Neue Kataloge Schulungen - Wie macht Ihr das ?

  • Hallo Forum


    Ich bin gerade dabei fachabteilungsweise Schulungen für unsere Ärzte vorzubereiten.


    Dabei Frage ich mich, und jetzt Euch / Sie wie man eine solche Veranstaltung denn pädagogisch sinnvoll gestaltet.


    Ich habe keine Lust 70 Folien frontal "gegen die Kodierenden" zu werfen.


    Macht es also aus Eurer Sicht Sinn Traumatologen den Unterschied zwischen einer 1-Gefäß-Krankheit am Herzen und einer 3-Gefäß-Krankheit am Herzen zu erklären ? Und woher sollen, die dass im Alltag wissen, wenn der Patient zur Metall-Entfernung kommt?


    Muss im Gegenzug jeder Internist wissen, wie eine Fraktur der Lendenwirbelsäule nun verschlüsselt wird ?


    Habt Ihr Warnungen/Anregungen für einen Anfänger ?


    Noch eine ganz triviale Frage : Wann verschlüsselt man denn wohl die "Sonstige Physiotherapie" und wo sind "Spezielle Verfahren zur Untersuchung von XY" Definiert ?


    Vielen Dank im Voraus



    Jan Helfrich
    Marienkrankenhaus Hamburg

  • Guten Morgen,


    Sie müssen Ihre Fragen zur Schulungsstrategie von Ihren Strukturen (wer kodiert was? ) abhängig machen. Bei der Demonstration der DKR/ICD/OPS bleiben Ihnen ehrlich gesagt keine großen kreativen Freiheiten. Es sind Fakten, die zu übermitteln sind. Hilfreich sind jedoch Beispiele aus Ihrem alltäglichen Schaffen, das macht es dann anschaulicher. Die Schulungen sind dann möglichst fachspezifisch durchzuführen, wobei einige logischerweise auch zusammen gelegt werden können. Die Allgemeinen sind für alle, die Speziellen jedoch nicht für alle interessant.


    Es sollte Ihnen jedoch klar sein, dass eine abgehaltene Schulung nicht bedeutet: Jetzt wissen sie es! Da muss eher im Sinne der klassischen Konditionierung gehandelt werden.


    Da Sie nach Warnungen fragen:
    Warnen Sie die Ärzteschaft davor, den Kodierrichtlinien mit medizinischem Verständnis begegnen zu wollen (da tut man sich nur weh). Stellen Sie klar, dass diese nur der Abrechnung Untertan sind und nicht als Hilfe zur medizinisch sinnvollen Falldokumentation mit den Schlüsselkatalogen formuliert wurden.
    Zu den Definitionen der Kodes müssen Sie im OPS-Katalog nachschauen. Hier müssen u.U. gewisse Mindestmerkmale erfüllt sein, um spezielle Kodes kodieren zu dürfen (siehe z.B. Reha, Geri, Pädiatrie). Das betrifft den ICD und den OPS.


    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo!


    Zitat


    Original von Selter:
    Warnen Sie die Ärzteschaft davor, den Kodierrichtlinien mit medizinischem Verständnis begegnen zu wollen (da tut man sich nur weh). Stellen Sie klar, dass diese nur der Abrechnung Untertan sind und nicht als Hilfe zur medizinisch sinnvollen Falldokumentation mit den Schlüsselkatalogen formuliert wurden.


    Das sehe ich etwas anders. Wenn die Ärzte von vornherein gesagt bekommen, dass sie durch Einhaltung der Kodierrichtlinien lediglich der Abrechnung zuarbeiten - losgelöst von medizinischem Sachverstand - werden Sie kaum die erforderliche Motivation erreichen können. Vielmehr habe ich die Erfahrung gemacht, dass den Ärzten durchaus eine - auch aus medizinischer Sicht nachvollziehbare - Logik in den DKR vermittelt werden kann. Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Grundideen: wiederholen Sie litaneiartig die Definition der Haupt- und Nebendiagnosen und bringen Sie Ausnahmen nur dann, wenn sie in Ihrem Haus tatsächlich in größerer Zahl relevant sind.
    Da Sie auch zum Vortragsstil fragen: ich finde es grundsätzlich nicht verwerflich, 70 Folien zu präsentieren. Es kommt drauf an, wie die Folien gestaltet sind. Zwar hat jeder seinen eigenen Stil (oder wie man hier sagt: "Jeder Jeck ist anders"), trotzdem möchte ich Ihnen aus meiner eigenen Erfahrung zwei Tips geben:
    Bauen Sie regelmäßig Quizfragen ein (die sind leicht zu erstellen, Sie können die Beispiele aus den DKR nehmen, da Ihre Ärzte die sowieso noch nicht gelesen haben).
    Und haben Sie keine Scheu vor Albernheiten (z.B. Einbindung von Cartoons aus http://www.rippenspreizer.com , Verteilung von kleinen Preisen für o.g. Quizfragen etc..
    Ich behaupte nicht,dass unsere Ärzte besser kodieren als andere, aber wenigstens ist (fast) noch keiner eingeschlafen.
    Viele Grüße, P. Leonhardt

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



    I'd rather have a full bottle in front of me than a full frontal lobotomy