Unterschiedliche DRGs (I47B und I05A) bei selbem PCCL (4)?

  • Hallo Forum,


    ich brauche Hilfe bei folgender Problematik, die mir nicht klar ist:
    Mit PCCL = 0 kommt man bei Versorgung z.B. einer medialen Schenkelhalsfraktur (S72.01) und Implantation einer Hüft-Endoprothese (z.B. 5-820.00) in die DRG I47B.
    Mit PCCL = 1, 2 oder 3 bleibt das Ergebnis korrekterweise dasselbe (DRG = I47B).
    Kommen dann weitere CC-Diagnosen hinzu, so wechselt meine Grouper-Software, wie auch z.B. der Webgrouper der Uni Münster, zwar zunächst in den PCCL = 4, aber die DRG I47B bleibt erst mal bestehen.
    Soweit ich die Logik der I47B bzw. der I05A verstehe, müsste die DRG mit PCCL = 4 aber in die höher bewertete I05A wechseln.
    Kommen weitere CC-Diagnosen hinzu, wechselt die DRG dann tatsächlich auch mal in die I05A, der PCCL bleibt aber erst mal weiter bei 4.


    Ich kann mir das nicht erklären, dass es bei unveränderter HD und unverändertem OPS und demselben PCCL = 4 zu unterschiedlichen DRG´s kommen kann.
    Die einzige Erklärung, die mir bislang einfällt ist, dass ein in der Grouper-Software angezeigter PCCL = 4 in Verbindung mit der DRG I47B tatsächlich nur ein PCCL = 3 sein könnte, aber für die Ergebnisdarstellung aus unerfindlichen Gründen ein PCCL = 4 angezeigt wird? Ist es möglich, dass es hier einen Fehler, respektive einen Anzeigefehler in der Grouper-Software gibt? Oder hab ich etwas noch nicht richtig verstanden?


    Vielen Dank für Eure Hilfe !!

  • Hallo,


    ohne jetzt Ihr Beispiel genau anzuschauen:
    Das liegt bei anderen mir bekannten Konstellationen daran, dass die CCL-Werte von ND in verschiedenen Basis-DRG unterschiedlich bewertet sind (z. B. in DRG X 3 in DRG Y 4). Somit kann man in bestimmten PCCL unterteilten DRG dann mit 4 dort die höchste DRG treffen, was aber eben nicht auch PCCL 4 in einer anderen DRG ergibt. Erst wenn da dann noch weiter PCCL-relevante ND hinzukommen, erreicht man in dieser Basis-DRG dann auch den PCCL 4, womit diese „höherwertige“ dann zugeordnet wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Morgen,


    wäre es möglich das sie die HD und die CCL-relevanten ND posten? So könnte man die Fälle mal "nachspielen".


    Gruß,
    MaK

  • Hallo Forum,


    die Kodierung, die in die DRG I47B mit einem PCCL = 4 führt wäre:


    HD: S72.01
    OPS: 5-820.41
    ND: I69.0, R47.1, L89.24, Z22.3 mit B96.2 und U81.20, R64


    Fügt man bei den ND dann noch die I20.0 hinzu bleibt der PCCL bei 4, die DRG aber wechselt nach I05A.


    Das würde entsprechend Herrn Selter (vielen Dank für Ihre schnelle Antwort !!) tatsächlich bedeuten, dass die CC-Diagnosen bei identischer HD und identischem OPS in unterschiedlichen DRG´s derselben operativen Partition (wie hier z.B. I47B und I05A) unterschiedliche Wertigkeiten annehmen können ??


    Gibt es viele solche Konstellationen ??
    Oder eher wenige ??


    Vielen Dank für Eure Hilfe !!

