PEPP-Zukunft

  • Guten Morgen,


    gestern hat das erste Gespräch im Rahmen des "Strukturierten Dialoges" mit dem BMG stattgefunden, zu dem Bundesgesundheitsminister Gröhe bereits im vergangenen Sommer unterschiedliche Akteure mit der Bitte eingeladen hat, sich zur Weiterentwicklung des PEPP-Systems sowie zu möglichen Alternativen zu äußern. Das BMG sei bereit, im Rahmen dieses strukturierten Dialogs über die Ausgestaltung des Systems auch im Hinblick auf die von diesem System ausgehenden Anreize und die Anpassungsprozesse der Versorgungsstrukturen zu beraten.


    Lesen Sie hierzu ein (diesen strukturierten Dialog vorbereitendes) Eckpunktepapier der Verbände (darunter u.a. ackpa, akp, BAG Psychiatrie, BDK, DGPPN, VDK) aus April 2015 in der Anlage.


    Der weiteren Entwicklung darf gespannt entgegengeblickt werden.



    MfG,


    ck-pku

    2 Mal editiert, zuletzt von ck-pku ()

  • Guten Tag,


    zwar nicht mehr ganz tagesaktuell möchte ich Sie dennoch auf aktuelle Entwicklungen in Sachen PEPP hinweisen, sofern Ihnen diese nicht bereits bekannt sind:

    • Das letzte Papier "Eckpunkte" der o.g. Verbände vom 05.06.2015 finden Sie hier.
    • Die DKG hat in einem Brief an das BMG, Herrn Gröhe, vom 26.06.2015 das eigene Positionspapier vom 16.06.2015 übersendet. Dieses ist von den Krankenhausgesellschaften verteilt worden, so z.B. in der NKG-Mitteilung 237/2015.
    • Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat mit Datum vom 01.07.2015 einen Antrag (Drucksache 18/5381) beim Deutschen Bundestag gestellt, den Sie hier finden. Hier interessieren insbesondere die Ausführungen "Zu Nummer 5".

    Unisono wird u.a. gefordert:

    • verbindliche, leitliniengerechte Nachfolgeregelung zur Psych-PV (lesenswert hierzu auch: Nervenarzt 05-2015 und 07-2015 mit jeweils gleich mehreren Beiträgen)
    • krankenhausindividuelle Budgetfindung ohne Konvergenz,
    • angepasster PEPP-Katalog
    • Verminderung des Dokumentations- und Misstrauensaufwands
    • Einbezug der regionalen Pflichtversorgung (unbedingt lesenswert hierzu auch: Nervenarzt 03-2015 · 86: 367–372)
    • Förderung wohnortnaher, sektorenübergreifender Versorgung

    Laut vorliegender Korrespondenz von einem Mitglied des Bundestags befinden sich die Koalitionspartner derzeit in der Diskussion über einen gangbaren Weg zu systematischen Veränderungen des PEPP, um mögliche negative Auswirkungen zu vermeiden. Der Bundesgesundheitsminister habe eine umfassende Prüfung aller unterbreiteten Vorschläge zugesichert. Der Dialog wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres fortgesetzt. Mit Änderungen zum PEPP im Rahmen des Gesetzes zur Reform der Strukturen der Krankenhausversorgung (Krankenhausstrukturgesetz - KHSG) sei jedoch nicht zu rechnen.


    Es bleibt also weiter spannend.


    MfG,


    ck-pku

  • Guten Tag,


    lesenswerte, gemeinsame Grundpositionen einer 'lagerübergreifenden' Autorengruppe (aus APK, ZfP Südwürttemberg, MdB (CDU), AOK und vdek) in Fortsetzung des o.g. 'strukturierten Dialogs' finden Sie unter der Überschrift "PEPP-System - Budget oder Festpreis" in der aktuellen Ausgabe der f&w 9/2015.



    MfG,


    ck-pku

  • Guten Tag,


    hier nun, wie angekündigt, die heutige Presseerklärung und Stellungnahme des Bündnisses von Attac Deutschland | Arbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrie Rheinland e.V. | Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. | DGSP – Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. | Initiative PEPP stoppen | Der Paritätische Gesamtverband | Soltauer Initiative | ver.di Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft | Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte (vdää) zum Thema.


