Sepsis ohne SIRS

  • Hallo,


    nicht nochmal... ich weiß aber die Konstellation/Frage ist eine andere:


    muss ich eigentlich zwingend die SIRS bei einer Sepsis kodieren oder besser: ist es fehlerhaft im Sinne einer späteren AWP-Verweigerung der Kasse? (Prüfung eigentlich auf HD E.coliSepsis). Laut DKR sind Zusatzcode eigentlich nur anzugeben wenn es den Fall näher erläutert, und bei Ausrufezeichen-codes steht immer können mitverschlüsselt werden.
    Wenn ich aber eine Sepsis verschlüssele...deren Kodierung implementiert ja die SIRS?!


    Eure Meinungen? sind schliesslich 300E!


    rokka

  • Hallo,


    SIRS ist ein obligat anzugebender Kode, d.h. er kann nicht nur, sondern er muss angeben werden. Und als weitere Erläuterung besagt der Zusatzkode zusätzlich, ob mit oder ohne Organkomplikation.


    Gruß
    B.W.

  • halt, sorry ...doch gefunden etliche Seiten davor...in der Tabelle2


    alles klar


    mist, war aber sicher trotzdem nicht Grund der Anfrage, denke ich, aber nu is egal



    danke


    rokka

  • Hallo rokka,


    ja, das machen sie gerne. Hatte unlängst den Fall, dass laut Gutachten die Z51.5 (Palliativbehandlung) hätte kodiert werden müssen, wobei schon eine palliativmedizinische Komplexbehandlung kodiert war. Die Argumentation der Kasse, dies sei veranlassend für die Prüfung gewesen. Manchmal ist es gar zu lächerlich.


    Viele Grüße


    Medman2

  • SIRS ist ein obligat anzugebender Kode, d.h. er kann nicht nur, sondern er muss angeben werden. Und als weitere Erläuterung besagt der Zusatzkode zusätzlich, ob mit oder ohne Organkomplikation.


    Hallo BW,
    mal an dieser Stelle weiter gefragt. Bisweilen wird die Meinung vertreten, ein Sekundärkode könne nur dann kodiert werden, wenn dafür ein entsprechender Aufwand vorhanden sei. Dies ist m.E. nicht zutreffend.


    Wie sehen Sie das, z.B. im Hinblick auf den Sekundärkode R65.0?


    Viele Grüße


    Medman2

  • Guten Morgen,
    obligat anzugebende Kodes sind immer anzugeben.
    Der Mehraufwand hierzu spielt keine Rolle. Diese Vorgabe "obligat" hebt somit die Erfordernis eines Mehraufwandes auf. Die Diskussion hatten wir schon mehrfach bei den Keimen, die auch obligat anzugeben sind. Im Übrigen wird das SIRS ja auch im Rahmen der Sepsis mitbehandelt.
    Viele Grüße

    Dr. Frank Holzwarth
    FA für Chirurgie / Notfallmedizin
    Medizincontrolling

  • Obligat heißt obligat, unabhängig vom Mehraufwand, das würde ich auch so sehen.
    Aber in der Realität stellt sich die Frage bei einem echten SIRS ja auch nicht.zufällige Laborkonstellationen, die erst nachträglich auffallen, sind dann aber eben auch kein SIRS, oder?

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo,


    mal unabhängig von den Ausrufezeichen-Sekundärkodes, die als obligat genannt sind.


    Wie sehen Sie das bei Ausrufezeichenkodes, die nicht als obligat benannt sind. Bedarf es hierfür eines Aufwands?


    Viele Grüße


    Medman2

  • Ich würde sagen ja, denn das sind ganz normale Nebendiagnosen, für die DKR D003 gilt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo Herr Breitmeir,


    ich bin nicht Ihrer Meinung. M.E. sind Ausrufezeichenkodes Spezifizierungen, wie ein Vorname zu einem Namen. Aus diesem Grund ist es schon nicht sinnvoll, hierfür gesondert einen Aufwand zu verlangen. Der Kode differenziert den Tatbestand des Primärkodes.


    Im obigen Beispiel R65.0 ergibt sich ein Aufwand fast zwangsläufig aus dem Primärkode, der durch den Sekundärkode spezifiziert wird.


    Die Vorschrift, dass dieser Kode obligat zu kodieren ist, sagt m Grunde mittelbar, dass zumindest bei den genannten Kodes kein Aufwand gesondert nachzuweisen ist.


    Selbst wenn man Ihre Meinung teilt, dass für den Ausrufezeichen-Sekundärkode gemäß der Nebendiagnosendefinition ein Aufwand erforderlich ist, sollte sich die Kodierbarkeit zumeist automatisch aus dem Aufwand für den Primärkode ergeben, denn ein Mehraufwand ist laut DKR für Nebendiagnosen nicht erforderlich, sondern lediglich ein Aufwand. Dies greift aber regelhaft nur bei Sekundärkodes von Nebendiagnosen, streng genommen nicht bei Sekundärkodes von Hauptdiagnosen, denn die sind zumeist aufwandsunabhängig.


    Vielleicht gibt es aber auch weitere Meinungen?


    Viele Grüße


    Medman2

  • Guten Morgen,


    hier mal ein Urteil bezüglich der Frage:


    SG Würzburg, Urteil v. 30.03.2017 – S 11 KR 568/16


    1. Die Regelungen der Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) - hier für das Jahr 2012 - sind streng nach ihrem Wortlaut auszulegen; dabei gibt es grundsätzlich keinen Raum für weitere Bewertungen und Abwägungen. Eine systematische Interpretation der Regelungen kann lediglich im Sinne einer Gesamtschau ihres inneren Zusammenhangs innerhalb der DKR erfolgen (vgl. BSG, Urteil vom 21.04.2015, B 1 KR 8/15 R, juris; BSG, Urteil vom 18.07.2013, B 3 KR 25/12 R, juris). (Rn. 20)
    2. Die in der Tabelle 2 zu Ziffer D012i der DKR für das Jahr 2012 aufgeführten Diagnosen sind obligat, d.h. sie müssen bei ihrem Vorliegen grundsätzlich auch dann als Nebendiagnosen kodiert werden, wenn die Voraussetzungen der Ziffer D003i der DKR 2012 nicht vorliegen. Wegen ihrer „Natur“ als „Ausrufezeichenkodes“ gilt dies gem. Ziffer D012i der DKR 2012 jedoch nur dann, wenn ein Primärkode kodiert werden darf, dem sie zugeordnet werden können. Ob der Primärkode als Nebendiagnose kodiert werden darf, richtet sich nach der DKR, insbesondere nach Ziffer D003i. Kann der Primärkode nicht kodiert werden, darf auch der Ausrufezeichenkode aus der Tabelle 2 zu Ziffer D012i der DKR für das Jahr 2012 nicht kodiert werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau