KHK ohne Coro besser als mit - kann das wahr sein?

  • Guten Tag,


    Folgende Situation: 40j. Pat. männl., 9 Tage stationär, Thoraxschmerzen, SV-Tachycardie, Oberbauchbeschwerden. Coronarangiografie, leichte diffuse Veränderungen.
    Grouping: HD I25.9, ND: i47.9, Z03.4, D50.8, E73.9, F32.0, M16.9,
    Prozeduren: 8-930, 1-275.2 (Coronarangio mit Druckmessung und Ventrikulographie im li. Ventrikel. Ergibt DRG F42B mit RG 0,658.


    Hätten wir nun keine Coronarangiografie durchgeführt, wären wir in DRG F66A (Koronararteriosklerose mit CC) gelandet mit RG 0,791.


    Wo steckt da eine Logik?:no:


    MfG
    M.Rost

    M.Rost

  • Guten Tag Herr Rost,


    Sie müssen sich die durchschnittlichen Verweildauern der DRGs anschauen.
    Sie haben in der F66A eine deutlich höhere mittlere VWD, dementsprechend höher ist das RG.
    Es gibt mehrere DRGs, wo dies auffällt: Prozedur durchgeführt und kodiert ergibt niedriger bewertete DRG als Prozedur nicht durchgeführt und nicht kodiert.
    Ich kann nur davon abraten, es folgendermaßen in solchen Fällen zu handhaben: Prozedur durchgeführt und nicht kodiert, ergibt höher bewertete DRG.
    Prozeduren sind zu kodieren und diese Art der Abrechnungsoptimierung ist eindeutig nicht zulässig und "strafbar".


    Gruß
    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Tag Herr Rost,


    als Ergänzung


    in der DRG F66A wurden bei der Kalkulation der Bewertungsrelationen die Kosten: Anlegen eines aortokoronaren Bypass (Fallzahl 2206, 1.54% und 1.27% der Fälle mit Anlage eines Bypasses) fälschlicherweise berücksichtigt. Hier wurde eine falsche ICPM (nur 4 Stellen, 5-361.0 bzw. 5-361.1) angegeben!



    Gruß


    E. Rembs
    Bochum

  • Hallo Herr Rembs,


    habe ich das richtig verstanden: Da wird die Coro "abgewertet", weil man in der Kostenermittlungsphase Fehler gemacht wurden und diese fehlerhaften Werte dann den RG zu Grunde gelegt wurden?


    MR

    M.Rost

  • Hallo zusammen,
    es gibt weitere, ähnlich gelagerte Fälle:


    Im Original nachzulesen unter:
    http://drg.uni-muenster.de/pho…&i=1080&t=1080#reply_1080


    Ich habe mir erlaubt, den dortigen Thread einfach mal zu kopieren und füge ihn hier an. Eine Sammlung solcher Fälle wäre wohl nicht verkehrt...
    Gruß B. Sommerhäuser




    Autor / Author: zschiedrich
    Datum / Date: 27.01.03 16:12


    Guten Tag,
    Patient 1 kommt zur Polypektomie bei Sigmapolypen, Entlassung nach komplikationslosem Verlauf nach 24 Stunden: HD D12.5, Prozedur 5-452.2; DRG G44B (Koloskopie ohne schwere CC oder komplizierenden Eingriff), KG 0.606.
    Patient 2 idem, es kommt aber bei der Abtragung zu einer akuten Blutung, die unmittelbar endoskopisch gestillt wird, Entlassung nach 48 Stunden: HD D12.5, ND K92.2,!Y69, Prozeduren 5-452.2, 5-469.e3; DRG G43Z (Komplexe therapeutische Koloskopie), KG 0.549.
    Es sind nicht die Nebendiagnosen, die in die DRG G43Z führen, sondern die zusätzlich kodierte Prozedur 5-469.e3. Weniger Ertrag trozt höherem Aufwand !
    Kann mit das einer erklären oder begründen ???
    M.Zschiedrich

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    Re: Polypektomie mit Komplikation
    Autor / Author: B. Sommerhäuser
    Datum / Date: 28.01.03 21:52


    Hallo Herr/Frau Zschiedrich.


