Kodierung Wirbelsäule - Fixateur interne vs. Schrauben-Stabsystem

  • Liebes Forum,


    vermutlich für einen Wirbelsäulenchirurgen eine banale Frage:


    Was unterscheidet eigentlich


    OPS 5-834.4 Offene Reposition der Wirbelsäule mit Osteosynthese: Durch Schrauben-Stabsystem


    von


    OPS 5-834.6 Offene Reposition der Wirbelsäule mit Osteosynthese: Durch Fixateur interne-System?


    Das könnte m.E. 2011 wichtig werden.


    Vielen Dank!


    Beste Grüße


    Hans-Peter Brickwede

    Non me pudet fateri nescire, quod nesciam

  • Hallo Herr Brickwede, Hallo Forum


    ganz einfach, die Firmen bezeichnen ihre Produkte unterschiedlich, um sich abzugrenzen.
    konkret: es gibt nach meiner Kenntnis keinen echten, d.h. \"definierten\" Unterschied, zumindest mir ist keiner bekannt, auf den man sich rechtlich verlassen könnte.
    Wenn die Codierung Einfluss auf die Entgelthöhe hat, wird in Zukunft keine Firma für
    Ihr Produkt mehr den Begriff \"Fixateur\" verwenden.


    Selbst das früher in der hiesigen Region meist genutzte Implantat bestand aus einem Stab und der Schanzschraube und wurde Fixateur interne genannt, dann gab es noch den Plattenfixateur aus einer Spezialplatte mit normalen Schrauben (v.a. für die BWS).


    Vielleicht sollte man hier DIMDI um Rat bitten?


    Gruß


    P.Host

  • Hallo,


    Zitat

    Original von phost:
    ganz einfach, die Firmen bezeichnen ihre Produkte unterschiedlich, um sich abzugrenzen.


    Das ist hier nicht der Grund. Bei den Änderungen des OPS in der Vergangenheit wurden traumatologische und orthopädische Vorschläge für die Klassifikationsänderungen unabhängig von einander eingebracht und auch nicht wirklich reflektiert. Dadurch kam es dann zu diesen widersprüchlichen und obsoleten Kodedifferenzierungen.


    Zitat

    Original von phost:
    Wenn die Codierung Einfluss auf die Entgelthöhe hat, wird in Zukunft keine Firma für Ihr Produkt mehr den Begriff \"Fixateur\" verwenden.


    Genau umgekehrt. Der Fix. führt ab 2011 in die I09, das Schrauben-Stabystem (und die anderen Kodes aus 5-834) in die I10.


    Zitat

    Original von phost:
    Vielleicht sollte man hier DIMDI um Rat bitten?


    Wie der Zufall so will, haben gerade gestern 2 Vertreter der Arbeitsgruppe SPINE-DRG der DWG den ganzen Tag damit verbracht, sich Gedanken um eine Änderung der Kodes bei WS-Osteosynthesen zu machen. Einer davon war ich. Fakt ist, dass es schon länger die unsinnige Kodeunterscheidung zw. Fix. interne auf der einen Seite und Schrauben-Stabystem /Schrauben-Plattensystem/Hackenplatte… auf der anderen gibt. Letzt genannte sind alles Fix. interne. War alles ohne Abrechnungsrelevanz (alle 5-834er triggerten in die I10, früher I53), daher zwar schon immer auffällig, aber ohne dringenden Revisionsdruck. Das hat sich jetzt geändert: Unverständlicher Weise wurde für das 2011er-System nur der Kode 5-834.6 im Sinne der Zuordnung zur I09 aufgewertet. Die anderen Kodes führen weiterhin in die I10. Das macht keinen Sinn und da nun mal auch ein Schrauben-Stabsystem ein Fix. interne ist, wird wohl die Kodierung in 2011 sich doch sehr stark auf den Kode 5-834.6 konzentrieren…. Anzunehmen ist, dass in der Vergangenheit das Schrauben-Stabsystem meist (sehr oft) unter 5-834.6 kodiert wurde, weil es eben dem Sprachgebrauch entspricht.


