A-Schweregruppe mit kleinerem Relativgewicht als B-Gruppe ?!

  • Liebe KollegInnen,


    hier schon wieder ein "Kodierphänomen": eine zusätzliche ND führt zwar von einer B in eine A-Schweregruppe, aber das Relativgewicht sinkt...


    Probieren Sie doch einmal folgende Diagnosenkombination:


    HD: M54.12 (HWS-Syndrom)
    ND: M54.16 (LWS-Syndrom) und R59.0 (Lymphknotenvergrößerung, umschrieben)


    (bettenführende Hauptabteilung, Geschlecht weiblich, geboren 1944, VWD 22 Tage, keine Beatmung etc.)


    Resultat: B71B mit einem PCCL von 0 und einem Relativgewicht von 1.32 (0,8 + 0,52)


    Und nun der gleiche Diagnosensatz mit einer WEITEREN Nebendiagnose, und zwar der D70 (Leukozytopenie):


    Resultat: B71A mit einem PCCL von 2 und einem Relativgewicht von 1,134 (1,053+0,081)


    Wer kann mir das erklären ?


    Danke und Gruß
    Popp

  • Hallo Popp,


    die von Ihnen geschilderte Konstellation kann bei vielen DRGs vorkommen, nämlich immer dann, wenn die obere Grenzverweildauer überschritten wird.


    Die Kalkulation erfolgte nach dem einfachen Schema: je höher der CCL, desto länger die Verweildauer (leuchtet ja auch grundsätzlich erst mal ein), dementsprechend auch längere GVD.


    In Ihrem Beispiel liegt der höhere Erlös der B-DRG daran, dass der erste Tag mit Zuschlag der 19. Behandlungstag ist, bei der A-DRG aber erst der 23. Tag.


    Solange die Verweildauer innerhalb der verschiedenen Grenzverweildauern liegt, kann sich meines Wissens eine solche Konstellation nicht ergeben.


    Soviel zur Theorie aus Sicht des Kassenfürsten - ob das alle für sinnvoll halten, nur weil es sich so berechnet, sollen andere diskutieren.


    Gruß aus dem Bergischen Land,



    ToDo

    Freundliche Grüße




    ToDo


    Wir lieben die Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - falls sie das gleiche denken wie wir.
    (Mark Twain)

  • Sehr geehrter Herr Popp,


    dieses Phänomen ist bekannt und erklärt sich durch den in diesem Fall höheren OGVD-Zuschlag der B-DRG gegenüber der A-DRG sowie der geringeren OGVD der B_DRG gegenüber der A-DRG. Das bedeutet, dass, in Abhängigkeit von der Differenz der Relativgewichte und der Differenz der Zuschläge, ab einem bestimmten Tag über der OGVD die B-DRG besser dasteht.
    Am besten darstellbar in einem XY-Diagramm. Die Kurven von A-DRG und B-DRG haben tatsächlich einen Schnittpunkt.



    Schöne Grüsse


    Nusser
    Arzt/MedCont
    Rosenheim

    [mark=grey]Schöne Grüsse


    F. Nusser[/mark]

  • Hallo ToDo,


    darf ich zitieren:


    "....Solange die Verweildauer innerhalb der verschiedenen Grenzverweildauern liegt, kann sich meines Wissens eine solche Konstellation nicht ergeben....."


    Leider gibt es sie doch. Wie oft diese Konstellation vorkommt, habe ich nicht geprüft, aber schauen Sie sich mal die I68A/B/C für Hauptabteilungen an.


    Dieses Theater ist aber wohl zum großen Teil auf eine deutsche Eigenheit zurückzuführen, nämlich die, daß in Deutschland einmal eine Myelographie/Diskographie (noch) nicht (bzw, nach der Streichung der "sonstigen näher bezeichneten..." aus dem OPS nicht mehr) codiert werden kann, und zum anderen, daß in Australien diese DRG wohl eine andere Funktion haben muß, als in Deutschland.


    Eine Myelographie/Diskographie scheint in Australien extrem preiswert zu sein, denn sonst hätte man diese DRG wohl anders formuliert.


    Dies nur ganz nebenbei und ist auch nicht als Kritik gemeint


    mit freundlichen Grüßen


    Thomas Winter
    Berlin

  • Hallo,


    diese unerfreulichen Effekte kommen meines Erachtens erstens durch die direkt übernommenen australischen Splits (die ja früher oder später durch eigene Deutsche Splits ersetzt werden).


    Und zweitens durch die bekanntermassen sehr schlechten Daten der Erstkalkulation (Stichwort: Kompressionseffekt, d.h. die systematische Besserstellung häufiger einfacher Leistungen und gleichzeitiger schlechterstellung komplexer Leistungen [damit erklärt sich auch die Mehrbelastung der Kassen mit traditionell 'besserer' Versichertenstruktur im Optionsjahr zugunsten der AOK]).


    Dies dürfte sich mit der Zweitkalkulation deutlich bessern und wird in ein paar Jahren kein Thema mehr sein...


    Es bleibt also nur bei der deutlichen Warnung, auf keinen Fall die jetzigen Relativgewichte für strategische Entscheidungen heranzuziehen und der Warnung an die AOK, das sich die Einsparungen dieses Jahres in den nächsten Jahren wieder aufheben werden.


    Gruß



    --
    Thomas Lückert
    Medizincontrolling
    Johanniter-Krankenhaus im Fläming

    Thomas Lückert
    Stabsstelle Medizincontrolling
    Unfallkrankenhaus Berlin