Beeinflusst der Standort des MD das Prüfergebnis?

  • Foristen,


    die aktuell veröffentlichten Quoten haben mich bewogen, einmal nachzusehen, ob die Zuständigkeit des MDK etwas mit den Prüfergebnissen zu tun haben könnte.


    Folgende Grundannahmen:

    Gemeldet wurden 3319457 Schlussrechnungen.

    Zunächst musste die Quote auf Landesebene ermittelt werden.


    Dazu habe ich die gemeldeten Schlussrechnungen (Tabellenblatt: "Schlussrechnungen"; Spalte I"AUS_ASAN") mit der

    realisierten Prüfquote (in %) multipliziert (Tabellenblatt: "Prüfquoten"; Spalte G "AUS_RPQ")

    Sodann die verbliebene Anzahl je Haus mit dem dort festgeschrieben Anteil nicht geminderter Schlussrechnungen (in Prozent) (Spalte H "AUS_POM_Q") multipliziert.


    So ergibt sich dann eine Gesamtzahl der Rechnungen, eine Zahl geprüfter Rechnungen und eine Zahl nicht geminderter Rechnungen.


    Da bei den Quoten ("realisiert" und "nicht gemindert" ohne Kommastellen berichtet wurde, kommen nicht natürliche Zahlen dabei heraus, die hier wieder gerundet sind).


    Das Ergebnis habe ich auf Landesebene zusammengefasst (siehe Tabelle):


    Gruß


    merguet


      Fälle geprüft Unauffällig Quote
    Berlin-Brandenburg 22821 9046 39,6%
    Nordrhein 46127 19523 42,3%
    Mecklenburg-Vorpommern 7957 3382 42,5%
    Nord 20441 8707 42,6%
    Saarland 4969 2136 43,0%
    Thüringen8044355644,2%
    Sachsen 14365 6390 44,5%
    Niedersachsen 29161 13172 45,2%
    Westfalen-Lippe 39354 17974 45,7%
    Hessen 27767 12689 45,7%
    Bremen 3728 1784 47,8%
    Bayern 53523 25794 48,2%
    Sachsen-Anhalt 11016 5379 48,8%
    Baden-Wuerttemberg 39306 19500 49,6%
    Rheinland-Pfalz 15260 7912 51,9%
    Gesamtergebnis 343840 156944 45,6%
  • Moin

    und vielen Dank!

    in Bunt findet man das in ähnlicher Form dann auch hier: https://mediqon.de/medizinischer-dienst-public/

    Dass wir uns im Norden schon immer benachteiligt fühlten wird endlich öffentlich...

    Liegt ja aber bestimmt nicht an unserem MD, sondern an unserer schlechten Kodierung...


    Die Diskussion sei freigegeben, ich hole schon einmal das Popkorn...


    PS: Man lege Karten mit Prüfquoten und Karten mit der Auskömmlichkeit der Zuweisungen an die Kassen daneben und oh, welch Wunder...

  • Hallo zusammen,


    diese Diskussionen gibt es schon seit Jahren, selbst in einigen Bundesländern ist ein Nord/Süd oder Ost/West-Gefälle erkennbar.

    Das ist bestimmt zufällig und hängt nur mit der schlechten Kodierung und Fallsteuerung zusammen 8).

    MfG
    Ductus
    Die Welt ist global, das Denken lokal

  • Nun,

    danke für den Tipp, ich bin allerdings nicht sicher, ob bei den bunten Karten die Quoten zunächst mit der Fallzahl verrrechnet wurden, stattdessen sieht es so aus, als seien sie mathematisch gemittelt. Dann ist das Ergebnis weniger drastisch.

    Gleiche Systematik für die letzten 3 Quartale.

    Es scheint schon etwas mehr Spaß in BW gegenüber BB zu haben, das ist mindestens die Aussage.

    Gruß

    merguet


    Q3 2020 Q4 2020 Q1 2021 Durchschnitt
    unbeanstandet
    Berlin-Brandenburg 44,2% 41,1% 39,6% 41,6%
    Nord 45,9% 41,1% 42,6% 43,2%
    Mecklenburg-Vorpommern 45,0% 42,2% 42,5% 43,3%
    Sachsen 46,2% 45,1% 44,5% 45,3%
    Nordrhein 46,5% 48,6% 42,3% 45,8%
    Saarland 48,8% 45,7% 43,0% 45,8%
    Bremen 45,9% 44,4% 47,8% 46,1%
    Niedersachsen 48,1% 47,0% 45,2% 46,8%
    Hessen 48,0% 47,7% 45,7% 47,1%
    Thüringen49,8%49,7%44,2%47,9%
    Westfalen-Lippe 51,1% 49,0% 45,7% 48,6%
    Bayern 50,5% 48,6% 48,2% 49,1%
    Sachsen-Anhalt 50,8% 50,3% 48,8% 50,0%
    Baden-Württemberg 51,4% 49,7% 49,6% 50,2%
    Rheinland-Pfalz 50,6% 50,2% 51,9% 50,9%
  • Guten Tag,

    tendenziell fällt auf, dass die Intention des Gesetzgebers, durch ordnungsgemäße Kodierung und Abrechnung eine Verbesserung der KH-Abrechnung zu erreichen, wohl nicht eintritt. Dass der Abfall der Positiv-GA etwas mit der Fallauswahl oder einem geänderten Prüfregime zu tun haben könnte, ist nur ein sehr subjektiver Eindruck und nur ein lauer Entschuldigungsversuch für die fortgesetzte und zunehmend fehlerhafte Abrechnung durch die Krankenhäuser (es könnte sein, dass da Ironie und Sarkasmus mit drin war). Oder wir gehen alle nach Bremen und lernen dort .

    Herzliche Grüsse aus Mittelfranken
    E. Horndasch

  • Tag,

    vermutlich liegt es daran, dass eine Verbesserung der Abrechnung kaum möglich ist, da sie eben nicht falsch ist, sondern meist nur Fehlbelegungsfragen oder umstrittene Interpretationen streitgegenständlich bleiben.

    Was für eine Verschwendung von Ressourcen, all das diesem Aufwand zu unterziehen.

    Gruß

    merguet

  • Noch eine Anmerkung:

    Es ist leider nicht auflösbar, ob sich in den Ergebnissen das Begutachtungsverhalten des MD oder das Prüfgebaren der regionalen Kassen wiederspiegelt. Die Frage lässt sich aus diesen Daten auch nicht beantworten, da die VDEK-Kassen nicht regional differenzierbar sind.


    Die Top 20 (Q1 2021) sind allenfalls für die AOK Differenzierbar. Hier fällt auf, dass Länder mit mehr Versicherten wie BY und BW eben nicht Spitzenreiter bei den Fallverlusten sind.


    Gruß


    Merguet


    BARMER 432990
    Techniker Krankenkasse 352555
    DAK-Gesundheit 294057
    AOK Bayern - Die Gesundheitskasse 214152
    AOK Baden-Württemberg 181819
    AOK PLUS - Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen 160365
    AOK NordWest - Die Gesundheitskasse 159871
    AOK Rheinland/Hamburg - Die Gesundheitskasse 157407
    IKK classic 145271
    AOK - Die Gesundheitskasse für Niedersachsen 138259
    KNAPPSCHAFT 115410
    AOK Nordost - Die Gesundheitskasse 101972
    AOK - Die Gesundheitskasse in Hessen 88287
    Kaufmännische Krankenkasse - KKH 76496
    AOK Rheinland-Pfalz/Saarland-Die Gesundheitskasse 71853
    AOK Sachsen-Anhalt - Die Gesundheitskasse 47061
    Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) 42552
    VIACTIV Krankenkasse 36542
    Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) 35573
    pronova BKK 32000
  • Hallo zusammen,


    Angesichts der Tatsache, dass die Ergebnisse einzelner Krankenhäuser innerhalb desselben MDK zwischen 0 und 100 % beanstandete Rechnungen schwanken, finde ich diese Diskussion hier ehrlich gesagt absurd.