    Bei den G4.. -DRGs. haben wir ähnliche Schwierigkeiten. Ich verstehe zwar prinzipiell die Grouperlogik, indes wurde ich gestern vom Chefarzt unseres gastroenterologischen Schwerpunktes mit demgleichen Problem konfrontiert und habe - nach ein paar Prüfungen - den Tagesfallstatus des australischen DRG-Systems in Verdacht, konnte mich bisher aus zeitlichen Gründen auch nicht weiter einarbeiten. Auch ich bin also etwas hilflos und würde mich über eine klarstellende Antwort freuen.
    Mit herzlichen Grüßen
    B. Sommerhäuser


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    Re: Polypektomie mit Komplikation
    Autor / Author: Dr. R. Wanninger
    Datum / Date: 29.01.03 00:14


    Guten Abend,


    auch ich kann die oben genannten Erfahrungen nur bestätigen, ohne bislang eine klare Systematik entdeckt zu haben. Wir haben Einzelfälle, in denen die Kodierung bestimmter endoskopischer Prozeduren in die genannten Z-DRG's münden.
    Ein Beispiel:
    Pat. mit peritonealdialyse-assoziierter Peritonitis erhielt wegen einer komplexen klinischen Symptomatik eine (diagnostische; Frage: Divertikel?) Koloskopie, Ergebnis: G43Z, HD war die Peritonitis, Schweregrad A.
    Überlegung unsererseits: Coloskopie nicht kodieren? Auf Dauer wohl nicht sinnvoll.
    Hier muss das Grouping überdacht werden.
    Viele Grüße
    R. Wanninger


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    Re: Polypektomie mit Komplikation
    Autor / Author: zschiedrich
    Datum / Date: 29.01.03 08:05


    Hallo,
    vielen Dank für die Kommentare. Offensichtlich doch ein ziemlich verbreitetes Problem mit zahlreichen Varianten. Ich werde das Problem der G-DRG mal vorstellen.
    Übrigens: Manfred Zschiedrich


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    Re: Polypektomie mit Komplikation
    Autor / Author: B. Sommerhäuser
    Datum / Date: 30.01.03 17:29


    Guten Tag allerseits,


    möglicherweise liegt die Ursache für das Problem auch im unterschiedlichen Umfang der Kalkulationsstichprobe:


    G44B - 2893 Fälle, 97,6 % Normallieger


    G43Z - 216 Fälle, 21,8 % Kurz- und 75,9 % Normallieger.


    Gruss
    B. Sommerhäuser

  • Hallo Herr Rost,


    siehe dazu auch im thread "Projektbericht zur Erstkalkulation" das Folienbsp. von Herr PD Dr. Roeder (Operationskosten bei med. DRG´s).



    Schöne Grüße


    E. Rembs

  • Diese Fälle beweisen doch eins: Dass DRG mit heißer Nadel gestrickt wurden, unter ungeheurem Zeitdruck (habe diese Meinung in diesem Forum bereits öfters geäußert), mit vor allem viel zu kleinen und nicht repräsentativen Gruppen, und offensichtlich auch zumindest z.T. von Leuten, die von der tatsächlichen Medizin keine Ahnung haben. Ich wurdere mich ja auch, warum eine Gastroskopie höher bewertet wird als eine Coloskopie.


    MR

    M.Rost

  • Naja, die Logik dahinter ist schon klar. Es müssen bei der Erstkalkulation viele Häuser mitgemacht haben, die Coros elektiv durchführen. Dadurch ist die VWD gering und natürlich sind auch die Kosten geringer, ergo: Niedrige Bewertungsrelation.


    Wenn "wir" als Uniklinik den Patienten lange liegen lassen, weil komplex, und dann irgendwann im Verlauf auch noch eine Coro machen, bestraft das System derzeit dieses Vorgehen. Ein weiteres Argument für klinische Pfade bzw. eine frühzeitige Entscheidung, was denn nun mit dem Patienten während des Aufenthalts genau passieren soll.


    Viele Grüße,


    V. Blaschke
    --
    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke
    Arzt für Dermatologie / Allergologie / Qualitätsmanagement
    Medizincontroller
    Herzzentrum Göttingen
    http://www.herzzentrum-goettingen.de

    _____________________
    Dr. med. Volker Blaschke