Wiederaufnahme und Verwandtes

  • Hallo Forum,


    immer wieder werde ich in höchst unerfreuliche Diskussionen mit der Ärzteschaft verwickelt, die mich mit folgenden Fragen in die Ecke drängen:


    1. Wenn ein Pat. wegen einer chronischen Erkrankung immer wieder zur Aufnahme kommt, gibt das dann jedesmal eine neue DRG? Oder gilt das immer wieder als Wiederaufnahme, für es nichts gibt?


    :vertrag:


    2. Wenn bei der Erstbehandlung eines Krebspatienten noch im gleichen Aufenthalt die erste Chemo und/oder Bestrahlung erfolgt, gibt es nichts "extra". Sollen diese Pat. jetzt alle entlassen werden und erst nach Erreichen der oGVD zur ersten Folgebehandlung aufgenommen werden?


    Für ein bißchen Info oder Argumentationshilfe wäre ich dankbar!


    Grüße
    NiR

  • Hallo Nichtraucher :smokin: ,
    abgesehen davon, dass ich mich lieber mit Leuten unterhalte, die sich die Möglichkeiten der hochzivilisierten Gesellschaft inform von Namensgebung I) zu Nutze machen, folgende Fakten:
    Der Gesetzestext lautet:


    „Wird ein Patient wegen Komplikationen in dasselbe
    Krankenhaus aufgenommen, für den zuvor eine
    Fallpauschale berechnet wurde, darf für die
    Kalendertage innerhalb der Grenzverweildauer
    dieser Fallpauschale die Fallpauschale nicht erneut
    berechnet werden.“


    1. Eine Komplikation ist nach medizinischem Verständnis eine durch vorhergehende Behandlung und durch diese verursachte irreguläre Verschlechterung des Gesundheitszustandes.
    Ist dies der Fall, z.B. bei Nachblutungen post OP; ist das eindeutig eine Komplikation und wird in die primäre DRG eingerechnet.
    Ist ein Patient aber z.B. Asthmatiker, wird im Status asthm. aufgenommen, therapiert, neu med. eingestellt, bei gutem pulmonalem Befund entlassen und bekommt eine Woche später bei Allergenexposition einen neuen Anfall, ist dies ein Rezidiv der Erkrankung und keine Komplikation.
    Es sollte also unterschieden werden zwischen Komplikation und Rezidiv.
    Noch eindeutiger ist die Sachlage bei Chemotherapiezyklen.
    Die Kassen sehen das leider aber oft anders und es ist reichlich Stoff zum debattieren gegeben.


    Der zweite Fakt aus dem Gesetzestext ist der, dass DIE Fallpauschale (des ersten Aufenthaltes) nicht wieder abgerechnet werden kann, eine andere ist dann im Umkehrschluß also möglich (falls sie sich regulär medizinisch begründet ergibt).


    Zur zweite Frage:
    Primär sollten Sie sich an den medizinischen Notwendigkeiten orientieren und nicht den Behandlungsablauf durch zwischenzeitliche Entlassungen verzögern. Standarttherapieabläufe sind in den DRGs mitkalkuliert (oder sollten es sein). Zum zweiten Zyklus mit zweiter Aufnahme können Sie bedenkenlos die nächste DRG abrechnen. Die Wiederaufnahmeregelung ist wie o.g. hier nicht rechtmäßig.


    Viele Grüße


    Steffen Zacher
    Medizinmanager
    Städtisches KH Martha-Maria Halle/S.

  • Laut Herrn Tuschen, Referent beim BMG, dient die Regelung dazu, vorzeitige Entlassungen zu verhindern, sprich Komplikationen DER BEHANDLUNG finanziell unattraktiv zu gestalten.
    Gesprächspartner im Einzelfall ist der MDK. Hier kann man schon im Vorfeld Erkundigungen einziehen, welche Lesart dort bevorzugt wird. Selbst bei den Früheinsteigern dürften erst jetzt die ersten KO-Wiederkehrer auftreten, so daß der MDK wahrscheinlich noch wenig Erfahrung in dieser Sache hat.


    --
    Jan Haberkorn
    Internist/Medizincontroller
    St. Elisabeth-Krankenhaus Köln

    Jan Haberkorn
    Internist/Medizincontroller
    St. Elisabeth-Krankenhaus Köln

  • Zitat


    Original von Hab-StElisabeth:
    Laut Herrn Tuschen, Referent beim BMG, ...



    Hallo,


    Ergänzung zur Person:


    Karl Heinz Tuschen (Ministerialrat)
    Leiter des Referats 216
    "Wirtschaftliche Fragen der Krankenhäuser, Krankenhausforschung"
    Bundesministerium für Gesundheit, Bonn



    Gruß
    E. Rembs




  • gerne...





    Zitat


    Original von Nichtraucher:


    2. Wenn bei der Erstbehandlung eines Krebspatienten noch im gleichen Aufenthalt die erste Chemo und/oder Bestrahlung erfolgt, gibt es nichts "extra". Sollen diese Pat. jetzt alle entlassen werden und erst nach Erreichen der oGVD zur ersten Folgebehandlung aufgenommen werden?






    Hallo Nichtraucher,
    Entscheiden Sie primär medizinisch, übernehmen Sie hierfür die Verantwortung!
    Entscheiden nach GVD etc. beinhaltet den Tatbestand des Tricksens zum Schaden des Patienten. Wo bleibt die Menschlichkeit, die Verantwortung für den Patienten?