    MfG,


    ck-pku

  • Warum steht in dem Papier, dass "Wiederaufnahmen vor Ablauf eines Vierteljahres" bestraft werden sollen?
    Gibt es da eine Funktion in der PEPP-Vereinbarung, die mir bisher entgangen ist?


    Ich bin ja ansonsten mit dem Papier durchaus einverstanden und finde es wichtig, der PEPP-Einführung Widerstand entgegen zu setzen.
    Aber muss man sich dann mit so groben Schnitzern selbst ins Bein schießen?


    Viele Grüße
    NV

  • Hallo,


    gemeint ist die Fallzusammenführung.


    Aber abgesehen davon hat der Text und die darin aufgeführten Punkte wenig bis gar nichts mit PEPP zu tun. Es wird größtenteils die Versorgungsstruktur und sektorale Finanzierung kritisiert, die in der Welt der tagesgleichen Pflegesätze nicht anders war. Im Gegenteil wurde im Zuge des neuen Entgeltsystems die Möglichkeit für Modellvorhaben gegenüber früher deutlich erweitert, so dass Hometreatment und andere Versorgungsformen eher erleichtert werden. Und das schwer erkrankte Patienten im PEPP benachteiligt würden, ist schlichtweg falsch, denn erstmals in der Psychiatrie gibt es eben für Patienten mit bestimmten Erkrankungen (z. B. Psychosen) oder für aufwändige Behandlung (Intensivbehandlung, 1:1 Betreuung) mehr Geld als für die Anderen. Das jetzt die PsychPV als Heilsbringer stilisiert wird, nachdem viele Kliniken jahrelang verschlafen haben, sich die darin verbrieften Personalstellen zu verhandeln finde ich auch eher fragwürdig.


    So sehr ich einige der beteiligten Organisationen ansonsten schätze, ich hoffe, dass Sie bei der Behandlung ihrer Patienten nicht mit dieser defizitorientierten Sichtweise herangehen, wie an das PEPP-System. Ein wenig mehr Ressourcenorientierung täte der Dikussion gut, denke ich.


    Die Planung der Einführung von PEPP hat zwar die Vergütungs- und Wirtschaftlichkeitsdikussion in Gang gesetzt, aber selbst bei Abschaffung von PEPP würde diese Diskussion weiter geführt. Eine Rückkehr zu tagesgleichen Pflegesätzen wird es nicht geben und Krankenhausleitungen und Krankenkassen werden auch weiterhin einen Blick auf die Kosten werfen und die Behandler damit konfrontieren. Die finanziellen Ressourcen der Gesellschaft sind nun mal begrenzt, auch für die Psychiatrie. Man kann sich darüber unterhalten, wie viel es sein muss (auch da hat ja die PEPP Einführung durch die Anreize zum Umstieg eher einen positiven Effekt gehabt), die Verteilung muss dann jedoch nach irgendwelchen Kriterien erfolgen. Und da halte ich PEPP noch für deutlich gerechter, als dass für jeden Patienten jeden Tag das gleiche bezahlt wird.


    Gruß

  • Aus dem Papier:
    "Mit PEPP kann der größte Anteil des Personalaufwands für Patient/-innen mit schweren akuten Erkrankungen – wie die 24-stündige krankenpflegerische Behandlung – nicht gemessen werden und geht damit nicht in die Berechnungen ein"


    Bitte was? 1:1-Betreuung? Schon mal in einen 15´er Katalog geschaut?

  • Guten Morgen,


    ich habe bereits erwartet, dass hier die (fast schon peinlichen) Detailfehler der o.g. Initiative so ein Gewicht bekommen.

