Begutachtung der Einhaltung von OPS-Struktumerkmalen § 275d Abs. 1 Satz 1 SGB V, Richtlinie MDS

  • Zur Info:

    Klarstellungen und Änderungen gemäß § 295 Absatz 1 Satz 8 und § 301 Absatz 2 Satz 6 SGB V

    DRG und Klassifikationen 2022 - DRG-Forum - myDRG - DRG-Forum 2021 Medizincontrolling, Kodierung & Krankenhausabrechnung

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Tag zusammen!


    Eine mir nicht so leicht verständliche Klarstellung:

    Kurz: Innerhalb von 30 Minuten kein Facharzt. Auch Ärzte in Weiterbildung erfüllen das Strukturmerkmal. Krankenhäuser müssen den Facharztstandard und einen Facharzt innerhalb von 30 Minuten sicherstellen.


    Wie kann der Facharzt "hinzugezogen" werden? Auch telefonisch? Oder doch in Person? Wie verstehen Sie die Klarstellung?


    Bin gespannt auf Ihre Deutungen,


    123

  • Guten Morgen,


    kann ein Facharztstandart telefonisch eingehalten werden? Bisher dachte ich, das bedeutet, dass ein Facharzt den Patienten gesehen haben muss.

    Soviel zur Klarstellung :/


    Gruß

    B.W.

  • Und das ist nicht die einzige Fehlleistung in Sachen Klarstellung: Die Punkte 1 und 2 lassen sich ja (was die benötigte Personenzahl für Behandlungsleitung und Therapiebereiche angeht) so zusammenfasen: "Einer reicht, aber es braucht einen Zweiten". Wunderbar - statt Dissens BMG vs. MDS haben wir jetzt Dissens BMG vs. BMG, und das innerhalb von 5 Zeilen. Und weiterhin kein Wort zu der Situation von Häusern, die bei Abwesenheit der Leitung die entsprechende Leistung eben nicht erbringen.


    Die Krönung ist dann noch der Absatz drunter, der die DKG sicherlich freut, aber den Praktiker auf die Palme bringt:

    "Mit der Behandlungsleitung sind keine Vorgaben zu Anwesenheit, Patientenkontakten und Teilnahme an den Teambesprechungen oder Visiten verbunden, sofern keine kodespezifischen Vorgaben hierzu bestehen"Mit anderen Worten: Wie es in der Realität läuft, ist wurscht, Hauptsache, es stehen 2 Namen auf dem Papier. Das ist der Behandlungsqualität sicher enorm zuträglich...

  • Hallo MDK Opfer,


    Ich stimme Ihnen voll zu, dass die sog. Klarstellungen des BfArm zu keiner Klarheit führen aber schlimmstenfalls zu einer massiven Qualitätseinbuße in der Patientenversorgung führen werden. Der Abwertungswettlauf für ärztlich- pflegerische Komplexleistungen ist vom BfArm eröffnet.

    Und die Verdichtung der Arbeit für die armen Kolleg#innen, die der Klinikträger für 24/7 an 365 Tagen benennt, wird die Freude am Beruf auch nicht zwingend erhöhen. Völlig im Regen stehen natürlich die KHS, die an guter Qualität interessiert sind und z.B. mehr als eine weitergebildete Pflegekraft in der Geriatrie einsetzen X(

    Warten wir mal, wie der MD ( und später die Gerichte) mit diesen rückwirkenden „Klarstellungen“ umgehen- es wird bestimmt spannend bleiben !

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo BW,

    sorry, aberFacharztstandard ist keineswegs gleichzusetzen mit Anwesenheit eines Facharztes.


    Allgemein ist bei jeder ärztlichen Behandlung Facharztstandard gefordert. Das bedeutet, dass z.B. ein im Vordergrund tätiger Assistenzarzt, der nicht Facharzt ist, diesen Facharztstandard durch seinen Kenntnisstand zu gewährleisten hat, insbesondere auch dadurch, dass er in zutreffender Einschätzung seiner Fähigkeiten ggf. auf einen Facharzt zurückgreifen kann und zurückgreift.


    Das ist im Übrigen das Prinzip, unter dem jeder Facharzt seine Facharztreife erworben hat. Ich gehe davon aus, dass das auch für Sie zutrifft.


    Viele Grüße


    M2

  • Der Abwertungswettlauf für ärztlich- pflegerische Komplexleistungen ist vom BfArm eröffnet.

    Hallo Herr Breitmeier,

    man kann die Ausführungen des BfArm trotz teilweise widersprüchlich erscheinender Aussagen auch dahingehend verstehen, dass ausufernden Interpretationen im Hinblick auf die vorzuhaltenden Personalressourcen Einhalt geboten wird. Das hat mit "Abwertungswettlauf" nichts zu tun.

