OPS 9-624 in 2013 - Knoten im Hirn oder Widerspruch im OPS-Katalog?

  • Hallo Kodiergemeinde,


    hier nun ein für mich nicht erklärliches Phänomen im OPS 2013. Es wäre super, wenn ich hier diesbezüglich Aufklärung erfahren dürfte.


    In den Mindestmerkmalen des OPS 9-624 (Psychotherapeutische Komplexbehandlung) steht (Auszug):

    Die durchgeführten ärztlichen und/oder psychologischen Verfahren (ärztliche und psychologische

    Einzel- und Gruppentherapie) müssen mindestens 3 Therapieeinheiten pro Woche umfassen......
    Jedoch wird weiter unten der Kode 9-624.0 als Kodiermöglichkeit angegeben.

    9-624.0 Psychotherapeutische Komplexbehandlung mit 1/12 bis 4 Therapieeinheiten pro Woche



    Für mein Verständnis ist 1/12 deutlich weniger als 3 (TE).


    Hat hierzu jemand eine Erklärung für mich?


    Vielen Dank für eure Aufklärung.


    Grüße
    Peter Neubecker

  • Hallo Herr Neubecker,
    da die Behandlungswoche in einigen Fällen auch weniger als 7 Tage umfassen kann (wenn der Patient beispielsweise entlassen wird), können Sie die Einheiten anteilig erbringen. Daher die Formulierung.


    Viele Grüße,


    B. Gohr

    Das Problem am Gesundheitssystem ist der aufrechte Gang. Der aufrechte Gang ist moralisch wünschenswert, orthopädisch aber eine Katastrophe.

  • Hallo Herr Neubecker,


    im OPS steht auch noch:
    "Bei Erfassungszeiträumen von weniger als 1 Woche (z. B. wegen Entlassung)
    können die 3 Therapieeinheiten auch anteilig erbracht werden, sofern die Behandlung in
    diesem Zeitraum dem dominierenden Behandlungskonzept des stationären Aufenthaltes im
    Sinne der Komplexkodes entspricht"


    Vermutlich aus Gründen der Einheitlichkeit wurde 1/12 als Minimalwert gewählt. Soweit es richtig zusammenkriege, wären es (bei anteiliger Erbringung an weniger als 7 Tagen)
    eigentlich 3/7, das sieht aber ziemlich "krumm" aus.
    Ausserdem gibt es ja auch noch Gruppentherapien mit anteiligen TEs, da wirds dann leicht unübersichtlich und mathematisch multidimensional...


    Beste Grüße - NV

  • Hallo B. Gohr,
    vielen Dank für die prompte Antwort. Jedoch habe ich hierzu folgende Überlegungen angestellt.


    Lt. OPS 2012 steht hierzu im Katalog:


    Bei Erfassungszeiträumen von weniger als 1 Woche (z. B. wegen Entlassung)
    können die 3 Therapieeinheiten auch anteilig erbracht werden,...


    Dieser Text ist ebenfalls in unveränderter Form im OPS 2013 zu finden.


    Wollte ich nun anteilige TE (z.B. vorzeitiger Wochenabbruch wg. Entlassung) kodieren, wäre doch die kleinste kodierbare Einheit 3/7 (TE) und somit deutlich mehr als 1/12?


    Sollte die Kodebeschreibung dann folgerichtig nicht eher lauten?


    9-624.0 Psychotherapeutische Komplexbehandlung mit 3/7 bis 4 Therapieeinheiten pro Woche bzw. Wochenanteil



    Freundlichste Grüße
    Peter Neubecker

  • Hier nun ein Update:


    Lt. heutiger Auskunft beim DIMDI ist die Einteilung 1/12 TE der grundlätzlichen Systematik des OPS geschuldet, rechtfertigt jedoch nicht die Kodierung von 1/12 TE / Tag. Sollte der Kode Verwendung finden, so ist darauf zu achten, dass min. 3/7 TE pro Tag kodiert werden.
    Pragmatisch bedeutet dies für mich, dass pro Tag min. 1/2 TE durchgeführt worden sein muss.


    Freundlichste Grüße an alle Interessierten
    Peter Neubecker

  • Ich habe aus dem gleichen Grund heute mit dem DIMDI telefoniert. Der Mitarbeiter vor Ort ist nicht der eigentlich zuständige, hat sich aber die Mühe gemacht, das entsprechende Sitzungsprotokoll anzusehen. Demnach stimmt die Information, dass der Code 9-624.0 mit weniger als 3 TE nur in einer nicht vollständigen Behandlungswoche genutzt werden darf. In vollständigen Behandlungswochen müssen nach wie vor mindestens 3 TE erbracht werden. So weit, so unklar. Schließlich ist das zunächst eine Telefonauskunft und die Formulierung im Code gibt das auch nicht wirklich her. Ich hoffe deshalb auf eine schriftliche Erklärung des DIMDI.


    Bemerkenswert erscheint mir, dass sich diese Information bisher noch nicht bei allen Herstellern entsprechender Erfassungssoftware herumgesprochen hat. Wir nutzen im Haus nämlich derzeit das SpezialPsych-Modul von ID-Berlin. Meine Anfrage dort, wie diese schwammige Formulierung in der Software umgesetzt wird, löste eher eine gewisse Verwunderung aus. Nach dem derzeitigen Stand wird auch in 2013 bei Unterschreitung der 3 TE eine Fehlermeldung generiert und eine "Rückstufung" auf eine Regelbehandlung analog zum Code 9-60 vorgenommen - unabhängig von der tatsächlichen Behandlungsdauer. ID will auch erst nach einer schriftlichen Stellungnahme des DIMDI eine Anpassung vornehmen. Deshalb meine Frage: Hat irgendein Forenmitglied bereits eine derartige Stellungnahme vom DIMDI erhalten? In diesem Fall wäre ich für eine Bereitstellung ausgesprochen dankbar, denn je schneller diese Besonderheit in der Software umgesetzt wird, umso weniger Korrekturbedarf besteht dann im neuen Jahr.

    Erro, dum vivo. :whistling:

  • Sehr geehrter herrmann.hd,


    leider ist Ihre Beschreibung nicht richtig. Denn in der Software ID DIACOS Spezial Psych wird schon seit dem Release 2012, d.h. seit Dezember 2011, die anteilige Berechnung der Komplexcodes (ob 9-63ff oder 9-62ff) auch bei kürzeren Zeiten als eine Therapiewoche korrekt umgesetzt. Dieses gilt natürlich auch für 2013.


    Wenn allerdings die 3 TE bzw. anteilig entsprechende Mengen pro Zeiteinheit nicht erreicht werden, wird tatsächlich die Regelbehandlung ausgeleitet - obwohl der Patient "komplex" eingestuft wurde -, aber dies entspricht ja auch exakt den Vorschriften im OPS.


    Bzgl. der Kommunikation mit ID schreibe ich Ihnen eine PN, da können Sie mir vielleicht noch Näheres mitteilen.


    Inhaltlich bzgl. der Codebezeichnung hat Herr Neubecker vollkommen Recht, korrekterweise müsste es hier 3/7 heißen. Bei ID-Nutzern fiel das aber überhaupt nicht auf, da bei kleiner als 3/7 TE aufgrund oben geschilderter Logik automatisch der Regelbehandlungscode beginnend mit "1/12" ausgleitet wird.


    Ich wünsche ein schönes Wochenende,


    J. Meyer zu Wendischhoff

    J. Meyer zu Wendischhoff
    Facharzt für Kinderheilkunde / Krankenhausbetriebswirt (VKD)

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