    • Der Initiative geht es aber doch im Kern darum, dass befürchtet wird, dass das PEPP-System das sektorale Denken in der Behandlung psychisch kranker Menschen fördert und dabei -durch die Schaffung finanzieller Anreize- der stationäre Sektor ein zu starkes Gewicht bekommt. Dies ist m.E. auch nicht von der Hand zu weisen.
    • Dass zusätzlich die Schaffung von Personalstandards nicht mehr in der Verordnungskompetenz des Gesetzgebers liegt, sondern in die immer wieder ziemlich undurchsichtige Richtlinienkompetenz des G-BA verlagert werden soll, kann man meiner Meinung nach durchaus zu Recht kritisch betrachten, auch weil bisher keine Zwischenergebnisse produziert wurden und man vom G-BA immer nur vor vollendete Tatsachen (d.h. Richtlinien) gestellt wird. Der Prozess dahin steht einer demokratischen Diskussion nicht offen zur Verfügung.
    • Der größte Teil des Behandlungsaufwands wird tatsächlich im PEPP nicht abgebildet. Dabei geht es weniger um die 1:1-Betreuung sondern vielmehr um das bekannte "Grundrauschen" ("Residualgröße"), also der Teil der therapeutischen Dienstleistungen, die nicht durch den OPS abbildbar sind und daher nicht für die Gruppierung zu PEPP-Fallgruppen herangezogen werden können. Und dieser Anteil beträg nunmal ca. 75% der Therapieanteile.
    • Eine größere Detaillierung des OPS würde hier zwar Abhilfe schaffen, hätte dann aber wieder einen größeren Dokumentations- und Prüfaufwand zur Folge. Damit würde immer mehr zur Verfügung stehende Arbeitszeit sich vom Kerngeschäft eines Krankenhauses, nämlich der Krankenbehandlung, entfernen, auch weil der Erfüllungsaufwand, den die Krankenhäuser für Controlling-Aktivitäten erbringen, nicht gegenfinanziert wird! Ob diese Entwicklung, die ja im DRG-System analog gelaufen ist, begrüßt werden sollte, sei mal dahingestellt...
    • Wenn man bedenkt, dass im KHRG 2009 eine Intention zur Schaffung eines neuen Entgeltsystems in der Psychiatrie war, mehr Transparenz bzgl. des Behandlungsgeschehens zu schaffen, so wird die aktuelle Entwicklung diesem Anspruch nicht gerecht.
    • Leider zeichnen sich Vereinigungen wie Attac, "Weg-mit-PEPP" u.a. nicht immer durch eine hohe Sachgenauigkeit aus, in der Sache selbst haben diese Initiativen aber meiner Meinung nach aber auch nicht Unrecht.

    Daher würde ich mich freuen, wenn diese meiner Meinung nach berechtigten politischen Befürchtungen nicht durch das Hochstilisieren unangenehmer Detailfehler gänzlich abqualifiziert würden.



    MfG,


    ck-pku

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  • Hallo,


    es geht hier meiner Ansicht nach nicht um Detailfehler sondern um einen grundätzlich sachlich falschen Ansatz. Man kann alle Punkte diskutieren, aber dafür das PEPP-System verantwortlich zu machen ist Unsinn und schadet letzlich den Zielen selbst. Denn wenn das PEPP-System nicht kommt, hat sich auch an all diesen Punkten nichts geändert.


    Zu Ihrer Aufzählung, ck-pku, im Einzelnen:


    Punkt 1:
    Die sektorale Trennung ist eine (in der Tat und nicht nur in der Psychiatrie zu kritisierende) Tatsache des deutschen Gesundheitssystems. Hier hat sich durch die PEPP-Einführung rein gar nichts verschlechtert - im Gegenteil: Flankierend zur Einführung des neuen Entgeltsystems wurden die Möglichkeiten von Modellvorhaben verbessert.


    Dass mit der Einführung eines neuen Entgeltsystems die Chance auf eine Versorgungsform-übergreifende Vergütungssystematik nicht genutzt wurde, mag bedauerlich sein, ist jedoch jedenfalls keine Verschlechterung sondern lediglich der unverändete Status quo und im Übrigen im Zuge der Weiterentwecklung jederzeit zu ergänzen.


