Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst

  • Das von der DKG in Auftrag gegebene Rechtsgutachten zu den arbeitsrechtlichen Folgen des GBA Beschlusses zur Notfallversorgung, das heute hier unter „Neuigkeiten“ eingestellt wurde, ist interessant (https://www.dkgev.de/media/file/87491.Anlage_Kurzgutachten_„Notfallversorgung_und_Arbeitszeitrecht“.pdf ).

    Unabhängig von der Frage, ob ein Facharzt immer/regelhaft von zu Hause in die Notfallambulanz kommen muss, stellt sich mir die Frage, ob nicht in anderen Bereichen der Medizin schon längst Inanspruchnahme- Zeiten von 30 Minuten und weniger etabliert sind.

    Konkret habe ich hier die Geburtshilfe vor Augen, in der die forensisch normierte Zeit zwischen dem notwendigen Entschluss zur Sektio und der Entbindung des Kindes auf maximal 20 Minuten festgelegt ist. Zumindest nachts oder am Wochenende folgt daraus, dass der Diensthabende Oberarzt seinen Aufenthaltsort nicht frei wählen kann, beziehungsweise seine Lebens/Freizeit-Qualität während des Dienstes sehr eingeschränkt ist.

    Nach dem Rechtsgutachten wäre dies somit ausschließlich im Bereitschaftsdienst zu gewährleisten. Die daraus folgenden Konsequenzen sind in dem Gutachten eindrucksvoll beschrieben.

    Ich bin mal gespannt, wann die DKG den kurativ tätigen Kolleginnen dieses Gutachten und die daraus abzuleitenden Folgen mitteilt.

    Einmal editiert, zuletzt von Breitmeier () aus folgendem Grund: Redaktionell

  • Hallo,

    das ist die tarifrechtliche Ansicht. Dem Vernehmen nach soll es aber außertarifliche Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Angestellten geben, in denen gegen einen gewissen Obolus entsprechende Zugeständnisse bei den "ins-Haus-kommen-Zeiten" gemacht werden. Aber das kenne ich nur vom Hörensagen.........

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Das mag im Einzelfall vielleicht mal gehen. Wenn der G-BA-Beschluß aber nicht aufgeweicht wird, haben wir ein flächendeckendes Problem, das nach einer sauberen Lösung verlangt, wenn die Häuser nicht das Risiko der rückwirkenden Abrechnung als Bereitschaftsdienst und der Strafzahlungen eingehen wollen.

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    Dr. med. Volker Blaschke

    Einmal editiert, zuletzt von Blaschke ()

  • Hallo,

    ich weiß ja nicht, ob das angesprochene Gutachten für den Auftraggeber (DKG) nicht einen Schuss ins eigene Knie bedeutet. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Krankenhäuser begeistert sind von dem Ergebnis, dass sich ja im großen und ganzen mit der Position des Marburger Bundes deckt. Das einzige Motiv von Seiten der DKG könnte sein, dass man hier Munition für einen drastisch erhöhten Personalbedarf im ärztlichen Stellenplan und für eine entsprechende Refinanzierungszusage sammelt. Klar muss sein, dass bei einer Bewertung als Bereitschaftsdienst das zur Umsetzung des GBA-Beschlusses erforderliche Personal auf dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht.

    Jetzt steht ja hier dann auch schwarz auf weiß, dass eine feste Zeitspanne für das Einrücken sich nicht mit einem Rufbereitschaftsdienst in Übereinstimmung bringen lässt. Das gilt natürlich auch für die oben erwähnte Geburtshilfe und damit konsekutiv auch für die Anästhesie. Trotzdem wird es in vielen Fällen so sein, dass der Arbeitgeber Rufdienst anordnet und die Einrückzeit vom Chefarzt festgelegt wird. Ich kenne sehr viele Ober- / Fachärzte, die trotz der Anordnung von Rufdienst in den sauren Apfel beißen und 15 - 20 Minuten als Einrückzeit akzeptieren. Wo kein Kläger, da kein Richter.

    Spannend wird jetzt sein, ob der GBA-Beschluss in diesem Punkt aufgeweicht wird, da er tarifkonform schlicht nicht umsetzbar ist. Dass ein solches Aufweichen möglich ist, sieht man ja in der Neonatologie...


    Herzliche Grüße aus Trier