    Wir sind zur Erkenntnis gekommen, das der der ganze 5-834er Bereich obsolet ist, da sich eine bessere Kodedifferenzierung bereits unter 5-835 befindet. Dort gibt es dann auch gar keinen Kode für „Fix. interne“. Allerdings ist dieser Kodebereich nur als Zusatzkode zu verwenden, womit die nächsten Probleme sich ergeben. Das kann man damit lösen, diesen Bereich teilweise als Primärkodes zu definieren (wobei der Rest der Zusatzkode dann einem eigenen Bereich zugeordnet werden würden) und auch hier dann noch die dynamischen Systeme aus dem Inkl. Von 5-835.5 herauszunehmen und hier einen eigenen Kode zu generieren. Zudem erscheint es dann sinnvoll an der 6. Stelle noch die versorgte Anzahl von Segmenten zu differenzieren, wie es schon dort teilweise umgesetzt wird.
    Einen Differenzierung nach „Reposition“ ist nicht wirklich nötig, weil 1. die Diagnosen sagen, ob Trauma oder Degenration und 2. die Kodierung der Zugänge weiter unterscheiden, ob „offen“ (Kodierung des Zugangs) oder „minimalinvasiv“ (keine Kodierung des Zugangs (perkutan), + Zusatzkode für minimalinvasiv).
    Das ist eine kurze Zusammenfassung des Standes, den ich gestern auch schon prinzipiell mit dem DIMDI besprochen habe.


    Ob es umsetzbar ist, hängt auch von dem nötigen Umbau in der DRG-Logik ab. Jedenfalls kann man diese Probleme nicht unbearbeitet lassen und es werden entsprechende Hinweise in den Änderungsverfahren beim DIMDI/InEK eingereicht werden.


    Zitat

    Original von brickwede:
    Das könnte m.E. 2011 wichtig werden.


    Das „könnte“ nicht nur, es ist es bereits definitiv.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Tag,
    ich habe mit Interesse das Thema verfolgt und muss gestehen, dass ich etwas verwirrt bin. Vielleicht sehe ich aber den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
    Deshalb hier die Bitt an die Experten um Unterstützung:
    Wie würden Sie folgenden Sachverhalt kodieren:
    Diagnose: Instabile LWK-1-Fraktur
    OP-Bericht:
    Lagerung in Bauchlage. Danach Desinfektion und steriles Abdecken. Höhenlokalisation des LWK I. Es wird nun der LWK II und der BWK XII bipedikulär punktiert. In Seldingertechnik Aufdilatieren der Weichteile und Einbringen der Pedikelschrauben. Hier kommen 5 mm Durchmesser und Länge 40 mm zu Anwendung. Anschließend Ausmessen der Stablänge. Es kommen 75-mm-Stäbe zur Anwendung. Diese werden zurechtgebogen und eingebracht. Anschließend proximal winkelstabiles Verriegeln der Schrauben, nach distal wird der Stab offen gelassen, die Länge distrahiert. Es läßt sich ein Höhengewinn von knapp 1/2 cm erreichen. Dann winkelstabiles Verriegeln aller Schrauben. Entfernen der Arbeitshülsen. Abschlußröntgen, Fasziennähte, atraumatische Hautnähte, steriler Verband.
    Verwendetes System: Fa. Synthes, Spirit - Fixateur mit Pangea-Schrauben.


    Ist das z.B. eine offene Reposition i.S. des Kodes?


    Danke für Aufklärung.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo,
    ist die Frage (s. oben) zu einfach oder zu komplex, da keine Antworten von den Experten kamen?
    :rotwerd:

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo E. Horndasch,


    mein Kodiervorschlag wäre


    S 32.01
    5-835.5
    5-839.x
    und 5-032.01


    kodieren

    mit freundlichen Grüßen
    Hartmut Kops


    Das Leben besteht zu 10 % aus dem was passiert und zu 90 % aus dem was wir daraus machen. Menschen, die ihr Bestes geben, können nicht versagen.

