Kodierung auf Palliativabteilung Tumor bzw. Metastasen oder Symptome

  • Hallo,


    ich kodiere seit kurzem für unserere neu eröffnete Palliativstation, auf der hauptsächlich Tumorpatienten symptomatisch behandelt werden. Ich bin in Bezug auf die Kodierung der ND zunehmend verunsichert oder ich stehe auf dem Schlauch. Jedenfalls würden mich andere Meinungen dazu interessieren.


    Erfolgt die Aufnahme eines Tumorpatienten ( durchmetastasiert) auf die Palliativstation in schlechtem Allgemeinzustand, mit Übelkeit, Erbrechen und starken Schmerzen, und es erfolgt eine reine Therapie der Symptome, so sind doch auch nur die Symptome als ND zu kodieren und der Primärtumor als HD!?


    Danke schon mal im Voraus für Antworten


    Gruß


    MCA 2004

  • Hallo MCA 2004,


    zumindest die SEG 4 hat hier m.E. eine nicht unvernünftige Haltung:
    Aufnahmeanlass ist die Palliativtherapie der malignen Erkrankung, die mit C...
    Bösartige Neubildung ... als Hauptdiagnose kodiert
    wird.


    Gruß Elsa

  • ups hatte die Frage doch nicht ganz gelesen,
    die ND natürlich entsprechend Ressourcenverbrauch. Wenn sie eine systematische palliative Therapie machen können Sie auch alle Metastasen kodieren, die therapeutisch erreicht werden.


    (mea culpa) Elsa

  • Hallo MCA 2004,
    wir kodieren die Metastase als HD, welche die vordringlichsten Symptome verursacht.
    z.B. Schmerzen in den Extremitäten = Knochenmetastasen, Schwindel, Übelkeit = Hirnmetastasen etc. Natürlich nur wenn die Metastasen bereits bekannt/nachgewiesen sind.
    Der MDK sieht das aber entsprechend ihrer SEG-Empfehlung, welche wir aber nicht vernünftig finden, da der Primärtumor meist schon lange operiert ist und die akute Aufnahme nicht mehr verursacht.

    Viele Grüße aus Sachsen
    D.Zierold

  • Dass die HD der Primärtumor ist, ist klar, da der der Grund allen Übels ist. Mir geht es um die ND. Es fällt mir schwer, z. B. die C79.5 anzugeben wenn lediglich der Schmerz welcher von den Metastasen ausgeht behandelt wird. Oder die C79.3 wenn lediglich antiimetisch therapiert wird.


    Gruß


    MCA 2004

  • Hallo MCA 2004,


    \"nur Mut\" zum Kodieren der NDs!!
    Es steht nirgendwo beschrieben, WIE eine Behandlung auszusehen hat.
    Ihre palliative Therapie ist ganz zweifellos sehr wichtig, wichtiger als manche Chemotherapie! Ein Leben mit Schmerzen oder Emesis ist sicherlich kaum erträglich - Ihre Palliation aber kann ein erhebliches Stückchen Lebensqualität erhalten!
    Also: ALLE NDs kodieren, welche u.a. therapeutischen Aufwand verursachen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lunge - Internist / Pneumologe

  • Hallo in die Runde,


    mag ja sein, dass ich jetzt irgendwo auf der Leitung stehe - aber widerspricht der Tumor als HD (und damit auch die SEG-Empfehlung 176) nicht der DKR D002f, Abschnitt \"Symptom als Hauptdiagnose\", die bei ausschließlicher Symptombehandlung ohne Therapie des Grundleidens das Symptom als HD fordert? Analog hierzu auch 0201j, Beispiel 8. Im Fallvon MCA2004 wird ja eben nicht mehr der Tumor behandelt (es erfolgt also keine palliative Chemo oder ähnliches), sondern ausschließlich eine Palliation der Symptome durchgeführt.


    Für Aufklärung bezüglich dieses Widerspruchs wäre ich dankbar.


    hochneblige Grüße


    MDK-opfer

  • Hallo MDK.Opfer,
    genau aus eben diesem Grund kodieren wir die die Symptome verursachenden Metastasen als HD (Bsp. siehe oben).

    Viele Grüße aus Sachsen
    D.Zierold

  • Hallo,


    in den DKR steht (grobe \"wenn sich ein Patient mit EINEM Symptom vorstellt\" und sie dann auch nur dieses EINE Symptom behandeln, ist dieses EINE Symptom die HD. Es ist wirklich als Zahlwort zu verstehen; liegen mehrere Symprtome vor, die behandelt werden, handelt es sich um eine palliative Versorgung der Grunderkrankung. Steht so leider nur in der Kommentierten Ausgabe der DKR. Ist aber, so weit ich weiß, von allen Beteiligten so akzeptiert.


    Viele Grüße

    stellv. Leitung Medizincontrolling
    Fachwirt Gesundheits- und Sozialwesen (IHK)
    MDA

  • Hallo MDK - opfer,


    diese Überlegung hatte ich auch schon, sehe das aber eher pragmatisch, da ich bestimmte KDR für sehr verwirrend halte und man sich auch in ihnen verlieren kann. Patienten die auf die Palliativstation aufgenommen werden, haben viele symptomatische Probleme, welche alle behandelt werden, ob diese vom Primärtumor ausgehen oder von den Metastasen spielt keine Rolle. Hier als HD ein Symptom anzugeben halte ich für nicht richtig, da der Primärtumor auch wenn er vielleicht gar nicht mehr vorhanden ist sondern \"nur\"Metastasen, der Grund ist für die Behandlung. Deswegen sehe ich als HD ganz klar den Primärtumor.


    LG


    MCA 2004

  • Hallo,
    warum sich dann nicht einfach nach der DKR 0201jfür Malignome halten?
    Spezifische DKR steht doch über allgemeiner DKR.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Nun, sowohl allgmeine als auch spezielle DKR sind sich hier ja einig, dass das *Symptom* (z.B: Schmerz, Dyspnoe) als Hauptdiagnose anzugeben ist, wenn nur dieses behandelt wird, und nicht der Tumor (völlig egal, ob Primärtumor oder Metastase). Bei mehreren Symptomen wäre das ein klassischer Fall von konkurrierenden Hauptdiagnosen.


    Interessant zu hören, dass es einen Kommentar zu den DKR gibt, der dem Text der DKR zu widersprechen scheint und anscheinend trotzdem von allen Beteiligten so akzeptiert wird - das DRG-System birgt eben so manche Überraschung...


    Sonnige Grüße


    MDK-Opfer