PrüfvV 2015 Widersprüche

  • Guten Morgen,


    zum Thema Aktenversand liegt eine vielschichtiges Problem vor:


    1. Unsere Akten gehen in aller Regel digitalisiert an den MDK / SMD. Im Einzelfall kann der Sachbearbeiter nicht sicherstellen, dass wirklich alle Aktenteile schon vollständig digitalisiert sind. Selbst dann, wenn mit Sachverstand darauf gesehen wird, könnten einzelne, aber wesentliche Blätter noch fehlen. Bis zum Ablauf der Frist könnten nachlaufende Dokumente (wie z.B. Histo-Befunde von dritten) noch nicht Bestandteil der Akte sein.
    2. Zwar protokolliert eine LogFile den Zeitpunkt der Digitalisierung, auch der Tag des Aktenversandes ist bekannt, wird allerdings vorgetragen, der betreffende Aktenteil habe nicht vorgelegen, müsste ein Nachweis durch das Krankenhaus geführt werden (Umständliche Beweisführung, fehlen von Einschreibe-Bestätigungen, Vier-Augen-Prinzip, wir hatten das alles schon.
    3. Allen Systembeteiligten ist klar, dass eine wachsende Zahl von Befunden nur mehr im KIS oder Sekundärsystemen (PDMS ect.) vollständig vorgehalten wird. Die zur Verfügung stehenden Kumulativ-oder Übersichtsberichte enthalten womöglich exakt die streitgegenständliche Angabe nicht (z.B. die Atemfrequenz im PDMS zum Nachweis der NKB. Bei der Zunehmenden Digitalisierung ist eine vollständige Kopie aus dem System heraus nur mit enormem Aufwand zu gewährleisten und würde prospektiv versuchen, alle Eventualitäten abzudecken, nur um irgendeine Detail- Klärung zu ermöglichen. Dieser Aufwand dürfte daher auch sehr unwirtschaftlich sein. Muss sich ein KH unwirtschaftlich verhalten, um allen Eventualitäten zu begegnen?
    4. Die Details, wenn sie denn da sind, werden dann oftmals noch nicht einmal gefunden und gelten als unbewiesen. Immerhin ist hier der Klageweg sicher möglich.


    Das zentrale Problem aber sehe ich in der wachsenden Anzahl digitaler Dokumente, die nicht regelhaft der archivierten Krankenakte zugefügt werden.


    Fakt ist, dass die Kostenträger genau wissen, dass sie durch diese formale Abgrenzung Leistungen nicht vergüten müssen, deswegen wird auch an diesem Punkt seit Jahren so zäh festgehalten.


    Insofern kann es nicht angehen, dass wir auf Zeit und Ewigkeit davon ausgeschlossen werden, jemals irgendwelche beweisenden Unterlagen nachzureichen.



    Gruß


    merguet

  • dann sollte man allerdings gegen die Klarstellung in der PrüfvV-E2016 Sturm laufen, da danach ja tatsächlich eine konsentierte Ausschlussfrist von 8 Wochen besteht, was in der 2015er Version noch umstritten war. Hab da manchmal das Gefühl, dass die DKG am "grünen Tisch" sehr weit weg von der Praxis verhandelt...

  • Sehr geehrter RA Brebiur,


    das ist nun wieder völlig aussichtslos, da diese Fassung vom 23.12. unterschriftsreif ist. Die DKG hat die von den Mitgliedsverbänden und Medizincontrollern geäußerten Sachargumente nicht berücksichtigt.


    Es bleibt für mir dennoch rätselhaft, warum eine Verordnung einen Anspruch auf Vergütung einer faktisch sicher erbrachten Leistung ausschließen kann, weil der Nachweis, der u.U. in einem einzigen Messwert oder Laborwert besteht, nicht innerhalb einer sehr kurzen Frist geliefert wurde, das möglicherweise, weil die im Einzelfall sehr spitzfindige Frage die Erfordernis auf Lieferung gerade dieses Wertes nicht erkennbar machte. Rechnungen und Ansprüche verjähren üblicherweise nach Jahren. Wir sollen die Ansprüchen nach Wochen verlieren? Das kann auf Dauer nicht standhalten.