    Genauso absurd wäre die Frage, wieviel bezahlen diejenigen Krankenhäuser mit einer minimalen Beanstandungsquote dem jeweiligen MDK dafür?

    Mit freundlichen Grüßen

    Breitmeier

  • Hallo Herr Breitmeier,


    eine Verschwörungstheorie zu diesem Thema finde ich sehr amüsant, da gebe ich Ihnen recht.

    Was aber schon häufig vorkommt, sie bekommen innerhalb einem Bundesland von einem MDK (z.B. Nord) andere Sachverhalte von Gutachtern zugesprochen als bei einem MDK (z.B. SÜD) und umgekehrt... Ich denke das liegt im menschlichen Bereich, wie dies ein jeder Gutachter so sieht.

    Erstaunlich ist für mich allerdings, dass die betreuten Häuser von nicht wenigen DRG Gurus (Seminare, Vorträge, Inhouseschulungen, Gutachter etc.) deutlich unter 50 % liegen, das hätte ich so nicht erwartet. Insofern ist das transparente System hier auch sehr interessant 8), gar amüsant.

    MfG
    Ductus
    Die Welt ist global, das Denken lokal

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  • Guten Morgen


    Zitat

    Angesichts der Tatsache, dass die Ergebnisse einzelner Krankenhäuser innerhalb desselben MDK zwischen 0 und 100 % beanstandete Rechnungen schwanken, finde ich diese Diskussion hier ehrlich gesagt absurd.

    Ich kann Ihnen hier nicht folgen. Der obige Sachverhalt ist unbestritten. Innerhalb einzelner Häuser (isb. mit geringen Fallzahlen) mag so etwas immer vorkommen.

    Dennoch ist es nicht plausibel erklärbar, dass in BB 10% schlechtere Ergebnisse als in BW zu sehen sind, und das über 3 Quartale. Mehr als diesen Unterschied habe ich nicht behauptet.

    Das ist nicht absurd, sondern sichtbar und messbar. Datengrundlage sind je Quartal min. >20.000 Prüffälle, dürften zufällige Schwankungen weitgehend ausgeschlossen sein, das wäre eine Frage an Bio-Statistiker.

    Im übrigen habe ich eine Frage gestellt und außer der auch hier wiederholten Feststellung des Unterschiedes zw. BB und BW keinerlei konkrete Aussage getroffen. Dargestellt sind von den Kostenträgern erhobene und veröffentlichte Daten, die jeder im Netz findet. Also bitte: Was ist daran absurd?


    Gruß


    merguet

  • Guten Morgen,


    ich kann merguet nur zustimmen. Es geht hier sicher nicht um statistische Feinheiten, geschweige denn Berechnungen mit Signifikanz, Confidenzintervallen etc. ...

    Die "Trends" bei der hohen Grundgesamtheit sind deutlich ablesbar und auch zu verwenden. Und da frage ich mich im Bereich BB auch, was uns und unsere Kliniken und Abrechnungsgebahren von anderen Bundesländern <10% unterscheidet, oder ob es eben doch das Prüfgebahren des hiesigen MD ist ...


    Im übrigen möchte ich Hrn. Breitmeier daran erinnern, das die sog. "Gesundheitsreports" der Kostenträger und zum Teil daraus abgeleitete plakative Überschriften und Schlagzeilen-Meldungen dann auch "absurd" wären. Ebenso wie auch die gern verbreitete Schlagzeile "... mehr als die Hälfte der Krankenhausabrechnungen sind fehlerhaft ...", die ja als Schlagzeile auch erst mal jeden (korrekten) Bezug vermissen lässt!


    VG

    geoff