Hemiparese schlaff/spastisch/onA

  • Hallo,


    bei gewissen Konstellationen erhalte ich eine höhere Vergütung , wenn die z.B. bei einem Apoplex vorliegende Hemiparese mit G81.9 (onA)anstatt mit G81.0 oder G81.1 (schlaff bzw. spastisch) verschlüssele. Wie kann das sein? Allgemein wird doch geraten, so spezifisch wie möglich zu verschlüsseln. Wird man jetzt dafür belohnt, wenn man spastisch und schlaff nicht unterscheiden kann? X(


    MR

    M.Rost

  • Hallo,


    das liegt daran, daß von den 3 möglichen Kodierungsarten nur die G81.9 CC-relevant ist (das war, soweit ich weiß, im australischen Originalsystem auch schon so). Einer inneren oder gar medizinischen Logik gehorcht dieser Umstand nicht...


    Schaun mer mal, was G-DRG 2.0 bringt.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Markus Hollerbach
    Offenburg

  • Zitat


    Original von rostm:
    Wird man jetzt dafür belohnt, wenn man spastisch und schlaff nicht unterscheiden kann? X(


    Man wird auch nicht fürs richtige kodieren entlohnt, sondern es wird die Behandlung eines Patienten über DRGs finanziert. 8)
    Gruß
    S.Glocker

  • Hallo,


    soweit ich mich erinnere, wurde in Australien auch nur der .9-Kode genutzt. Dementsprechend ist auch klar, dass nur er den CCL-Wert hat.


    Ich bin mir sicher (allein, das Leben straft einen öfters Lügen...), dass in unserer Bewertung die spezifischen Kodes ebenfalls einen CCL>0 haben werden (sollten...).


    Gruß
    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • bei gewissen Konstellationen erhalte ich eine höhere Vergütung , wenn die z.B. bei einem Apoplex vorliegende Hemiparese mit G81.9 (onA)anstatt mit G81.0 oder G81.1 (schlaff bzw. spastisch) verschlüssele. Wie kann das sein? Allgemein wird doch geraten, so spezifisch wie möglich zu verschlüsseln. Wird man jetzt dafür belohnt, wenn man spastisch und schlaff nicht unterscheiden kann


    Da kann ich dir nur zustimmen!
    Anbei ein Zitat aus dem Kodierleitfaden Geriatrie Entwurf(6.Fassung)Seite 11:
    "In Einzelfällen ist eine exaktere Kodierung aber(noch) nicht möglich.
    So ist bei akutem Apoplex zunächst G81.9 Hemiplegie, nicht näher bezeichnet zu verschlüsseln, erst bei älterem Apoplex (nach abgeschlossener Behandlung)sollte nach schlaff/spastisch differenziert
    werden." Ob diese Sichtweise der Dinge auf Dauer Bestand haben wird
    bleibt abzuwarten. Derzeit ist man aber gut beraten sich dumm zu stellen und unspezifischer zu verschlüsseln auch wenn die Klinik eine genauere Differenzierung ermöglicht. Das relativiert auch die vielerorts geübte Praxis die Kodierqualität anhand von 9er ICD zu
    überprüfen, zumal es eine ganze Reihe unspezifischer Codes gibt die nicht auf 9 enden!
    Gruß Peter aus Saarbrücken ab Mittwoch in Urlaub!

  • Hallo und guten Abend!


    Diese widersinnige CCL-Bewertung hat uns in der Neurologie schon vor längerem mehr als nur Kopfschütteln verursacht. :no: ?(


    Dennoch: Mutwillig "Ohne nähere Angabe", also G81.9, zu verschlüsseln, kann nicht die Lösung sein. Für mich war dies immer der klassische Fall, dass wir nur eine Chance haben, das System unseren Verhältnissen anzupassen, wenn wir dokumentieren, dass wir anders kodieren als in Australien. :kangoo:


    Der kürzlich publizierte Kodierleitfaden Schlaganfall der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft lässt da auch wenig Spielräume und verweist auf die :kr: DKR 009a und 013a, die eine möglichst spezifische Kodierung einfordern.


    Bleibt die (vage?) Hoffnung auf Änderungen 2004...


    Wünsche ein schönes Wochenende allerseits - dienstfrei ist ja sooo schön....:dance1: :drink: :sleep:


    M. Hilgert

  • Zitat


    Original von styprek:
    Derzeit ist man aber gut beraten sich dumm zu stellen und unspezifischer zu verschlüsseln auch wenn die Klinik eine genauere Differenzierung ermöglicht.


