Klinische Kodierfachkraft im OP Saal

  • Hallo liebe Mitstreiter,


    unser neuer Teamleiter möchte zukünftig Kodierer direkt im OP einsetzen, seiner Ansicht nach können die Operateure entlastet und die Kodierqualität damit gesteigert werden. Mich würde interessieren gibt es tatsächlich Kliniken, in welchen Kodierer im OP vor Ort für den Operateur die Kodierung seiner Operation übernehmen?
    Ich kenne bis dato keine und kann mir auch nur schwer vorstellen, wie man im OP-Saal ohne weitere "Hilfsmittel/Unterlagen/Internet/Zeit" die Kodierqualität
    steigern könnte.Da die Kodierung auf Zuruf und das Diktieren des OP-Berichtes nicht zeitgleich geschehen, sehe ich auch wenig Sinn darin. Wer hat Erfahrung mit diesem System oder aber wie sind eure Ansichten dazu ?


    Herzlichen Dank
    Fabilena

  • Hallo,
    na ja, dann kann doch der Kodierer im Bedarfsfall mal kurz nen Haken halten und direkt sehen, was operiert wird. Achtung: war ironisch gemeint.
    Grundsätzlich sollte derjenige kodieren, der genau weiss, was operiert wurde. ´Manchmal geht das aber nicht so eindeutig aus einem OP-Bericht hervor; deshalb ist der Ansatz mit der Kodierfachkraft im OP nachvollziehbar.
    Ich bin interessiert daran, wie es weitergeht.

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Hallo,
    auch wenn Herr Horndasch meint, sein Vorschlag sei ironisch gemeint, sollte man sich dieses Konzept mal überlegen. Kodierfachkräfte kommen meist aus der Krankenpflege, kosten somit weniger als Ärzte und Hakenhalten ist erlernbar. Nach der OP wird dann wenigstens auch vollständig kodiert.
    Gruß

    Dr.Gerhard Fischer
    Medizincontroller/Frauenarzt

  • Hallo Fabilena,


    also ich halte die Idee Eures Teamleiters für nicht umsetzbar, nicht praktikabel und nicht nötig. Wenn der Operateur seine Aufgaben korrekt erledigt (und dazu gehört auch der OP-Bericht, wozu gibt es Textbausteine), sollte die Idee schnell wieder vom (OP)Tisch sein.


    Euer Problem ist wahrscheinlich die mangelnde Bereitschaft zeitnah oder überhaupt OP-Berichte zu schreiben, daran sollte gearbeitet werden.... es soll auch Krankenhäuser geben in denen das funktioniert, ist vielleicht aber auch nur ein Märchen!


    Viele Grüße


    Sebastian

  • Guten Morgen zusammen,


    Danke zuerst mal für euer Feedback.


    Was ich als erstes heraushöre ist, dass es bis dato dieses Konzept nirgendwo gibt ? Das ironisch gemeinte Hakenheben, sehe ich tatsächlich aber auch als Gefahr bei diesem Konzept. Wenn man erst mal steril im OP steht, ist es ein leichtes schnell mal zu sagen, ach könnten Sie nicht .... ;(


    Ja ärztliches Personal wird entlastet, aber wo ist die Steigerung der Kodierqualität? Es kommt doch auf die gleiche Kodierung hin, egal, ob der Operatuer seinem Assistent oder der Kodierfachkraft zuruft, was zu kodieren ist. Solange der Operateur den OP-Bericht erst später ohne Angleichung an die zuvor weitergegebene Kodierung schreibt, ändert sich da gar nichts!


    Die Optimierung der Kodierung kann eigentlich immer erst am Ende des Aufenthaltes in der Gesamtschau des Falles geschehen und genau da fehlt uns dann diese Person, die dafür aber ärztliches Personal entlastet. ;(


    Herzliche Grüße


    Fabilena

  • Hallo Fabilena,


    also die meisten "alten" Operateure haben doch die speziellen und häufigsten OPS-Schlüssel für ihr Fachgebiet im Kopf. Wenn mal was außer der Reihe vorkommt, dann kann der Operateur sich durchaus auch mal mit dem Kodierer in Verbindung setzen und nachfragen, oder man wälzt auch mal gemeinsam den OPS. Zumindest läuft es bei uns so, wenn es richtig läuft, was aber leider oft genug nicht passiert. Und es sollten m.M. nach nicht die OP-Berichte an die Kodierung angepasst werden, sondern die Kodierung an den OP-Bericht. Das setzt natürlich voraus, dass in diesem auch alles zu finden ist (zB. auch Größenangaben bei Wunddebridements, war der Operateur nur Im Haut- und Unterhautgewebe oder doch schon tiefer) was für die Kodierung notwendig ist. Jemanden während der OP mal schnell zurufen was man gerade macht und hoffen, dass damit die Kodierung optimiert wird, ist m.E. wohl nicht der richtige Weg. Das häufigste Problem ist doch, wenn wir mal ehrlich sind, wie von Sebastian geschrieben:

