der Pat. doch sicherlich mindestens bis kurz vor der Grenzverweildauer im Krankenhaus bleiben können...


    Kurz gesagt, kein System kann da Gerechtigkeit herstellen. Aber mit welcher p******en Perfektion das in Deutschland mal wieder betrieben wird, ist schon erstaunlich; ich kenne praktischen Betrieb mit DRG Nord in Norwegen und Schweden aus Arbeit dort, man muss dort auch ICD und Prozeduren (in Norwegen) eingeben, aber man wird als Arzt nicht mit diesem Unfug wie hier gequält.
    MR

    M.Rost

  • Hallo Herr Rost,

    Zitat


    Original von rostm:
    Da wurde doch ein Wort mit Sternchen versehen! Also wählen wir das deutsche Wort abartig.
    MR


    Danke für den Hinweis. Der "Robo"-Zensor scheint unbestechlich, indes immer noch nicht adäquat konfiguriert. Glückwunsch zu Ihren thesaurischen Qualitäten... ;)


    Gruss
    B. Sommerhäuser
    P.S. Eigentlich soll ein solcher "Auto-Zensor" ja nur den Forenbetreiber besonders in den Nachtstunden etwas vor allzu heftigen Wörtern schützen. Sie scheinen eines gefunden zu haben. Das ist keine Aufforderung zur Suche danach.

  • Zitat


    Original von M-Goesling:
    DKR 0104a ist unklar („ ... N39.0 bezeichnet eine Harnwegsinfektion. Bei klinisch manifester Sepsis ist (( stattdessen / zusätzlich ?)) ein Kode aus A40/41 Sepsis zuzuweisen.
    das lässt nur entweder N39.0 oder A 40/41 zu...


    Guten Morgen,


    die Regel ist ganz leicht:
    Es geht darum, dass die Thesauren (ist schon teilweise geändert) der Kodiersoftware bei der Suche nach "Urosepsis" Ihnen den Kode N39.0 offerieren. Das ist nun aber der Harnwegsinfekt und keine "Urosepsis".
    Die Urosepsis ist mit einem Kode aus A40.-/A41.- zu kodieren. Deswegen ist einer dieser Kodes stattdessen zu vergeben.


    Gruß


    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Forum, Hallo Hr. Selter,
    mitlerweile verstehe ich die DKR 0104a auch so. Nicht nachvollziehen kann ich allerdings den Hinweis im DRG Kommentar von Albrecht Zaiß "DRG: Verschlüsseln leicht gemacht": Bei Vorliegen eines HWI soll mit N30.0 verschlüsselt werden, wofür steht dann aber N39.0 und warum ist N39.0 mit einem CCL 2 oder 3 versehen ??(
    Grüße aus Mülheim

    Grüße aus Mülheim
    jgiehler