Vorstationäre Behandlung

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen,


    zu nächtlicher Stunde eine Frage, die mich zunehmend beschäftigt:


    Meines Wissens nach werden in Australien die Aufnahme- bzw. Ambulanzbereiche nicht über DRG´s finanziert, sondern haben ein eigenes Budget (vielleicht belehrt Ihr mich ja eines Besseren, aber ich war auf einem Vortrag eines australsichen Chefarztes, der es so berichtete, bestätigt wurde es von einer Bekannten, deren Schwester Verwaltungsdirektorin in Australien ist). So können die Ärzte dort (die alle eine spezielle "Rundum-Ausbildung" haben) immer selbst entscheiden: ambulant? stationär? muss ein Facharzt zugezogen werden? welche Diagnostik brauche ich, um die vorhergehenden Fragen entscheiden zu können?
    Ich finde, das macht Sinn, da diese abgekoppelten Budgets verhindern, dass Interessenskonflikte entstehen. Der aufnehmende Arzt kann kostendeckend auch ambulant behandeln, bei der Entscheidung zur stationären Aufnahme kauft er sozusagen eine DRG beim Krankenhaus ein.


    Dieser Part soll jetzt in Deutschland innerhalb der DRG´s kalkuliert werden, weshalb wir dann immer vom MDK kontrolliert werden sollen, ob denn überhaupt die stationäre Aufnahme nötig war. Tja, frei nach dem Motto: "wie macht man etwas am konfliktträchtigsten?"


    Kennt jemand einen Grund für diesen deutschen Spezialweg (außer die sektorale Gliederung, die unter DRG´s ja eh´ziemlich wackelt)?


    Danke und Gruss
    Patricia
    :kangoo: :kangoo: :kangoo:
    --
    Patricia Klein

    Patricia Klein

  • Ich weiß, ich bin gräßlich, aber ich wollte mein Anliegen mal wieder nach vorne holen. Interessiert dieses Problem denn niemanden??? Oder ist es keines, und ich habe irgendeinen Sprung auf meiner Festplatte?


    Hilfe!!!!
    Patricia:nuke: :nuke: :nuke:
    --
    Patricia Klein

    Patricia Klein

  • Hallo Frau Klein!
    bitte keinen Sprung in Ihrer Festplatte!
    In Australien ist es tatsächlich so.
    Sie haben bei uns natürlich die (fast) geschlossen Front der Chefärzte gegen sich. Wir führen diese Diskussion auch um das Thema Aufnahmestation etc., aber zur Zeit sind vor allem unsere internistischen Kollegen noch vehement dagegen. Kratzt ja auch an den Pfründen! Aber in den Verwaltungen ist hier schon ein Umdenkungsprozeß im Gange.
    Man kann das ja auch interdisziplinär regeln mit täglichen Visiten, Strategiekonferenz, Morbiditykonferenz usw. Aber das wird noch viel Arbeit kosten. Ich habe sowieso den Eindruck das die Chefärzt in der DRG-Diskussion noch mehrheitlich schlafen. Sie werden es erst merken wenn es an die interne Budgetierung, Verteilung der Erlöse bei interdisziplnären Patienten (von wegen 14 Tage Innere wegen Cholelithiasis, dann 3 Tage Chirurgie zur Lap.Galle), Personalbemessung etc. geht.
    Also nicht verzagen und die Chefärzte wecken!
    ups! bin ich jetzt ein Nestbeschmutzer?
    --
    kkipf

    kkipf

  • Das Thema "Privatliquidation unter DRG´s" wurde ja schon im Ärzteblatt behandelt. Es wird langfristig natürlich darauf hinauslaufen, dass nicht etwa die Privatliquidation abgeschafft wird (denn manche Patienten werden auch weiterhin von Chefärzten exclusiv behandelt werden wollen). Aber dann wird eben der Behandlungsvertrag unterschrieben, die Liste der Chefärzte drangeheftet, und immer, wenn irgendein Chefarzt irgendetwas am Patienten leistet, wird das Krankenhaus die Leistung abrechnen. Unter einer Kostenträgerrechnung kann dann das Haus die Erlöse wieder abteilungsspezifisch verteilen, die Chefarztgehälter können dann budgetabhängige Zulagen enthalten. Ist es so nicht auch viel gerechter als im Moment? Und für die Patienten im interdisziplinären Behandlungsprozess auch viel besser? und medizinisch hochwertiger? Es stellt allerdings an unser ärztliches Miteinander ganz andere Anforderungen. Und auch wenn die Internisten immer beleidigt sind bei dem Beispiel mit der Galle: es ist kein Vorurteil, es ist Erfahrung! 14 Tage stationär eine Hypertonie einstellen und dann zur Elktiv-OP in die Chirurgie verlegen: ist das medizinisch sinnvoll? Muss die Hypertonie nicht unter häuslichen Bedingungen eingestellt werden? Und sollte danach die Operation gemacht werden? Ist das Problem hier nicht die Tatsache, dass die Kliniken immer meinen, im niedergelassenen Bereich würden Ärzte plötzlich alles Gelernte vergessen? Und dass man Sorge hat, den Patienten vielleicht an ein anderes Krankenhaus zu verlieren.


    Tja, wir werden alle ziemlich viel lernen müssen, der interdisziplinäre Aufnahmeprozess ist nur eine von vielen, hauptsächlich kulturellen Veränderungen, die uns im Krankenhaus unter DRG´s ins Haus stehen. Packen wir´s!


    So, heute gehe ich früher ins Bett (heute morgen kam ich kaum aus den Federn, weil ich noch bis fast 24 Uhr gechattet habe).


    Gruss und gute Nacht
    Patricia:drink:
    --
    Patricia Klein

    Patricia Klein