    Gruß


    merguet

  • Hallo merguet,
    bin da ganz bei Ihnen, es wird halt schwierig vor Gericht im Sinne der Praxis zu argumentieren, wenn die eigene Interessenvertretung derartiges unterzeichnet. Ob die Gerichte ggf. irgendwann feststellen, dass die Regelung über den gesetzlichen Auftrag aus § 17c Abs. 2 KHG hinausgehen und daher nichtig sind (ähnlich wie bei der Verkürzung der Verjährungsfristen auf 3 Jahre bzw. Prüfdauer auf 6 Monate in Landesverträgen), wird sich zeigen. Habe aber dieses Jahr das leidige Problem "Haushalts/Geschäftsjahr" noch vor dem BSG zu vertreten (B 1 KR 40/15 R), evtl. ergeben sich daraus ja neue Aspekte, wenn der 1. Senat dann festlegt, dass man als KH nur noch binnen 6 Wochen korrigieren darf... :S
    Gruß aus Kölle
    RA Berbuir

  • Hallo,


    ich kann Merguet nur beipflichten. Im Grunde muss man immer die gesamten Unterlagen zum Fall vorlegen, um sich vor dem Einwand, belegende Unterlagen seien nicht vorgelegt worden, zu schützen. Es geht sogar über die fallbezogenen Unterlagen hinaus; wenn man z.B. die Chronizität einer Niereninsuffizienz nachweisen muss, sind auch Laborvorwerte erforderlich.


    Unser KIS lässt eine sinnvolle und auch für den MDK in angemessenem Rahmen bearbeitbare Bereitstellung der Unterlagen überhaupt nicht zu. Das geht eigentlich nur im direkten Gespräch oder mit der Möglichkeit, auch Unterlagen nachzuliefern. Für mich ist nicht verständlich, dass von der DKG eine derartig praxisferne Vereinbarung abgeschlossen wird.


    Viele Grüße


    Medman2

  • Hallo,


    vielleicht möchte hier ja jemand mal bei der DKG anfragen, warum sie dies unterschrieben haben?

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Morgen,


    wir sind dabei, entsprechendes vorzubereiten. Die Erfahrung zeigt, dass die DKG die Entscheidung als Gremium fällt und Verantwortliche dafür kaum zu finden sein dürften.


    Gruß


    merguet

  • Guten Morgen,


    die Antwort wird uns sicher alle interessieren.


    Danke!

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Morgen Zusammen,


    ich denke ich werde in unserem MDK Fall, wo bei einer sehr schwammigen MDK Anforderung versehentlich die Lagerungsbögen im Rahmen einer ZE Prüfung nicht mitgeschickt wurden und eine nette Anfrage auf Nachsendung abgelehnt wurde, eine Klage beim Sozialgericht vorbereiten.


    Mal schauen was passiert.


    Ich wünsche allen - trotzdem - einen schönen Start in den Tag.

  • Hallo,


    ohje, Unterlagen an MDK 5 Tage zu spät versandt... bei Kürzung auf unstrittigen Betrag ca. -2000 Euro. Was für Optionen haben wir ? Muss der Fall nicht komplett neu geprüft werden, wenn uns nun erlösrelevante Kodierungen "auffallen" und wir diese nachkodieren (einmalige Option zur Rechnungskorrektur) ? Andere Optionen ?


    mfG


    C. Hirschberg

  • Hallo Herr Hirschberg,


    letztlich dürfte es auf eine Klage hinauslaufen, in der dann all die schönen formalen Probleme der PrüfvV geklärt werden können... Die Kassen fahren eine äußerst strikte Auslegung und lassen da nach meiner Erfahrung nicht mit sich reden. Habe am Mittwoch einen ersten Gerichtstermin zur Problematik "4-Wochenfrist = Ausschlusfrist" mit einem hohen Streitwert und Fristüberschreitung um 1 Tag, bin gespannt was das SG dazu sagt...


    MfG
    RA Berbuir

  • kurzes Update: das SG Köln sieht in der 4-Wochenfrist der PrüfvV 2015 eine Ausschlussfrist und hat die Klage abgewiesen, der Fall geht nun zum LSG (und dann zum BSG) ;(