    Siehe auch Douglas Mc Gregor:
    theory x
    The average person prefers to be directed; to avoid responsibility; is relatively unambitious, and wants security above all else
    theory y
    The capacity to use a high degree of imagination, ingenuity and creativity in solving organisational problems is widely, not narrowly, distributed in the population.









    Gruß
    E. Rembs

  • Vielen Dank erstmal.


    @St. Zacher: touche, aber für bestimmte (dämliche) Fragen ist es günstiger, wenn nicht alle anderen Forum-Leser im eigenen Haus wissen, daß man "so etwas Simples" nicht wußte! Sorry....


    Die Trennung in Komplikation / Rezidiv / geplanter Behandlungszyklus ist hilfreich. Hoffentlich ist das mit dem MDK diskutierbar.


    Ich muß aber auch hinzufügen daß ich in manchen Gesprächen mehr als überrascht bin, wie leichtfertig auch von namhaften (und leitenden) Kollegen Therapieabläufe zur Diskussion gestellt werden, um den CMI hochzutreiben (um das mal ganz vorsichtig auszudrücken...).


    @E.Rembs: Natürlich haben Sie recht! Ist doch ganz klar. Aber ist es nicht höchst erstaunlich, wenn der Medizincontroller den Kliniker darauf hinweisen muß, daß er seine Behandlungsabläufe PRIMÄR MEDIZINISCH auszurichten hat?


    Schönes Wochenende allerseits!


    NiR

  • Zitat


    Original von Nichtraucher:
    .... Aber ist es nicht höchst erstaunlich, wenn der Medizincontroller den Kliniker darauf hinweisen muß, daß er seine Behandlungsabläufe PRIMÄR MEDIZINISCH auszurichten hat?



    NiR



    Hallo,


    Eher traurig, als erstaunlich.....



    Business Ethik und med. Ethik widersprechen sich nicht.


    (Medizin)Controller sind eben keine „unmenschlichen“ Zahlenknechte und Kostenschleifer!!!
    Auch im Business gelten die Werte: Menschlichkeit, persönliche Integrität , Rechtschaffenheit etc.
    (vgl. die Diskussion um Corporate Governance).


    Schöne Grüße


    E. Rembs

  • Hallo Groupies


    wir waren/sind Frühoptierer in Westfalen-Lippe, unsere Verhandlungen haben sich aber so lange hingezogen (ich hoffe wir starten real am 01.07.2003) das wir aktuelle Diskussionen bereits in den DRG-Budgetverhandlungen zu beantworten hatten. Einer dieser Punkte war die Ausweisung der Wiederkehrer. Wir haben unsere prinzipiellen Wiederkehrer (Wiederaufnahme innerhalb OGVD) einzel ausgewiesen und für jede "geplante Konstellation" begründet.
    Diese Begründungen sind somit anerkannter Teil des Verhandlungsergebnis. Hierbei haben wir 7 grundsätzliche Patientgruppen die keine "Wiederkehrer" sind definiert und auch anerkannt bekommen. Jetzt bin ich mal gespannt wie die Sachbearbeiter der Kostenträger vor Ort damit umgehen wenn wir bei Streitigkeiten die Zugehörigkeit in einer dieser Gruppen nachweisen.


    Welche frühoptierenden Spätumsteiger haben hierzu bereits Erfahrungen?


    Buer wir 1000, Wattenscheid 586 Jahre



    --
    Michael Kilian

    Michael Kilian

  • Hallo Herr Kilian,


    es wäre sicher für viele interessant, die definierten Gruppen zu erfahren. Könnten Sie dies kurz darstellen? Vielen Dank im Voraus!



    --
    Einen freundlichen Gruß vom MDA aus Schorndorf

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • Hallo Nichtraucher,
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    @St. Zacher: touche, aber für bestimmte (dämliche) Fragen ist es günstiger, wenn nicht alle anderen Forum-Leser im eigenen Haus wissen, daß man "so etwas Simples" nicht wußte! Sorry....
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    Stehen Sie drüber!!!!! Es gibt keine dähmlichen Fragen, nur blöde Antworten!!!! Ich bin schon bei Schulungen auf meinen Namen angesprochen worden : "Sind Sie nicht ?????". Es sind immer sehr interessante Gespräche dabei entstanden, und so macher Kontakt wurde geknüpft.


    Grüße aus Nürtingen
    Daniela Bahlo-Rolle


    :x :x :x :x :x :x :x :x :smile:

    Mit freundlichen Grüßen aus Nürtingen


    D. Bahlo-Rolle :d_niemals: :d_pfeid: :sonne:



  • Hallo Herr Zacher, hallo Forum,
    aus der BPflV-zeit sind wir bei der Fallpauschale 16.041 gewohnt: Alles was drei Tage vor der Geburt stationär ablief fiel mit in die Pauschale. Das ist jetzt anders.
    Aber ist es wirklich so, dass eine extra DRG abgerechnet wird, wenn eine Patientin z.B. wegen Wehen ins Krankenhaus kommt, stationär aufgenommen wird, aber, weil die Wehen sistieren nach X Stunden wieder entlassen wird, um dann nach weiteren Wenigen Stunden zur Geburt wieder stationär aufgenommen zu werden.
    Ist die doppelte Abrechnung der DRG für vorgeburtlichen Aufenthalt (O65B) und stationäre Entbindung (O60D) korrekt? Wenn nicht, wo sind die zeitlichen Grenzen?


    ?(
    --
    mfG
    Thomas Heller
    QMB/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken