HD Endokarditis oder Sepsis

  • Hallo Forum,


    sicher werden gleich einigen gähnen oder den Kopf schütteln wie klar das doch ist aber diejenigen können dann ja mit Argumenten glänzen.

    Wir haben eine Endokarditis durch Enterokokkus faecalis (in BK nachgewiesen - Pat. hatte OP abgelehnt!), destruierende Vegetationen;

    klinisch AZ-Verschlechterung, Tachykardie bei Aufnahme; im Verlauf Petechien als septische Vaskultis gewertet.

    MDK-GA will jetzt HD Sepsis wegen Organkomplikationen und postiver BK.

    Aber ich sehe das anders denn selbst wenn alle Sepsiskriterien erfüllt wären(hier keine Leukozytose, kein PCT), erst später leichte Leukopenie unter Therapie) in der ICD-10 steht unter Endokarditis- akut- septisch; somit ist eine septische Endokarditis m.E. weiterhin mit I33.0 zu kodieren


    Hoffe auf Klärung


    MfG


    rokka

  • Hallo rokka,


    zunächst einmal gehe ich davon aus, dass Sie einen Fall aus 2019 haben, da sie ja von Tachykardien und pos. BKs als "Sepsisindikator" schreiben...Ist das korrekt?


    Unabhängg davon würde mich mal die Verweildauer interessieren. Aus dem Gedächtnis hat eine (sub)akute Endokarditis eine OGVD von ca 40 Tagen.


    Beste Grüße

  • Hallo,

    2018er Fall.

    15 Tage Aufenthalt (Dg. natürlich erst kurzfrisitig im Verlauf); OP abgelehnt und auch die notwendige längerfristige i.v. AB vom Patienten im Verlauf abgelehnt (Flexülen vom Patienten selbst entfernt!). E. gg. ärztl. Rat mit Einigung auf wenigstens Versuch einer oralen AB ambulant...


    MfG


    rokka

  • Hallo rokka,

    die Organkomplikation ist mir zwar nicht klar geworden, aber bei pos. BK benötigen Sie zwei SIRS-Kriterien: Tachykardie ja, Leukozytose /-penie nein, Tachypnoe? Fieber?

    Wenn die beiden letztgenannten auch nicht vorliegen, kann die Diagnose Sepsis m.E. auch nicht gestellt werden.


    Gruß

    S. Stephan

  • Hallo,


    ja ohne Kriterien wäre es ja klar, mir geht es nur darum, selbst wenn die Kriterien erfüllt wären; ist dann nicht die septische Endokarditis einzige HD weil da ja die Sepsis mit drin steckt? Zumal DRG für HD Endokarditis (ohne jegliche NDen!) teurer als für HD Sepsis! + ND Endokarditis? hieße laut INEK/MD(K) eine septische Endokarditis (als Sepsis verschlüsselt) ist immer kostengünstiger ( weniger Ressourcen?Aufwand? VWD?) als eine Endokarditis ohne Sepsis? Kann ja nicht richtig sein! (außer es sterben alle sehr früh daran!?)


    MfG


    rokka

  • Hallo!


    Ich kann Ihren Unmut verstehen, die Diskussion hat man ja auch in anderen Kostellationen (Pneumonie vs Sepsis, HWI vs Sepsis...).


    In Ihrem Fall gibt es doch vermutlich einen höheren Resourcenverbrauch für die Endocarditis-Abklärung (TTE, TEE, Konsile) im Vergleich zur Sepsis (BKs).


    Das wäre mein Ansatz. Zudem lag ja auch ein "Behandlungsplan" im Sinne einer langfristigen Antibiotikagabe vor, die vom Patienten abgelehnt wurde...


    Ich würde standhaft bleiben.


    Beste Grüße,

    BoB77

  • Hallo,


    klar ist, dass bei einer Endokarditis und einer Sepsis zwei Kodes verwendet werden müssen. Die DKR sagt, dass eine Sepsis mit dem passenden Sepsis-Kode kodiert wird.

    Die Wahl der HD ist doch unabhängig davon, ob eine Sepsis mit oder ohne Organkomplikation vorgelegen hat.

    Beide Diagnosen hätten zur Aufnahme geführt (HD-Definition erfüllt). Diskutieren könnte man, ob man hier die Endokarditis mit dem *-Kode I39.-* Endokarditis bei andernorts klassifizierten Krankheiten kodiert, falls eine Sepsis die Ursache für die Endokarditis war.

    Ansonsten liegen konkurrierende Diagnosen vor und man kann/muss über den Ressourcenverbrauch argumentieren.


    Gruß

    B.W.

  • Aber mal ehrlich der Nachweis der positiven Blutkulkturen ist doch hier auch nicht Beweis einer Sepsis, sondern gerade auch Kriterium zur Diagnosestellung einer bakteriellen Endokarditis, oder?! (also septische Vaskulitis wie Eingangs erwähnt "Petechien" war vllcht. auch nur hilfsdiagnose, gäbe ja noch andere Dds, muss ich nochmnal schauen)

    Also Ressourcenverbrauch müsste klappen.

    Aber die Sepsis vom GA negieren wäre noch besser...(also mal alles anders rum, wird nie langweilig hier... )


    MfG

    rokka

  • Hallo zusammen,

    Nur mal als Gedankenexperiment: Wenn Sie den Fall proSepsis vorgestellt hätten ( z.B. : „wir haben 2019 einen Fall mit einer positiven Blutkultur mit septischer Vaskulitis und 2 positiven SIRS- Kriterien als Sepsis abgerechnet. Der MDK will aber eine Endokarditis als HD“), welcher Shitstorm wäre dann losgebrochen?

    Es gab bis 2019 unzählige Sepsiskodierungen, bei denen nur formal die SIRS Kriterien erfüllt waren, aber klinisch keine Sepsis im Raum stand (Wenn es abrechnungstechnisch für die Klinik passte).

    Deshalb sind die Kriterien ja entwertet und 2020 verlassen worden.

    Ich meine, man sollte immer die gleichen Kriterien verwenden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo Herr Breitmeier,


    das ist es ja gerade.

    bei denen nur formal die SIRS Kriterien erfüllt waren, aber klinisch keine Sepsis im Raum stand (Wenn es abrechnungstechnisch für die Klinik passte).

    Klinisch und abrechnungstechnisch gibt es Unterschiede. Dabei gelten die Deutschen Kodierrichtlinien und nicht der klinische Ansatz. Es ist m.E. unerheblich, was klinisch hätte, könnte oder sollte. Formal nach DKR ist die Kodierung korrekt. Sie müssen die Kodierrichtlinien ändern (lassen), wenn Sie anderer Meinung sind. Die Krankenhäuser halten sich (formal) an das, was in den DKR steht. Das ist die zentrale Krux der Streitereien. Kodierrichtlinien sind nicht klinisch, sie sind abrechnungstechnisch relevant. Und das passt offenbar MD-Ärzten nicht immer...


    VG B. Sommerhäuser

  • Guten Morgen,


    jetzt bin ich etwas verwirrt. In diesem Fall hat der MD-Gutachter doch die Sepsis kodiert, weil die Kriterien formal erfüllt waren.

    Es wird doch in diesem Beitrag darüber diskutiert, ob dies korrekt ist oder ob eben (klinisch) keine Sepsis vorlag.


    Gruß

    B.W.