    Zitat

    ...die mangelnde Bereitschaft zeitnah oder überhaupt OP-Berichte zu schreiben

    und diese auch mit allen Infomationen zu versehen. Vor allem wenn das zeitnahe schreiben versäumt wird, geht vieles an Info unter. Deshalb meine Meinung. Kodierer im Saal? Wer Lust darauf und genügen Personal und Finanzen hat, meinet wegen. Ob es diiiiee Entlastung für die Ärzte bringt ist m.E. eher fraglich. Besser wäre hier doch mal was in die Schulung der Ärzte, betreffs der OP-Berichtschreibung zu investieren, dann kann der Kodierer auch im nachhinein die Kodierung (natürlich wenn notwendig auch in Abstimmung mit dem Operateur) optimieren oder korrigieren.


    MfG findus

    MfG findus

  • Ja, Findus, du sprichst mir aus der Seele!
    Letztendlich wird der Operateur entlastet und uns fehlt eine Kraft. Bin selbst gespannt wie das Thema bei uns weitergeht. Werde euch ggfs. weiterberichten.


    Grüße
    Fabilena

  • Da die Kodierung auf Zuruf und das Diktieren des OP-Berichtes nicht zeitgleich geschehen, sehe ich auch wenig Sinn darin. Wer hat Erfahrung mit diesem System oder aber wie sind eure Ansichten dazu ?


    Herzlichen Dank
    Fabilena

    Hallo Fabilena,


    genau das selbe wurde in unserem Haus auch gewünscht. Allerdings sind wir ein Beleghaus. Es wurde eine Pflegekraft aus dem OP zur Fortbildung geschickt, die assistierend zur Seite stehen sollte. Das Problem war/ist nämlich, das die Operateure unabhängig vom Haus ihr Geld bekommen und oft kein Interesse am kodieren haben. In diesem Ramen war es schon nicht schlecht, nur waren die kodierten OPS nicht mit dem kompatibel mit dem, was im OP-Bericht stand. :thumbdown:


    Nun bekommen wir sehr zeitnah (< 5 Tage) nach Entlassung auch die OP Berichte und müssen immer noch umkodieren und man kann sich die Kodierkraft im OP echt sparen. Eine Erleichterung ist das wirklich nicht.


    Gruß Gisi

  • Hallo Gisi,


    genau das ist das Problem! Auch bei uns wird es genau so laufen ... nur dass eine Stelle aus unserem Bereich abgezogen wird(auf unserem Stellenplan steht), die Arbeit für die restlichen Mitarbeiter nun aber mit weniger Personal die gleiche bleibt. Die Operateure jedoch entlastet sind. Auch bei uns wird der OP-Bericht erst nachträglich erstellt und ist zu 99,9 % nicht identisch mit der Kodierung über den OP.


    Leider leidet ja mit weniger Personal nicht nur die Kodierung darunter, sondern letztendlich auch alles drumherum, Prüfverfahren, Kalkulationen, Optimierungen in allen Bereichen ... das muss jetzt zukünftig bei uns zurückstehen. Schade, gerade da, wo es wirklich sinnvoll ist, Kräfte einzusetzen ... aber da fehlt vielen (noch) der nötige Weitblick :( !


    Liebe Grüße


    Fabilena

  • Hallo Gisi,


    genau das ist das Problem! Auch bei uns wird es genau so laufen ... nur dass eine Stelle aus unserem Bereich abgezogen wird(auf unserem Stellenplan steht), die Arbeit für die restlichen Mitarbeiter nun aber mit weniger Personal die gleiche bleibt. Die Operateure jedoch entlastet sind.


    Ehrlich gesagt war ich der Idiot, den sie ausgewählt hatten ... aber ich musste meine eigentliche Arbeit weitermachen. Ist doch ganz praktisch, wenn man einen Mitarbeiter doppelt einsetzten und ein Gehalt sparen kann. :thumbdown:


    Meine Chefin wollte natürlich nicht auf mich verzichten und Überstunden waren auch nicht erwünscht :evil: ... also alles schön gleichzeitig erledigen und im Bedarfsfall von OP-Saal zu OP-Saal hüpfen ?( (falls es nicht telefonisch zu klären war).


    Mitlerweile habe ich dem Chaos den Rücken zugekehrt und arbeite jetzt ganz im Medizincontrolling, mit dem besten Drahrt zu den Operateuren überhaupt. Meist bekomme ich von denen genau das, was wir brauche. :thumbsup:


    Jetzt macht das arbeiten auch wieder Spaß!



    Ein schönes WE wünscht


    Gisi

  • Hallo Gisi,


    das freut mich für Dich! Heißt das nun, dass das Projekt wieder gestorben ist und man aus "Fehlbesetzungen" gelernt hat oder steht jetzt ein anderer deiner Kollegen im OP?


    Ebenso ein schönes Wochenende


    Fabilena