Endoleak nach Endovaskulärer Aortenreparatur (EVAR)

  • Liebe Kollegen,

    ich habe eine Frage bzgl. ICD-Kodierung vom Endoleaks nach EVAR.

    Grundsätzlich würde ich für ein Endoleak den T82.5 Kode nehmen, obwohl der T82.8 ( z.B bei Typ 2 Endoleak) auch passen würde.

    Den I71.4 kodiere ich als ND.

    Wie kodiert ihr die Endoleaks?


    Ich freue mich auf eure Rückmeldung.

    LG

  • Admin 27. Januar 2026 um 21:47

    Hat den Titel des Themas von „Endoleak nach EVAR“ zu „Endoleak nach Endovaskulärer Aortenreparatur (EVAR)“ geändert.
  • Hallo valle,

    ich bin natürlich kein Gefäßchirurg, daher kann ich nur aus meiner Laien-Sicht antworten:

    Wenn ich es recht verstehe, haben Sie ein infrarenales BAA durch endovaskuläre Einbringung einer Stent-Prothese ausschalten wollen und dabei ist eine Leckage verblieben, so dass weiterhin Blut in das Aneurysma gelangt und nicht vollständig durch die eingebrachte Prothese fließt, ergo ein Leck (englisch leak oder hier Endoleak). Unter T82.0 wird dieses explizit benannt, dort jedoch an eingebrachten Herzklappenprothesen. Indes wird bei der T82.3 Bezug auf die T82.0 genommen (= jeder Zustand unter T82.0) . Will sagen, dass die Leckage auch bei : "Aorten- (Bifurkations-) Transplantat (Austausch)" darunter zu fassen ist. Aus diesem Grund würde ich die T82.3 kodieren, und weder die T82.5, noch die T82.8

    Ich hoffe, ich konnte das hinreichend begründen, bin aber natürlich anderen Argumentationen aufgeschlossen.

    Beste Grüße
    sendet

    B. Sommerhäuser

  • Sehr geehrter Herr Sommerhäuser,

    vielen Dank für Ihre Antwort und ausführliche Argumentation.



    Obwohl in DIACOS das Endoleak auch als T82.3 häufig durch Kollegen kodiert wird und sogar in der amerikanischen DRG dieses auch als T82.30 aufgelistet ist, habe ich ein Problem mit dem Kode.

    Da der T82.3 als mechanische Komplikation durch sonstige Gefäßtransplantate aufgelistet ist, passt es zu der Aortenprothese nicht, da es hier um ein Implantat/Prothese sich handelt.

    Ein gutes Beispiel für T82.3 - ist eine Komplikation nach infrarenalen Aortenersatz bei Protheseninfekt/ aorto-duodensler Fistel durch tiefen Venen.

    Der T82.5 passt von der Beschrebung besser - Mechanische Komplikation durch sonstige Geräte und Implantate im Herzen und in den Gefäßen. Tatsächlich bei Typ 1 und 3 Endoleaks entweder liegt die Prothese nicht dicht an der Aortenwand aus verschiedenen Gründen oder es kommt zu Trennung/Risse/Defekte der Prothesenstücken.

    Der T82.8 - „Sonstige näher bezeichnete Komplikationen durch Prothesen, Implantate oder Transplantate im Herzen und in den Gefäßen“ würde am besten zum Typ 2 Endoleak passen, da es hier kein mechanisches Problem liegt, sondern eine verbleibender Blutfluss im Aneurysmasack durch retrograder Fluss über Limbalarterien/ mesenterica inferior.

    Infolgedessen haben ich gedacht, dass entweder T82.5 oder T82.8 hier am besten passen würden.

    In einer Broschüre zu Kodierhilfe von einer Prothesenfirma wurde das Endoleak als T 82.9 - „Nicht näher bezeichnete Komplikation durch Prothese, Implantat oder Transplantat im Herzen und in den Gefäßen“ kodiert, aber diesen Kode würde ich gar nicht nehmen.

    Ich tendiere den T82.5 zu nehmen.

    Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung ob es einen Sinn ergibt.

    LG

  • Hallo valle,

    ich glaube, da haben Sie recht, und ich habe nicht aufgepasst. T82.5 passt besser für Typ 1 und 2 Endoleaks.

    Allerdings haben Sie mich neugierig gemacht, und ich rätsele jetzt, was denn dann Transplantate der Aortenbifurkation (T82.3) sind?

    Ich kann mir ehrlicherweise keine autologen Aortentransplantate vorstellen, also blieben ja nur allogene Aortentransplantate übrig und die können eigentlich nur von Leichen stammen, weil eine Aorten-Lebendspende geht ja schlecht?

    Andersherum gefragt: Was wird denn nach der von Ihnen genannten Prothesenimplantat-Infektion (s.o.) als Transplantat genutzt? Und wenn ein solches Transplantat dann eine Leckage zeigt, wäre T82.3 einschlägig? Habe ich Sie so richtig verstanden?

    Vielen Dank für Ihre Mühe und

    Beste Grüße
    B. Sommerhäuser

  • Sehr geehrter Herr Sommerhäuser,


    vielen Dank für Ihre Nachricht und ihr Interesse zu diesem Thema.


    Was Sie geschrieben haben - ist alles richtig.


    Als Beispiel nehmen wir die Situation, die leider ab und zu bei uns vorkommt.

    Ein Patient mit Leriche-Syndrom, Z.n Anlage eines aorto-bifemoralen Bypasses vor einiger Zeit. Nun stellt sich der Patient mit Fieber, Schmerzen/Rötung in der Leiste, eitriger Austritt aus einer Leiste, im US/CT sieht man eine Flüssigkeit neben der Prothese, die Prothese leuchtet im PET-CT und da stehen wir mit der Frage: „Was sollen wir jetzt tun?“


    Wie Sie schon richtig erwähnt haben, stehen uns mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:

    • Alloplastischer Ersatz : entweder in-situ Rekonstruktion mit Rifampicin-getränkter Dacron-Prothese oder extra-anatomischer Bypass mit ringverstärktem PTFE ( haüfig das Spendergefäß ist die A. axillaris) und Verschluss des Aortenstumpfes
    • Allogener Ersatz ( auch Allograft gennant) : z.B Leichenaorta aus dem Gewebebank ( die Aorten-Lebendspende wäre mir auch neu :)))) oder in der USA ist eine kryonkonservierte Femoralis/Saphena-Vene (CryoVein) oder Arterie (CryoArtery) auf dem Markt erhältlich. Beide als In-Situ Rekonstruktion
    • Xenogener Ersatz: tierisches Gewebe - in der letzten Zeit, vor allem an der Unis sehr populär, z.B es wird ein grosses rechteckiges Stück bovinen Perikard genommen und daraus wird ein Rohr gemacht und implantiert. Mit dem zweiten Rohr kann mann eine Y-/Bifurkationskonfiguration machen. Man kann auch die kommerzielle Produkte wie OmniFlow-Prothese (Polyester-Netz im Schafskollagen) oder Artegraft-Prothese ( Karotisarterie des Rindes) nehmen und die gleiche Rekonstruktion machen
    • Autologer Ersatz: ich kenne nur zwei Verfahren: 1) man nimmt die Saphena Magna, schneidet sie längs, wickelt Sie um eine 20 ml Spritze herum und näht zirkulär, sodass ein Röhrchen entsteht und man kann dieses ebenfalls implantieren; 2) NAIS ( neo-aortoiliac-system): man nimmt von dem Patienten beidseitig die V.femoralis superficialis und macht daraus ein Y-Stück und implantiert dementsprechend.

    Grundsätzlich sind hier die Transplantate nur die Leichenaorta, die autologen Venen sowie die nicht auf dem deutschen Markt erhältlichen kryokonservierten Gefäße, andere sind Implantate.

    Theoretisch, soll bei o.g. Transplantate irgendeine mechanische Komplikation auftreten (z.B Anastomosenaneurysma oder Wanddegeneration mit Bildung eines Transplantataneurysmas) kann man hier den T82.3 verwenden, meiner Meinung nach.

    Im Prinzip, man kann auch das gleiche mit dem T82.8 kodieren.


    Ich hoffe, man kann meine Argumentation folgen :)))


    LG