• Hallo liebe Forum-Mitglieder!


    Leider fällt mir die Kodierung der HIV-Erkrankung doch noch etwas schwer, besonders, wenn aus der Dokumentation keine Angaben zu HIV-assoziierten Erkrankungen hervorgehen. Zudem schafft das HIV-Kodiermanual auch oft eher Verwirrung statt Klarheit. Aber dazu gleich mehr.


    Es folgt ein Fallbeispiel:


    Pat. kommt mit Durchfall und Erbrechen, es gelingt der Nachweis von Shigella flexneri im Stuhl. Es resultiert die HD A03.1.


    Bei dem Patienten ist allerdings auch ein HIV bekannt. Einzige Doku diesbezügl: HIV-Infektion CDC-Stadium C1 (aktuell: CD4 1515/µl, HI-VL < 20 cop/ml). Nimmt Biktavy


    Ohne die Angabe einer AIDS-definierenden Erkrankung.


    Mit dieser Info weiß ich lediglich, dass der U60.3! und der U61.1! an den jeweiligen Primärkode angehangen wird. Nur an welchen?


    Nach ICD-10 würde ich wie folgt kodieren:


    B24+U60.3!


    B24+U61.1!


    B24, weil die HIV-Erkrankung nicht näher bezeichnet ist.


    Käme eventuell gem. DKR 0101 auch die Z21 in Betracht?




    Zitat

    Ich würde behaupten, dass auch ein HIV-negativer an der o.g. HD erkranken könnte?


    Und wann ist ein HIV-Patient asymptomatisch?


    Aber kommen wir zum besagten HIV-Kodiermanual, welches nämlich besagt:


    Zitat


    Was mich also wieder zu einem Kode aus B20-B24 bringen würde. Verwirrung ist geschaffen.


    Aus diesem Kodiermanual geht außerdem noch die Vorgehensweise der Einteilung bezügl. der T-Helferzellen bei bekannten CDC-Stadium hervor (was meine Kodierung von oben hinfällig machen würde!):


    Zitat


    Demzufolge wäre die Bestimmung der CD4-Zahl bei einem bekannten CDC C-Stadium irrelevant, da man immer ein U61.3! kodieren müsste??? Demzufolge müsste meine Kodierung lauten: B24.+U60.3! und B24+U61.3!


    Der ICD-Katalog sagt etwas Anderes und verweist auch noch darauf, dass der niedrigste je gemessene Wert der T-Helferzellen herangezogen wird. Letzteres ist nachvollziehbar, nur gehen zuvor erhobene Werte nicht immer aus der Dokumentation hervor.



    Verstehen Sie meine Problematik? Wie gehe ich am besten vor? Was gilt, was ist bindend?


    Ich würde mich freuen, wenn ich eine Rückmeldung erhalten würde.


    LG

    BienBan

    Mit freundlichen Grüßen


    BieBan

  • Hallo BieBan


    nur vorab, damit nichts durcheinander gerät:

    das von Ihnen zitierte Kodiermanual "soll für die vertragsärztliche Praxis eine Hilfe beim Kodieren bestimmter Krankheitsbilder bzw. Versorgungsbereiche sein". Es ist also für Niedergelassene gedacht und nicht für die "DRG-Kodierung" stationärer Patienten im Krankenhaus. Dafür ist die Deutsche Kodierrichtlinie 0101f HIV/AIDS einschlägig, aber das schrieben Sie ja.


    Gruß B. Sommerhäuser

  • Hallo

    m.E. muss in Ihrem Falle Z21 als Nebendiagnose mit den U-Kodes kodiert werden.


    (DKR: "ist...zuzuweisen, wenn ein HIV-positiver Patient zwar keine Symptome der Infektion zeigt, die Infektion aber trotzdem den Behandlungsaufwand erhöht... Da sich Z21 auf Patienten bezieht, die asymptomatisch sind und zur Behandlung einer nicht in Beziehung zur HIV-Infektion stehenden Erkrankung aufgenommen wurden, wird der Kode Z21 nicht als Hauptdiagnose zugewiesen). B24 scheidet also aus.


    Gruß B. Sommerhäuser

  • Hallo Herr Sommerhäuser,


    nur noch mal zur Kontrolle, dass ich die Kodierung des HIV verstanden habe:


    Asymptomatisch bedeutet, dass ein Patient keine krankheitsspezifischen Beschwerden, also beispielsweise opportunistische Erkrankungen (z.B. Mundsoor) aufweist.


    Beispiel 1)


    Pat, pos. HIV (Stadium B, CD4-Zahl 492/µL, bekannte Manifestation ist die Candida-Stomatitis) kommt mit kompliziertem HWI, nimmt eigene HIV-Med., sonst asymptomatisch


    Kodierung:

    HD: N39.0

    ND: Z21 + U60.2!, Z21 + U61.2! und gem. der DKR 0101 auch die B37.0, da entgegen der D003 alle bestehenden Manifestationen des HIV zu kodieren sind.


    Richtig?


    Beispiel 2) (stark vereinfacht!)


    Pat, pos. HIV, kommt mit einem HWI. Im Verlauf treten Schluckbeschwerden auf. Es wird eine ÖGD gemacht, die das Bild einer Soorösophagitis aufzeigt. CD4-Zahl 406/µL.


    Kodierung:

    HD: N39.0

    ND: B37.88 für die Soorösophagitis

    ND B20 + U60.3! und B20 + U61.2!


    Richtig?


    Es wäre schön, wenn es in der Praxis aus der Dokumentation auch so ersichtlich wäre, aber wie das ist ein anderes Thema ;)

    Mit freundlichen Grüßen


    BieBan

  • Hallo,


    wenn die Candida-Stomatitis eine bekannte Manifestation der HIV-Krankheit ist, ist der Patient m.E. nicht asymptomatisch (asymptomatisch = es treten keine krankheitsspezifischen Beschwerden auf), daher


    zu Ihrem Bsp. 1:

    HD: N39.0

    ND: B20 + U60.2!, B20 + U61.2! und B37.0


    zu Ihrem Bsp. 2:

    HD: N39.0

    ND: B20 + U60.2!, B20 + U61.2! und B37.81


    Gruß B. Sommerhäuser