    Und die Verdichtung der Arbeit für die armen Kolleg#innen, die der Klinikträger für 24/7 an 365 Tagen benennt, wird die Freude am Beruf auch nicht zwingend erhöhen. Völlig im Regen stehen natürlich die KHS, die an guter Qualität interessiert sind und z.B. mehr als eine weitergebildete Pflegekraft in der Geriatrie einsetzen X(

    Klinikträger verdichten übrigens nicht willkürlich die Arbeit. Ihnen bleibt aufgrund immer weiterer, sogenannter Qualitätsanforderungen gar keine andere Wahl. Bei leergefegtem Arbeitsmarkt sind entsprechend qualifizierte Kräfte auch nicht verfügbar.

    Den von Ihnen bemitleideten "armen Kolleg#innen" könnte durch eine realitätsnahe Ausrichtung von Qualifikationsanforderungen wie auch durch eine Intrepretation selbiger mit Augenmaß Hilfe zuteil werden.


    Viele Grüße


    M2

  • Hallo medman2,


    Ich denke, Sie wissen es besser, als Sie hier schreiben:

    „Klinikträger verdichten übrigens nicht willkürlich die Arbeit. Ihnen bleibt aufgrund immer weiterer, sogenannter Qualitätsanforderungen gar keine andere Wahl.“


    Ansonsten empfehle ich mal, bei noch kurativ tätigen Ärzt#innen und Pflegekräften nachzufragen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Guten Morgen,

    von einem "Abwertungswettlauf" zu sprechen, ist schon sagenhaft. Sofern mal irgendwann bei der Interpretation durch den MD die Kirche im Dorf geblieben wäre, bräuchten wir die ganze Diskussion nicht. Es wird im lfd. Verfahren dauern nach arbeitsvertraglichen Regelungen der Behandlungsleitung gesprochen. Der MD hat die mind. 50% Anwesenheit erfunden. Der MD hat die doppelte ZWB bei interdisz. Intensivstationen erfunden. Der MD hat die 6 Monate Erfahrung auch des nächtlichen Schichtdienstes erfunden. Das alles steht nirgends. Es gibt heute nicht und es gab dazu vorher nicht irgendeinen textlichen Hinweis im OPS. Das alles macht die Anforderungen teilweise unerfüllbar.

    Die nun veröffentlichte Klarstellung zur Behandlungsleitung sagt IMHO nur, dass keine weiteren Anforderungen zu stellen sind, es sei denn, die Vorgaben sind im OPS explizit benannt. Was das mit Abwertung zu tun hat, ist schleierhaft. Es bremst den MD nur bei der Verfassung neuer, eigener Regeln.


    Hinsichtlich des FA-Standards hat sich durch die umständliche Formulierung nichts geändert, man könnte höchstens hineindeuten, dass nach Kontakt mit den FA-Standard WB-Assistent*innen erneut eine 30 min. Frist läuft, ist aber sicher eine gewagte Interpretation.


    Und dass die Formulierung "die die Probleme der Patienten kennen" aus dem OPS wegfällt, macht die in vielen Häusern gegebene und qualitativ hochwertige Dienststruktur überhaupt erst möglich, da diese vom MD immer wieder angegriffen wurde. Ein Stück Realismus in eine ansonsten verkopft konstruierte unrealistische Anforderung.


    Gruß


    merguet

  • Der Abwertungswettlauf ist - zumindest im Bereich Schmerztherapie - schon seit Jahren im Gange (man betrachte nur mal die Entwicklung von U42B und C). Mir sind so einige Kliniken bekannt, bei denen irgendein Chefarzt die Qualifikation für die Behandlungsleitung erfüllt (Zusatzbezeichnung spezielle Schmerztherapie) und einmal wöchentlich zum Unterschreiben vorbeikommt. Das würde durch die aktuelle "Klarstellung" für die meisten Komplexziffern sanktioniert - wunderbar, dann geht's noch etwas billiger. Und da der Erlös in der Schmerztherapie von der Therapieintensität unabhängig ist (5 Therapieeinheiten wöchentlich ergeben den gleichen Erlös wie 25), sitzt so ziemlich jeder engagiert arbeitenden Abteilung die Geschäftsführung im Nacken.


    Klappt im Bereich Schmerztherapie allerdings nur mit viel Mauschelei, denn hier wurde die 50%ige Anwesenheit mitnichten vom MD erfunden (höchstens generalisiert), sondern vom BSG ( B 3 KR 7/12 R, Abs. 22), dessen sonstige Vorgaben für die Behandlungsleitung allerdings nur sehr schwer erfüllbar sind (Abs. 20, da müsste die Behandlungsleitung quasi alles machen). Der MD hat das dann vermutlich als Blaupause für andere Codes benutzt. Es verwundert eigentlich, dass Anwesenheitsregelungen noch nicht in die Codes Eingang gefunden haben - wenn die Leitung nur per Telefonleitung leitet, ist sie irgendwie fehlgeleitet...