    Punkt 2:
    Die Einführung der PsychPV war historisch ein wichtiger Schritt für die psychiatrische Versorgung. Jetzt sollte aber bitte nicht so getan werden, als sei die PsychPV bisher kritiklos das Allheilmittel der psychiatrischen Personalsituation gewesen. Wer lange genug im Budgetverhandlungsgeschäft tätig war weiß, dass die PsychPV - selbst wenn sie formal hinslichtlich der Stellenanzahl erfüllt wurde - durch herunterverhandeln der variablen Parameter (Personalkosten, Ausfallzeiten usw.) auch in gut verhandelnden Kliniken die tatsächlichen Personalkosten nicht immer gedeckt hat. Eine Reform war so oder so überfällig. Ob der GBA das geeignete Gremium für die Festlegung des Personalbedarfs ist, kann gerne kritisiert und bezweifelt werden, hat aber wiederum nichts mit PEPP an sich zu tun.


    Punkt 3:
    Und was bitte ist hier das Problem? Die tagesgleichen Pflegesätze haben nichts anderes als das "Grundrauschen" abgebildet, während die PEPP dagegen nach Erkrankungsschwere und Behandlung differenzieren. Das Grundrauschen ist doch deshalb trotzdem noch enthalten. Der Basisentgeltwert wird doch aus dem bisherigen Gesamtbudget des Krankenhauses ermittelt. Da ist doch alles drin (bzw. jedenfalls nicht weniger, als vorher). Nichts ist pauschaler, als die tagesgleichen Pflegesätze, selbst wenn der Begriff dort - im Gegensatz zu den PEPP - nicht im Namen auftaucht. Bei solchen Aussagen kann ich mir nur an den Kopf greifen.


    Punkt 4 und 5:
    Die OPS in der bestehenden Form wurden weitgehend von den Fachgesellschaften eingebracht. Dass Sie aufwändig zu kodieren sind, Interpretationsspielraum und damit Streitpotential bieten und wenig Transparenz über das Leistungsgeschehen bringen, liegt also (zumindest zum Teil) in der Verantwortung derer, die jetzt den administrativen Aufwand kritisieren. (Ein Schelm, wer böses dabei denkt).


    Punkt 6:
    Nichts gegen Kritik, wenn sie sachlich und konstruktiv ist (was mir hier gröstenteils fehlt). Wie gesagt: Ressourcenorientierung statt Defizitorientierung als Therapieprinzip.


    Gruß

  • Hallo GW,


    ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor:


    Ihnen scheint daran gelegen zu sein, herauszustellen, ob man "für" oder "gegen" PEPP ist. Dies ist aber nicht mein hiesiger Ansatz und das habe ich auch, so hoffe ich, mit keinem Wort getan (es sei denn, ich habe dies explizit als meine Meinung dargestellt). Ich berichte lediglich seit Jahren hier im Forum die PEPP-Entwicklung und stelle dabei alle Seiten (hoffentlich) neutral dar.


    Meine Hoffnung ist, dass mein o.g. Tun dazu beiträgt, dass sich der geneigte Leser ein aktuelles, breit angelegtes Bild von der Entwicklung eines neuen Entgeltsystems in der Psychiatrie machen kann. Schön wäre es, wenn sich hieraus -sofern nicht ohnehin bereits vorhanden- kritische Haltungen in die eine oder andere Richtung entwickeln.


    Inhaltlich möchte ich aber auf Ihre Punkte, auch wenn es zugegebenermaßen reizvoll wäre, gar nicht eingehen, denn diese Individualmeinungen haben leider kaum Gewicht. Diese politisch-inhaltliche Auseinandersetzung führt unser Haus mit Anderen als dem Forum.



    MfG,


    ck-pku

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  • Hallo,


    nein, es geht mir keineswegs darum, ob jemand "für" oder "gegen" PEPP ist, da sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden, aber bitte auf sachliche korrekter Grundlage. Daher geht es mir vielmehr um eine sachliche Diskussion und die Trennung von unterschiedlichen Kritikpunkten, die in unsachgemäßer Weise mit dem PEPP.-System verknüpft werden. Und es geht mir um die Klarstellung inhaltlich falscher oder fehlinterpretierter Aussagen von Organisationen mit gewisser gesellschaftlicher Relevanz (die ich, wie gesagt, ansonsten durchaus schätze). Da diese Aussagen und Stellungnahmen hier gepostet werden, beziehe ich mich auch hier darauf (aber natürlich auch bei Gelegenheit an anderer Stelle). Und unterschätzen Sie nicht die Reichweite des Forums ;-)


    Gruß