    Hallo,


    ich persönlich sehe nicht, warum man damit gut beraten sein sollte. Wenn der neue Algorithmus und die neuen RG's kommen wird man möglicherweise schwer abschätzen können, in welchen DRG's man tatsächlich landet, wenn dann z.B. die spezifischen Kodes die DRG-Ermittlung massiver beeinflussen....


    mfG


    C. Hirschberg

  • Zitat Hirschberg:ich persönlich sehe nicht, warum man damit gut beraten sein sollte. Wenn der neue Algorithmus und die neuen RG's kommen wird man möglicherweise schwer abschätzen können, in welchen DRG's man tatsächlich landet, wenn dann z.B. die spezifischen Kodes die DRG-Ermittlung massiver beeinflussen....


    Hallo Hirschberg,
    meine Aussage gilt doch nur für die Gegenwart.
    Keiner von uns weiß genau, was die neuen Relativgewichte bringen
    also wird man wohl kaum vorausschauend kodieren können. Wir sind doch immer darauf angewiesen auf die neuesten Entwicklungen zu reagieren. Insofern beziehen sich unsere Aussagen doch immer auf den vorgegebenen Rahmen im dem wir uns zur Zeit bewegen.
    Insofern sind wir Kodierer wahrscheinlich die flexibelsten Menschen in Deutschland!?
    Ich geh jetzt schlafen.

  • Zitat


    Original von S_Glocker:


    Man wird auch nicht fürs richtige kodieren entlohnt, sondern es wird die Behandlung eines Patienten über DRGs finanziert. 8)
    Gruß
    S.Glocker



    Genau´, es sollen irgendwie Kostenstrukturen abgebildet werden. Nur sehe ich dann weiterhin nicht ein, warum eine onA Hemiparese Kosten erhöhend wirkt, eine spastische HP aber nicht.


    MR

    M.Rost

  • Zitat

    Original von rostm:Nur sehe ich dann weiterhin nicht ein, warum eine onA Hemiparese Kosten erhöhend wirkt, eine spastische HP aber nicht.


    Hallo Herr Rost,


    das muss man auch medizinisch nicht einsehen.
    Wenn aber in Australien nie die spezifische Kodierung durchgeführt, sondern immer .9 kodiert wurde, können diese Kodes nicht in die Kalkulation eingegangen sein, ergo keinen CCL > 0 erhalten haben.
    Da wir nun aber in diesem Bereich noch keine eigene Bewertung haben, "spielen" wir weiter australisch.
    Ich denke, dass unsere CCL-Bewertung dies berücksichtigen wird und muß (bei uns werden diese Kodes ja auftauchen). Siehe auch hier.


    Gruß



    --
    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Rost, Hallo Herr Selter,


    bei der jetzt stattfindenden Kalkulation der Relativgewichte nach den Ist-Kosten in Deutschland ist der "Mehraufwand" für irgendetwas enthalten; denn ich gehe davon aus, dass in Deutschland die unspezifischen Kodes deutlich geringer in der Anzahl ausfallen, als in Australien. Damit bekommen Sie schon ein Irgendwie-Äquivalent für die durchgeführte Behandlung.
    Die merkwürdige Konstellation, dass die Fälle innerhalb der Fallpauschale nach australischen Regeln "hochgepeppt" oder "niedriggehalten" werden, müssen wir noch eine Weile aushalten.
    Die CCL-Werte könnten sich als ein wesentlicher Grund für Kompressionseffekte in Deutschland herausstellen.
    Ich glaube, dass wir nach einer deutschen Neubewertung der CCL-Werte in einigen Fällen einen unvermeidbaren Upcoding-Effekt erleben werden, wie z.B. in Ihrem Fall, Herr Rost. Es ist durchaus eine Überlegung für später wert, wie man damit umgehen wird. Die Upcoding-Rückzahlung steht erst einmal im Gesetz.


    Gruß


    B. Domurath
    Bad Wildungen

  • Hallo Forum,


    stimmt es wirklich, dass die G81.9 mit einem höheren Erlös hinterlegt ist, als die G81.0 bzw. G81.1 ? Steuern nicht alle drei Varianten den gleichen DRG-Kode (B67B) an, der mit einem Relativgewicht von 1,13 festgeschrieben wurde ?


    Danke für hilfreiche Überprüfungen.


    Gruß
    Elrip