SIRS Kodierung 2020/2021

  • Hallo zusammen,


    gerne würde ich heute Ihre Hilfe bezüglich der Kodierung R65 in Anspruch nehmen. Der SIRS steht ja nicht mehr obligat mit der Sepsis in Verbindung.

    Im Buch Kodier-Manual steht folgende Aussage: Kodierung des SIRS R65.0 nur mit Blutkultur und je nach Befund 2 oder 4 Parameter (Kriterien wie früher bei Sepsis)

    2. Ich kodiere den SIRS folgendermaßen: Vorliegen einer Infektion und zwei auffällige Werte (AF ab 20, Leukos ab 12000 oder <4000, Puls ab 90, Temperatur ab 38 oder unter 36). Ich berufe mich auf Wikipedia: Mindestens zwei der folgenden Kriterien müssen erfolgt sein: s.o. Im Med-Controller Handbuch ist von der gleichen Regel die Rede. Man orientiert sich dort an den ursprünglichen Veröffentlichungen, da es ab 2020 keine Vorgaben mehr für die Kodierung des Syndroms gibt. Außerdem steht dort ausdrücklich , dass keine Blutkulturen mehr erforderlich sind.

    Genauso würde ich das auch sehen, d.h. Harnwegsinfekt mit Temperatur 38,5°C und HF über 90 löst bei mir den ICD R65.0 aus. Bei Organkomplikation R65.1.

    Ich habe schon verschiedene Vorgehensweisen bzgl. der Kodierung gehört. Wie sehen Sie das?

    Ich freue mich über Rückmeldung


    Viele Grüße

    Ich kodiere gerne :thumbup:

  • Ich hoffe, dass Sie auch weiterhin gerne kodieren!

    Ihre Auffassung ist korrekt, ich habe die Sepsis/SIRS-Kodierung in einem eigenen Artikel zusammengefasst: link

    Die Originalarbeit zum SIRS finden Sie in Chest 1992; 101:1644-1655

    Beste Grüße

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin

  • Hallo Herr Bartkowski,


    vielen Dank für Ihren Hinweis.


    Der Titel der Originalveröffentlich lautet übrigens "Definitions for Sepsis and Organ Failure and Guidelines for the Use of Innovative Therapies in Sepsis" und wurde herausgegeben vom ACCP/SCCM Consensus Conference Commitee, C. Bone et al., Chest 1992; 101:1644-1655.


    Interessant dabei ist, dass die FAQ des DIMDI zum Thema SIRS nur bis 2019 unter Bezug auf die Definition von DIVI und DSG nur bis 2019 gültig sind.


    Zusammenfassend reduziert sich die Kodierbarkeit des SIRS (auch infektiöser Genese) unter Bezug auf o.g. Originalarbeit auf den Nachweis von zwei "klassischen SIRS-Symptomen". Eine Blutkultur ist beim SIRS infektiöser Genese nicht gefordert. Gleichwohl bedarf es der Einordnung als infektiöses Geschehen.


    Um es präzise zu machen und weil es bisweilen relevant ist sei der Hinweis erlaubt, dass statt der von Ihnen angegebenen Grenzen mit ≤ und ≥ immer < und > zu verwenden ist, also z.B. statt Leukopenie (≤ 4.000 /µl) heißt es in der Originalveröffentlichung Leukopenie (< 4.000 /µl) usw.


    Viele Grüße


    M2

  • Hallo M2,

    die Originalveröffentlichung war aber in Deutschland niemals maßgeblich, sondern nur die von der DIVI veröffentlichten Definitionen, auf die sich das DIMDI in der FAQ 1007 bezogen hatte.
    Dort stand: Leukozytose (größer oder gleich 12.000/mm³) oder Leukopenie (kleiner oder gleich 4.000/mm³) oder 10% oder mehr unreife Neutrophile...

    Wenn es also mal darauf ankommen sollte, sind die von mir so geliebten Zeichen ≤ und ≥ doch zutreffend!


    Beste Grüße

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin

    Einmal editiert, zuletzt von Bartkowski ()

  • Hallo Herr Bartkowski,


    sorry, ich verstehe Ihre Argumentation nicht. Vielleicht übersehe ich etwas.


    Wenn Sie hinsichtlich der SIRS-Definition auf die Originalarbeit referenzieren, müssten auch die dort angegebenen Grenzwerte verwendet werden.


    Die DIMDI-FAQ 1007 ist nur bis 2019 gültig.


    Die Diskussion um ≤ und < bzw. ≥ und > mag akademisch erscheinen. Ich habe aber genau solche Fälle gehabt, nur eben andersherum. Unzutreffend wurde dann zumeist > statt ≥ aufgeührt.


    Viele Grüße


    M2

  • Was nun gelten soll, müssen dann wohl wieder die Gerichte entscheiden. Die SIRS-Kriterien der DIVI sind ja zumindest aktueller als das Paper von 1992.

    Dr. Rolf Bartkowski
    Arzt f. Chirurgie, Med. Informatik
    Berlin