Ösophagusvarizenblutung bei Leberzirrhose

  • Wie verschlüssel ich eine akute Ösophagusvarizenblutung bei bekannter LEberzirrhose - die Prüfsoftware wirft immer Fehlerangaben aus.
    Kenne mich allerdings auch noch nicht so gut mit ihr aus.
    Um stürmische Antworten dankbar
    Susanne:roll:

    Susanne in München :i_drink:

  • Haben Sie es nach +/*-Systematik kodiert?
    Z.B. K70.3+ mit I98.21*.
    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Zusatzfrage: Was ist mit Fundusvarizen, wenn sie bluten (und wer mal dabei war, weiß wie sehr sie bluten!)? Es gibt zwar Magenvarizen im ICD, aber keine blutenden Magenvarizen, im Gegensatz zu Ösophagusvarizen, die in beiden Zuständen - blutend und nicht blutend - zu finden sind.


    Danke für kompetente Antwort


    M.Rost

    M.Rost

  • 2Herr Rost:
    Die Magenvarizen würde ich kodieren (I86.4), zusammen mit K92.2 (GI-Blutung, nnbez) {Blutung Magen o.n.A.)
    --
    Andreas Raether
    Winnenden

    Andreas Raether
    Winnenden

  • Zitat


    Original von rostm:
    Es gibt zwar Magenvarizen im ICD, aber keine blutenden Magenvarizen, ...


    Guten Morgen Herr Rost,


    DKR 1105a Gastrointestinale Blutung:
    Nicht alle Kategorien, die zur Verschlüsselung von gastrointestinalen Läsionen zur Verfügung stehen, stellen einen Kode mit der Modifikation „mit einer Blutung” zur Verfügung. In solchen Fällen wird für die Blutung ein zusätzlicher Kode aus K92.– Sonstige Krankheiten des Verdauungssystems angegeben.



    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Guten Morgen "Susanne",
    Guten Morgen Herr Selter,


    So ganz habe ich den Gedankengang von oben noch nicht nachvollziehen können:


    - akute Ösophagusvarizenblutung
    - bekannte Leberzirrhose


    wäre also zu kodieren als
    K70.3+ (Alkoholische Leberzirrhose)
    I98.21* (Ösophagusvarizenblutung bei +)


    Was ist mit der I85.0 (Ösophagusvarizen mit Blutung) - nur, wenn keine bekannte Lebererkrankung (K70/K71) vorliegt?
    --
    Andreas Raether
    Winnenden

    Andreas Raether
    Winnenden

  • Hallo Her Raether,


    kann nach +/*-Systematik kodiert werden (wie hier in diesem Fall), hat diese Vorrang und man muss folgendermaßen vorgehen:


    Aus den DKR:


    Kreuz – Stern – System
    Das ICD-10-Regelwerk fordert, dass die Ätiologie-Schlüsselnummer (Kreuz †) vor der Manifestations-Schlüsselnummer (Stern *) aufgeführt wird.
    ...
    1. Ätiologie- und Manifestationsverschlüsselung: „Kreuz - Stern - System”
    Schlüsselnummern für Ätiologie (zugrundeliegende Ursache) werden durch das Kreuz-Symbol (†) und Manifestations-Schlüsselnummern durch das Stern-Symbol (*) gekennzeichnet. Zu kodieren ist in derselben Reihenfolge, in der sie im Alphabetischen Verzeichnis, im ICD-10-GM-Diagnosenthesaurus oder in der ICD-10-GM erscheinen, d.h. die Ätiologie-Schlüsselnummer, gefolgt von der Manifestations-Schlüsselnummer.
    ...
    Die Kodes für Manifestationen, d.h. die Stern-Schlüsselnummern (*), können nicht als alleiniger Kode für die Hauptdiagnose verwendet werden, es sei denn eine spezielle Kodierrichtlinie schreibt etwas anderes vor.
    d) Wenn bei der Verschlüsselung der Diagnose die ICD-10-Verzeichnisse auf einen Stern-Kode (Manifestation) führen, dann muss anschließend die Ätiologie geklärt werden. Dazu sind in der Systematik und im Diagnosenthesaurus für viele Schlüsselnummern Hinweise aufgenommen worden (siehe Beispiel 5). Dabei können auch Schlüsselnummern zur Kodierung der Ätiologie benutzt werden, die in der ICD-Systematik keine Kreuz-Kodes sind. Auch sie werden in diesem Fall mit einem Kreuz (†) gekennzeichnet.
    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo,


    so richtig durchgängig ist das mit Kreuz-Stern aber nicht, denn bei Bakteriellen Infekten erhalten die Bakterien (also die Ätiologie) den Stern und die Manifestation (der Harnwegsinfekt) das Kreuz, oder? O sancta stupiditas!


    M.Rost

    M.Rost

  • Hallo Herr Rost,


    kodieren so doch mal einen Harnwegsinfekt mit E. Coli - wo, bitte, finden Sie denn da ein Kreuz und einen Stern?


    Die Angabe von Erregern als Ursache von in anderen Kapiteln der ICD klassifizierten Erkrankungen unterliegt nicht den Regeln des Kreuz-Stern-Systems, es handelt sich dabei vielmehr um sog. "Ausrufezeichen"-Kodes (wie auch z.B. die Angabe des Ausmaßes von Verbrennungen, die Angabe des Weichteilschadens bei Frakturen etc.).


    Genauere Hinweise hierzu finden Sie in der ICD-10 unter der Überschrift "Was bedeuten die optionalen Schlüsselnummern?" bzw. in den DKR 2004 sowohl in der Tabelle 2 der redaktionellen Hinweise als auch unter D012a auf Seite 27.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Markus Hollerbach

  • Ja, meistens...


    aber es gibt eine Menge bakterieller Infektionen, die mit Kreuz-Stern kodiert werden, z. B.:


    Actinomykose der Lunge: Pneumonie bei Actinomykose: A42.0+ J17.0*
    Candida-Meningitis: B37.5+ G02.1*
    Listerien-Endokarditis: A32.8+ I39.8*


    etc.


    Viele Grüße,
    Tim
    --
    Dr. Tim Pietzcker
    Abt. Med. Mikrobiologie und Hygiene
    Universitätsklinik Ulm

    Dr. Tim Pietzcker
    Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
    Universitätsklinikum Ulm

  • ...und in all diesen Fällen gehorcht die Reihenfolge von Kreuz und Stern-Kodierung der "Logik" von Grunderkrankung (Infektion) und Manifestation (Organbeteiligung), was von Herrn Rost ja bezweifelt wurde.


    Das System ist also insofern schon stimmig. :jay:


    Mit freundlichen Grüßen,


    Markus Hollerbach