  • Hallo Neurocaser,
    vielen Dank für den Hinweis. War am Anfang etwas über den 5-839.x irritiert, da ich es immer nicht glauben kann, dass es keine spezifischeren Kodes gibt; aber das ist wohl ein Problem mit meinem stationären Kodierverständnis.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo Herr Horndasch, hallo Forum,


    die Antwort von Dimdi hat Herr Selter für perkutane Operationen bereits dargestellt.
    Die Antwort von Dimdi lässt aber mehr Probleme offen, als sie tatsächlich klärt.
    Es wird ja letzlich \"nur\" ein Fixateur durch Minizugänge perkutan implantiert.


    Juristen, die ich befragt habe, sehen dies ähnlich, da der Code 5-839.x nicht begründet ist, da ausser dem Einbringen des Fixateur nichts erfolgt ist.
    Die Juristen (insgesamt drei unabhängig befragt) argumentieren, dass die DIMDI Version \"juristisch formal\" schlechter ist als die Nutzung des Code 5-834.4, der ausser dem Problem des Zuganges ansonsten den Eingriff beschreibt und mit dem Zusatz minimal invasiv ide Begrenzung des Zuganges auch codiert werden kann.
    Sie (die Juristen) fokussieren sich auf den Begriff \"zusätzlich durchgeführtes Osteosyntheseverfahren\", der voraussetzen würde, dass außerdem etwas \"vorher\" passiert.
    Das Problem liegt somit an der schlechten OPS Systematik, die wohl geändert werden soll.


    P.S. im konkreten Fall erfolgte eine Distraktion des Systems, dies geht perkutan eigentlich nicht, so dass hier dann die \"offene\" Op sogar unabhängig von den o.g. Aspekten zu wählen wäre.


    Gruß


    P.Host

  • Hallo Herr Horst,


    wir haben ja schon darüber gesprochen.
    Nach wie vor ist es keine offene Reposition, daher der OPS-Kode 5-834 nicht anwendbar, auch nicht im Vergleich zu anderen Kodes. Gerade hier wird auf 4-Steller-Ebene das prinzipielle Verständnis und primäre Zuordnung des Kode definiert: Offen Reposition.... Ob ein Jurist dies in seiner Vorstellung als geringfügiges Problem ansieht, mag sein, allerdings ein \"Totschlag-Argument\" im Sinne der Klassifikation. Genauso gut könnte dann ein Jurist sagen (da es ja nicht wirklich stimmen muss), man hat den Kode für die geschlossene Repo. mit Fix. ex. zu benutzen, weil es ja keinen großen Unterschied macht, ob eine Fix. intern oder extern ist. Somit kann ich diesen \"juristischen\" Vorstellungen keinesfalls folgen.
    Inhaltlich auch falsch, ist die Vorstellung mit dem Zusatkode \"minimalinvasiv\" etwas geradezurücken. Dieser Kode relativiert hier nicht die definitiv falsche Zuordnung \"offene Reposition\". Hiermit wird lediglich der minimalinvasive Aspekt einer Operation dargestellt, macht aber aus einer offenen Reposition keine geschlossene.


    Und zu: \"Keine zusätzliche Operation an der WS\". Hier kann ich dann auch im Stiele der juristischen Meinungsbildung folgendermaßen argumentieren:
    Da eine geschlossene Reposition durchgeführt wird und diese mit keinem Kode angegeben werden kann (nur in Zusammenhang mit Ex. Fix.), ist hierfür 5-839.x zuordbar. Dazu dann die Osteosynthese mit 5-835.


    Juristen mögen hier eine \"rechtliche\" Frage dann vielleicht lieber auch mit dem DIMDI und der Fachgesellschaft DWG klären, um hier alle Aspekte korrekt zu würdigen. Soweit ich weiß, hat keiner dieser angesprochenen Juristen hier um Rücksprache gebeten. Ich kann das gerne begleiten, wenn gewünscht.


    Richtig ist, dass Änderungen in der Struktur vorgeschlagen wurden. Inwiefern hier eine Umstellung resultiert, bleibt abzuwarten.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau