Katarakt-OP und Anästhesie

  • Das Thema Anästhesie ist wohl unerschöpflich.. bei uns werden z.B. (belegärztliche) Katarakt-OPs in den allermeisten Fällen in Vollnarkose durchgeführt, was wohl lt. unseren Anästhesisten nicht dem (bundesweiten) Standard entspricht. Grund ist, dass der Augenarzt gerne ruhige Patienten hat, die nicht ständig umherschauen.


    Eigentlich ist der Fall nach P001 klar: Anästhesie wird nicht kodiert. Wie aber ist das Wort "normalerweise" in P009 zu verstehen ?


    Zitat


    P009a Allgemeinanästhesie:
    Die Kodierung der Allgemeinanästhesie mit einem Kode aus 8-90 sollte sich auf Ausnahmesituationen beschränken. Dies gilt beispielsweise dann, wenn Schockpatienten, Kleinkinder oder nicht kooperative Patienten eine Allgemeinanästhesie erhalten, damit eine diagnostische oder therapeutische Prozedur durchgeführt werden kann, die normalerweise ohne Allgemeinanästhesie erbracht wird.


    Falls mit "normalerweise" das Vorgehen bundesweit gemeint ist, könnten wir hier 8-90. verschlüsseln. Oder gibt es einen stillschweigenden Unterschied zwischen "Prozeduren" und "Operationen" ?


    Vielen Dank für Ihre Hilfe, P. Leonhardt

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



    I'd rather have a full bottle in front of me than a full frontal lobotomy

  • Hallo Herr Leonhardt,


    das Wort "normalerweise" würde ich in diesem Zusammenhang auf die Klinik, das Krankenhaus oder den durchführenden Arzt beziehen. Man könnte es auch so verstehen, daß es "state of the art" meint. Operationen sind im OPS die aus Kapitel 5 (5-01 bis 5-99), Prozeduren sind alle.
    --
    Einen freundlichen Gruß vom MDA aus Schorndorf

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • Hallo Herr Leonhardt,


    späte Meldung vom (Immer-noch-)Anästhesisten:


    Ich kenne zwar keine zitable Passage aus den DKR oder sonstwoher, bin aber der Überzeugung, daß der Sinn der P009a darin besteht, solche Sachverhalte zu beschreiben, bei denen die Allgemeinanästhesie die wirklich rare Ausnahme darstellt. Der Fall in der Augenklinik ist auch bei uns beleuchtet worden. Ich glaube, man kann nicht sagen, daß die Allgemeinanästhesie für die Katarakt-Chirurgie in der gesamten Republik die rare Ausnahme darstellen würde. Daneben gibt es noch den Aspekt des lernenden Systems, bei dem via § 21 und in InEK solche Fälle als Ausnahmetatbestand beschrieben werden sollen, bei denen der Vorgang der Allgemeinanästhesie auch unter Kalkulationsaspekten als Sonderfall herausragt. Soweit zu meiner Theorie.
    Daneben sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie bei hoher Schlagzahl in der Augenklinik wirklich für jeden Patienten die Verschlüsselung der 8-90... einstellen wollen und welchen Nutzen Sie sich davon erhoffen.


    Greetings,
    --
    Dr. med. Andreas Sander
    Stabsstelle MedCo/QM
    Evangelisches und Johanniter Klinikum DU/DIN/OB gGmbH

    Gruß aus DU
    Dr. med. Andreas Sander
    Evangelisches und Johanniter
    Klinikum Niederrhein
  • Ich persönlich würde das "normaler Weise" schon auf das bundesdeutsche Vorgehen beziehen (denn so wird kalkuliert bei der InEK). Und da hilft nur das InEK weiter, denn die meisten Kataraktoperationen laufen ja meines Wissens nach ambulant, da kann es schon sein, dass im vollstationären Bereich vielleicht tatsächlich die meisten mit Narkose laufen.
    Eigentlich könnte man auch mal im Forum eine Kurzumfrage schalten: "Wie viele Kataraktoperationen machen Sie in Ihrer Klinik? Wie viele davon in Vollnarkose (Standby zählt natürlich nicht).
    Patricia
    --
    Patricia Klein

    Patricia Klein