Hebephrene Schizophrenie

  • Hallo liebes Forum,


    vielleicht könnt ihr uns helfen?


    Wir stellen uns gerade die Frage ob bei einem 65ig jährigen Patienten die Hauptdiagnose F20.1 Hebephrene Schizophrenie kodiert werden kann.

    Laut ICD sollte eine Hebephrenie nur bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen diagnostiziert werden.

    Leider haben wir keine Vorbefunde und der Patient befindet sich erstmalig bei uns in Behandlung. Also können wir nicht sagen ob in seiner Jugend dies diagnostiziert wurde.


    Einer unserer Ideen war evtl. die F25 zu kodieren...?

    Von ärztlicher Seite können wir keine Hilfe erwarten... :/ =O


    Vielen Dank schon mal für eure Hilfe.


    LG aus dem schönen Ansbach in Bayern :)

    :)"Nichts trägt schönere Blüten als die Dankbarkeit.":)

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo,

    eine hebephrene Schizophrenie ist eine (veraltete) Unterform der Schizophrenie. Als Kodierfachkraft können Sie aber m.E. eine solche Diagnose nicht ohne ärztliche Diagnose einfach kodieren. Sie schrieben ja, dass Sie keine Arzt-Unterstützung erwarten können. Wie kommen Sie also auf genau diese Diagnose ohne Dokumentation oder ärztliche Unterstützung? Hebe ist die Göttin der Jugend. Insofern kann ich Ihre Frage nachvollziehen. Wenn also dokumentiert eine Schizophrenie vorliegt, würde ich "sonstige" mit F20 kodieren. Dass Ihre Ärzte Ihnen nicht helfen, macht mich aber bange. Sie dürfen m.E. gar nichts Entsprechendes kodieren, wenn die Diagnose nicht wenigstens Schizophrenie lautete. Selbst dürfen Sie das m.E. nicht festlegen und kodieren.


    Beste Grüße

    B. Sommerhäuser

  • Guten Morgen zusammen,

    meiner Ansicht nach bedeutet hebephrene Schizophrenie doch nicht nur den Beginn der Erkrankung im jugendlichen Alter, sondern auch der Verlauf und die Ausprägung der Symptome sind anders. Und ein Jugendlicher mit dieser Diagnose wird ja auch älter...

    Allerdings müssten dann für die Kodierung doch entsprechende Unterlagen oder Vordiagnosen vorliegen.

    Einen 66jährigen Patienten mit Alzheimer würde ich auch mit frühem Beginn kodieren, wenn entsprechende Belege für den Beginn vor dem 65 Lebensjahr vorhanden sind. Schließlich ist auch hier der Verlauf ein anderer.

    Viele Grüße

    Suse

    Einmal editiert, zuletzt von Suse ()

  • Ich kann Herrn Sommerhäuser nur beipflichten: die Erstellung einer Hauptdiagnose ist einzig und allein Aufgabe des Behandlers und kann auch nicht an eine Kodierfachkraft o.ä. delegiert werden.


    Zum Thema Hebephrenie: wir kodieren diese nicht häufig, aber regelmäßig auch bei älteren Patienten, denn man verliert die Diagnose ja nicht aufgrund des Alters...


    Schöne Grüße, Anyway

  • Die Diagnosestellung ist Aufgabe des Arztes, die Kodierung ist Aufgabe der Kodierfachkraft und hat diese Zweifel, dann besteht Diskussionsbedarf. Wir Medizincontroller werden oft von den ärztlichen Kollegen auf Station zu Rate gezogen mit "Hilfe, was sollen wir dem Patienten geben??". Also Realität und Praxis divergieren da schon oft deutlich... von dem her, kann ich die Frage von Lucifer1982 schon gut nachvollziehen. Entspricht auch unserem Alltag.

  • Zitat

    Einer unserer Ideen war evtl. die F25 zu kodieren...?

    Von ärztlicher Seite können wir keine Hilfe erwarten...

    Auf wenn es "off topic" ist: Ich denke mal, diese beiden Sätze irritieren am meisten.


    Selbstverständlich unterstützen wir bei der Frage nach der korrekten Entlassungsdiagnose unsere Ärzte, aber alleine dort liegt auch die letzte Entscheidung - ohne Wenn und Aber! Insofern sind wir nicht auf die Hilfe von ärztlicher Seite angewiesen.

    In der Handvoll Einzelfälle pro Jahr, bei denen wir die Hauptdiagnose anzweifeln, klären wir das mit Arzt/Oberarzt und wenn die bei ihrer Meinung bleiben, verschriftlichen wir unsere Bedenken, waschen damit unsere Hände in Unschuld und kodieren dann wie gewünscht. Unsere Oberarztriege weiß, dass bei der Ausbuchung aufgrund eines MD-Negativgutachtens stets eine Stellungnahme notwendig ist...

  • Hallo Anyway,

    Hallo Forum,

    das diese Sätze irritieren und sie ein anderes Vorgehen praktizieren ehrt Sie und Ihre Klinik. Aber dies ist nicht immer so und sind es auch noch so Komplexe Diagnosefindungen. Darin Unterscheiden wir uns schon einmal. Einen Tipp oder eine Idee an Lucifer hätte ich, vereinbaren Sie mit den zuständigen Protagonisten DRG Besprechungen um diese Inhalte besprechen zu können. Das Ergebnis kann man dann wie von Anyway beschrieben verschriftlichen. Im Medizincontrolling geht es auch um viel Kommunikation mit allen.

    8) Stefan Schulz, Med. Controlling