Komplikation bei Eingriff (T81.8) oder Infektion durch Implantat (T84.5)

  • Werte Mitdenker,


    ich bitte um Ihre Mithilfe in folgendem Fall, um die eigene Befangenheit auszuschließen:


    Patient mit rheumatoider Arthritis, Diabetes, Adipositas, vorbehandelt mit u.a. Cortison sowie antirheumatischem Basistherapeutikum, mithin "immuninkompetent".

    Der Patient wird drei Monate nach Hüft-TEP mit einer persistierenden Fistel bei chronischem Wundinfekt (Nachweis Enterobakterien und Streptokokken) stationär aufgenommen.

    Es erfolgt eine operative Revision, wobei sich eine subcutane Höhlenbildung zeigt, die Faszie ist vollständig geschlossen, keine Fistelgänge in die Tiefe, auch sonst kein Hinweis für eine Infektion der Prothese.

    Die Höhle wird excidiert, die Wunde primär verschlossen, Wundheilung nach 10 Tagen unkompliziert, antibiotische Nachbehandlung für drei Wochen.


    Es stellt sich die Frage der Hauptdiagnose:

    • T84.5 - Infektion und entzündliche Reaktion durch eine Gelenkendoprothese
    • T81.8 - Sonstige Komplikation bei Eingriffen, u.a. persistierende postoperative Fistel

    Wie ist ihre Meinung?


    Besten Dank im Voraus


    Pseudo

  • Hallo,


    vielen Dank für Ihr Mitdenken.


    Ein Abszess (Eiteransammlung in einer nicht präformierten Höhle) lag nicht vor. Eiter wird im OP-Bericht nicht beschrieben. Es handelte sich "schlicht" um eine persistierende postoperative Fistel. Der Nachweis von Keimen ist dabei nicht ungewöhnlich.


    Viele Grüße


    Pseudo

  • Hallo,


    Für mich klingt das eher nach T81.8. Für die T84.5 fehlt mir eine Entzündung im Gelenkbereich. Wenn es eine Infektion DURCH die Prothese wäre, müsste der krankhafte Befund doch tiefer liegen. Da er aber nur bis zur Faszie reicht, ist von den beiden T-Kodes T81.8 zutreffender.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo Pseudo,

    betreffs der T84.5 bin ich ganz bei Herrn Breitmeier. Zu klären wäre doch eigentlich aus meiner Sicht, ob die Fistel durch einen Infekt zustande kam, dann würde ich T81.4 nehmen. Ist es eine Fistel, die sekundär mit Keimen "besiedelt" ist, dann wäre für mich die T81.8 der korrekte Kode.

    MfG findus

  • Hallo Pseudo,


    ich schließe mich auch Findus und Herrn Breitmeier an bzgl T84.5. Sollte die Wunde jedoch, auch wenn typischerweise mit Keimen besiedelt, zusätzlich gereinigt worden sein, um sie zu entkeimen oder mit antiseptischen Wundauflagen behandelt, würde ich auch eher zur T81.4 tendieren als zur T81.8.

    Der Patient wird drei Monate nach Hüft-TEP mit einer persistierenden Fistel bei chronischem Wundinfekt (Nachweis Enterobakterien und Streptokokken) stationär aufgenommen

    Allerdings hast du auch dies hier selbst geschrieben "Chronischer Wundinfekt"

    Die Sekundärheilung also Nahtdehiszenz bei Multimorbiden Pat. wie oben beschrieben wäre die T81.3.


    VLG

  • Ich würde hier die L98.8 codieren. Die OP ist drei Monate her und eine Verbindung zur Prothese besteht ja offensichtlich nicht.

    Kira