Hämatom unter Falithrom

  • Hallo Forum,


    ich habe hier einen Fall bei dem wir mit der Kodierung nicht recht weiterkommen. Folgender Fall . . .


    Die stationäre Aufnahme der Pat. erfolgte unter der Diagnose eines spontanen Hämatoms bei Falithromtherapie des rechten Fußes plantar mit Phlegmone. Stat. wurde eine Wundrevision und Wundtoilette in Allgemeinnarkose durchgeführt.


    Wie wird kodiert ?( ?( ?(


    Ich möchte mit Absicht meine Kodiervariante hier (erstmal) nicht nennen, um niemanden zu beeinflussen. Bin auf Vorschläge gespannt!


    Danke
    Michael Graf

    Viele Grüße
    M. Graf

  • Zitat

    Original von Graf:
    Ich möchte mit Absicht meine Kodiervariante hier (erstmal) nicht nennen, um niemanden zu beeinflussen. Bin auf Vorschläge gespannt!


    Hallo Herr Graf,


    nett gesagt, klingt wie: Meine Hausaufgaben hat der Hund gefressen! ;)


    Ich fasse mal kurz zusammen:
    Patient entwickelt unter der Falithromtherapie ein Hämatom und weiter eine Phlegmone.


    Da können wir doch gleich 2 Regeln in den Kodierring werfen:


    1917a Unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimitteln
    (bei Einnahme gemäß Verordnung)
    Unerwünschte Nebenwirkungen indikationsgerechter Arzneimittel bei Einnahme gemäß Verordnung werden wie folgt kodiert:
    ein oder mehrere Kodes für den krankhaften Zustand, in dem sich die Nebenwirkungen manifestieren, optional ergänzt durch Y57.9! Komplikationen durch Arzneimittel oder Drogen.


    1201a Phlegmone
    Wenn eine Phlegmone zusammen mit einer offenen Wunde oder einem Hautgeschwür auftritt, ist die komplikationsauslösende Wunde bzw. das Hautgeschwür (Ulkus) vor Phlegmone zu kodieren, wenn die Wunde oder das Ulkus behandelt wird.
    Wird aktuell die Phlegmone behandelt, ist Phlegmone vor der komplikationsauslösenden Wunde zu kodieren.


    Will heißen:


    HD: Phlegmone
    (Ich störe mich nicht daran, dass ein Hämatom weder ein Hautgeschwür noch eine offene Wunde darstellt. Es geht um das Prinzip der 1201a.)
    ND: Hämatom
    ND (optional): Y57.9!


    Na dann mal her mit Ihrer Variante!

    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Selter,


    . . . also hier ist meine Variante . . .


    HD: L03.11 Phlegmone untere Extremität
    ND: D68.3 hämorrhagische Diathese durch zirkulierende Antikoagulantien


    Proz.: 5-894.0g


    Der Knackpunkt ist - kann man hier D68.3 kodieren oder nicht?!? In der Doku ist von einem spontanem Hämatom bei Falithromtherapie (Macumar) die Rede. Also kein Trauma, Prellung etc.!


    Und mit welchem Schlüssel wollen Sie denn das Hämatom kodieren - ich kann keinen finden.


    MfG
    Michael Graf


    PS:

    Zitat


    klingt wie: Meine Hausaufgaben hat der Hund gefressen!


    Schön wär's - dann hätte ich die Sache nicht mehr auf meinem Tisch liegen ;)

    Viele Grüße
    M. Graf

  • Zitat

    Original von Graf:Der Knackpunkt ist - kann man hier D68.3 kodieren oder nicht?!? In der Doku ist von einem spontanem Hämatom bei Falithromtherapie (Macumar) die Rede. Also kein Trauma, Prellung etc.!
    Und mit welchem Schlüssel wollen Sie denn das Hämatom kodieren - ich kann keinen finden.


    Hallo Herr Graf,


    © 1998 Walter de Gruyter GmbH Pschyrembel 258. Auflage


    "Diathese, hämorrhagische (; gr. aµorrayç Blutsturz, Bluterguß erleidend) f: (engl.) haemorrhagic diathesis; Neigung zu Blutungen; Sammelbez. für Krankheitszustände, die durch eine Blutungsneigung bzw. das Auftreten spontaner, schwer stillbarer Blutungen gekennzeichnet sind; man unterscheidet neben einer angeb. (primären) u. erworbenen (sekundären) h.D. in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Störung der Blutgerinnung* folgende Formen: 1. plasmatisch bedingte h.D. bei Koagulopathien* sowie therap. Anw. von Antikoagulanzien* u. Fibrinolytika*; 2. thrombozytär bedingte h.D. bei Thrombopenie* u. Thrombopathie*; 3. vaskulär bedingte h.D. bei Vasopathie*."


    Also D68.3 kodieren.


    Mit dem Hämatom (ohne Prellung) ist man ICD-halber im Stich gelassen, da hier über den Thesaurus die Zuordnung zu "Prellung" vollzogen wird.
    Da es aber keine Konsquenz für die DRG-Zuordnung bedeutet, würde ich auf das Hämatom in der Kodierung verzichten können (es sei denn, es kann jemand einen sinnvollen Kode vorschlagen).
    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Abend,

    Zitat


    Original von Graf:
    Ich möchte mit Absicht meine Kodiervariante hier (erstmal) nicht nennen, um niemanden zu beeinflussen. Bin auf Vorschläge gespannt!


    möchte anmerken, dass ich die Frage eingeloggt habe und somit der "Publikumsjoker" als genommen zu betrachten ist.
    Grüße ans Forum auch von mir
    Günther

  • Guten Morgen Herr Selter,


    Zitat

    Also D68.3 kodieren.


    Danke - da fällt mir ein Stein vom Herzen.
    Eben mit dieser Definition aus dem Pschyrembel habe ich auch versucht gegenüber dem kodierenden Arzt zu argumentieren. Dieser wollte aber immer noch nichts von der "hämorrhagischen Diathese" wissen, da er diese mit einem systemischen Ereignis mit diffusen Blutungen bsw. i.R. vom Petechien in Verbindung bringt, was die Pat. aber nicht hatte!


    So weit so gut - schön das sich unsere Meinung deckt :look:
    Ich werde also noch einen Versuch unternehmen um die Sache noch einmal zu erörtern.


    Wenn's nicht klappt habe ich ja folgende Möglichkeiten . . .
    a) ich geb's dem Hund
    b) Telefonjoker
    c) 50 / 50 Joker


    MfG
    Michael Graf

    Viele Grüße
    M. Graf

  • Sehr geehrte Herren
    mit diesem thread haben Sie mir gerade den Tag gerettet !!!


    I) :dance1:


    W. Nikolai
    --
    W. Nikolai
    FA für Chirurgie,
    FA für Kinderchirurgie,
    Leiter Medizincontrolling
    Mutterhaus der Borromäerinnen Trier

    W. Nikolai
    FA für Chirurgie,
    FA für Kinderchirurgie,
    Leiter Medizincontrolling
    Mutterhaus der Borromäerinnen Trier

  • Hallo Herr Graf et al,


    vielleicht kann ich beide Meinungen zusammenbringen. Die D68.3 würde ich auch nehmen. Die Y57.9! ist sicherlich auch nicht falsch. Ich würde aber auch die Z92.1 nicht vergessen und das Hämatom mit der T88.8 codieren. Die T88.7 klingt zwar besser, aber die Komplikation ist näher beschrieben.


    Fragen würde ich mich aber, ob es für die Phlegmone (L03.11) nicht eine Ursache gibt, z.B. vorangegangene Punktionen des Hämatoms, was dann in eine völlig andere Schiene führen würde (Richtung T81.4 + L03.11) usw. Für die Therapie stehen jede Menge Codes zur Verfügung, je nach OP-Bericht.


    Soweit meine Meinung


    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Winter
    Berlin

  • Hallo Herr Winter,


    danke für Ihre Antwort. Habe Ihren Beitrag leider erst jetzt gelesen, darum auch die verspätete Antwort.


    Zitat


    Ich würde aber auch die Z92.1 nicht vergessen . . .


    Würde ich aufgrund der Exklusiva unter entsprechenden Schlüsseln nicht - eine ausführliche Begründung von mir finden Sie in diesem Beitrag
    http://dedi694.your-server.de/…ead.php?id=1765&start=1#3


    Zitat


    und das Hämatom mit der T88.8 codieren. Die T88.7 klingt zwar besser, aber die Komplikation ist näher beschrieben.


    T88.8 für das Hämatom wäre sicherlich möglich, wobei der Schlüssel aber recht unspezifisch ist und ein "Außenstehender" nur beschwerlich damit ein Hämatom assoziiren wird.


    Zitat


    Fragen würde ich mich aber, ob es für die Phlegmone (L03.11) nicht eine Ursache gibt, z.B. vorangegangene Punktionen des Hämatoms


    Nein, leider nicht - Ursache quasi unbekannt :(


    MfG
    Michael Graf

    Viele Grüße
    M. Graf

  • Hallo Herr Graf,


    mit der Z92.1 haben Sie mich überzeugt. Auch ich habe mal ein Exclusivum überlesen. Nobody is perfect. Mea culpa.


    Bezüglich der T88.8 ist zu sagen, daß korekt codierte Komplikationen oft in der Rückübersetzung nicht mehr im Detail erkennbar sind.


    Dies ist ein Musterbeispiel dafür, daß das ganze Gerede vom transparenten Patienten auch mit der ICD-10 oft nur Gerede von denen ist, die die ICD nie vollständig gelesen haben.


    Mit freundlichen Grüßen


    Thomas Winter
    Berlin