  • Hallo,


    schauen Sie sich mal die CCL-Bewertungen der einzelnen ND mit und ohne Angabe von I20.0 an, dann sehen sie die Verschiebungen der Bewertungen bei I05 und I47. Mir sind bis jetzt nur 3 solche Fälle untergekommen, weiß aber nicht wie viele es letztlich gibt. Gibt es z. B. auch bei I10 und I09.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo,


    siehe auch


    Zitat von InEK Abschlussbericht zur Weiterentwicklung des G-DRG-Systems 2017

    Nachdem früher Diagnosen oder Diagnosegruppen überwiegend systemweit auf- bzw. abgewertet wurden, verlagerte sich die Anpassung der CCL-Werte in den letzten Jahren verstärkt hin zu einer individuellen Anpassung bestimmter Diagnosen in bestimmten Basis-DRGs.

    Gruß

  • Hallo Herr Selter und GW,


    vielen Dank für die Infos !
    Die waren sehr hilfreich für mich !


    Weiß jemand noch weitere solche Konstellationen aus dem Bereich der operativen Basis-DRG´s ?
    I47 > I05
    I10 > I09
    ... ?


    Bzw. wie könnte man solche Konstellationen sicher erkennen ohne das mühsam probatorisch durchzugruppieren ?


    Vielen Dank für Eure Hilfe !

  • Liebe Mitdenker,


    wir haben auch so einen rätselhaften Fall, wo die DRG bei PCCL 4 durch Hinzufügen einer CCL-1-ICD bei gleichbleibendem PCCL=4 von J11D auf J08C springt, Unterschied 3000 €.


    Wo kann man denn dieses Regelwerk nachlesen? Es muss doch irgendwie durchsichtig und nachvollziehbar bleiben, damit man nicht anfängt, an den Software-Entwicklern zu zweifeln. Unsere Ärzte möchten wissen, woran sie sind.


    Freundliche Grüße aus der Lausitz,


    E. Kosche

  • Hallo Frau Kosche,


    könnten Sie eventuell die Fallkonstellation etwas näher schildern? Also: Hauptdiagnose,relevante OPS-Kodes und welche Nebendiagnosen bewirkt den DRG-Wechsel? Dann lässt sich vielleicht einfacher aufdröseln, woran es liegt...


    Schöne Grüße,
    B. Liebermann

  • Wenn es Ihnen darum geht, wie der Grouper genau arbeitet dann könnten Sie das in den Defintionshandbüchern "nachlesen".


    http://g-drg.de/G-DRG-System_2…/Definitionshandbuch_2017


    In diesen beschreibt das INEK, wann welche Diagnose wohin führt. Eine sachlogische Begründung muss es dafür aber nicht geben. Es liegt einfach an dem sich aus der Kalkulation ergebenden Behandlungskosten dieser Fälle.


    Haben ihre Ärzte eventuell bei dem Fall einen 1-425.2er OPS Code hinzuverschlüsselt? Das ist laut Definitionshandbuch der einzige OPS Code der sowohl zu einer J08C als auch zu einer J11D passt? (ist aber reine Spekulation)


    Viele Grüße,


    Matt

    Einmal editiert, zuletzt von Matt ()

  • Hallo,


    ehrlich gesagt erschließt es sich mir nicht, warum hier eine "Sicherheit" für Ärzte resultieren muss. Zudem sind die Grouper zertifiziert, womit auch keine Not bei den Softwareherstellern ist. Woran das liegt ist beschrieben, es kommt selten vor und die unterschiedlichen Zuordnungen sind nicht planbar. Der Fall wird bezüglich der Diagnosen und Prozeduren so kodiert, wie er sich präsentiert. Dann gibt es eine entsprechend vorgesehene DRG. Wenn eine systematische Unterfinanzierung festzustellen wäre, gäbe es Handlungsbedarf, wenn nicht, nicht. Ich sehe diese Fälle höchstens als "interessant" an, aber sonst nicht weiter zu analysieren. Zudem würde es mich sehr wundern, wenn diese als Tabelle irgendwo im Def.handbuch stehen würden. Ich sehe das daher sehr entspannt.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau