Fundusvarizen

  • Hallo,


    wie kann man vernünftig Fundusvarizen kodieren, insbesondere wenn sie bluten? Die I86.4 (Magenvarizen) führt in völlig andere DRG (periphere Gefäßerkrankungen) als I85.- (Ösophagusvarizen), die wicherlich auf völlig andere Dinge ausgerichtet ist als die entsprechende DRG für Ösophagusvarizen. Am liebsten würde ich einfach Ösophagusvarizen kodieren, auch wenn Fundusvarizen vorliegen.


    MfG


    Rost

    M.Rost

  • Hallo Herr Rost,


    wie immer geht es bei der Kode-Zuordnung nicht nach der DRG-Systematik (außer die DKR beschreiben eine Ausnahme), sondern nach der ICD-Systematik.
    Hier werden Sie dann wohl die Fundusvarizen mit I86.4 kodieren. Dieser Kode stellt jedoch nicht die Unterscheidung mit Blutung / ohne Blutung zur Verfügung, deswegen siehe DKR 1105a Gastrointestinale Blutung:


    "Nicht alle Kategorien, die zur Verschlüsselung von gastrointestinalen Läsionen zur Verfügung stehen, stellen einen Kode mit der Modifikation „mit einer Blutung” zur Verfügung. In solchen Fällen wird für die Blutung ein zusätzlicher Kode aus K92.– Sonstige Krankheiten des Verdauungssystems angegeben."


    K92.2 GI-Blutung n.n.b. käme dann hier als zusätzlicher Kode in Frage.
    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Vielen Dank Herr Selter für die rasche Antwort.
    Ich habe nochmal durchsimuliert und bin zu der Auffassung gekommen, dass dann aber die K92.2 als HD genommen werden muss, damit die gleiche DRG entsteht (G73.*) wie bei der HD I85.0. Nimmt man die Magenvarizen als HD und die Blutung als ND, dann landet man wieder in der F65.x (periphere Gefäßkrankheit), die das Krankheitsbild dann nicht richtig abbildet.
    Der Pat. kommt ja auch wegen der Blutung und nicht wegen der Varizen in die Klinik. allerdings sind diese die Ursache der Blutung, müssten daher HD sein, jedoch gibt es auch Varizen, die nicht bluten, und daher ist dann doch die Blutung der Hauptgrund.
    Wie in so vielen Fällen, drehen sich hier Pathogenese und Ursache-Wirkungsbeziehung im Tanz um die Hauptdiagnose im Kreis und beweisen so, dass das DRG-System für die Innere Medizin mit ihrer Komplexität viel schlechter anwendbar ist als für das vergleichsweise eindimensionale Geschehen in der Chirurgie.


    MfG


    M.Rost
    --
    M.Rost

    M.Rost

  • Hallo Herr Rost,


    wenn die Varizen die GI-Blutung verursacht haben, kommen Sie nicht herum, diese auch als HD zuzuordnen (Sie kennen ja die HD-DKR "zugrundliegende Erkrankung"). Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, wie die DRG dann heißt und ob es eine andere gibt, die inhaltlich besser erscheint.
    Wenn man nach dieser Vorgabe kodieren würde "was nicht passend erscheint-wird passend gemacht", könnte man die Kodierrichtlinien gleich aussetzen.
    Wenn alle entsprechend der DKR kodieren, werden auch die blutenden Fundusvarizen alle kalkulatorisch in der gleichen DRG erfasst. Wenn aber die einen so und die anderen so kodieren, werden verschiedene DRGs getroffen und das kann für die Kalkulation ja nur nachteilig sein.
    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Herr Selter,


    ich habe mich vielleicht nicht richtig ausgedrückt. Was ich meine ist folgendes:
    Ösophagus- und Fundusvarizen werden (von gewissen Varitationen abgesehen - Verwendung von Fibrinkleber bzw. Polidocanol, Gummibandligatur etc) ähnlich oder gleich behandelt, und ein Prinzip der DRG soll ja sein, dass gleiches gleich "bezahlt" wird. Wenn aber dann Ösophagus-Varizen und Fundus-Varizen trotz vergleichbaren Aufwandes unterschiedlich bezahlt werden, Fundusvarizen dann wie eine pAVK bezahlt werden (wie man hier den Aufwand vergleichen will, weiß ich nicht), überkommen mich Zweifel an dem Sinn der jeweiligen Eingruppierung.


    MfG
    --
    M.Rost

    M.Rost

  • Hallo Herr Rost,


    ich habe Sie schon richtig verstanden. Zweifel über die Sinnhaftigkeit von DRG-Zuordnungen nach medizinischem Verständnis sind jedoch keine "Legitimation" für eine Kodierung die nicht über die DKR/ICD/OPS abgedeckt ist. Hier muss ggf. das System angepasst werden, wenn es sich hier als fehlerhaft herausstellt.
    Die Diskussion läuft ja auch an anderen Stellen, z.B., wenn zusätzliche Nennungen von Prozeduren eine niedriger bewertete DRG ansteuern, als ohne deren Nennung. Beispiele hierfür haben wir ja im Forum genug. Das ändert aber nichts daran, dass die Kodierung vollständig durchgeführt werden muss und nicht diese OPS-Kodes "vergessen" werden. Im gleichen Sinne ist bei Ihrem Beispiel zu verfahren.


    Ein schönes WE!
    --
    Gruß


    D. D. Selter

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Liebe Forumsteilnehmer,


    ich wollte diesen Thread nochmals nach oben bringen, da das grundsätzliche Problem der inadäquaten Abbildung der Magenvarizen auch nach 6 Jahren noch nicht gelöst ist. Es geht konkret um folgenden Fall:


    70-jähriger Pat. kommt mit Einweisungsdiagnose Meläna ins KH. Als Ursache wird eine Fundusvarizenblutung mit Blutungsanämie bei Pfortaderthrombose festgestellt. Die Anämie wird mit Transfusionen behandelt, die Fundusvarizen mit endoskopischer Ligatur. Kodiert wird wie folgt:


    I86.4
    I81+ I98.3*
    D62


    5-449.83
    8-800.7f


    Resultierende DRG ist die F65A \" Periphere Gefäßkrankheiten...\", die zwar textlich nicht passt, den Fall aber klinisch und ökonomisch adäquat abbildet.


    Ist diese Kodierung DKR-konform oder kann I86.4 nicht zusammen mit I98.3 kodiert werden?


    Schöne Grüße,
    B. Liebermann

  • Hallo Hr. Liebermann,


    die HD ist für mich I81 mit I98.21 als Sekundärkode. Die I68.4 ist nicht zu kodieren.
    So ist es für mich richtig kodiert. Ökonomisch eine Katastrophe, aber so ist es halt manchmal.
    Da hilft nur: Augen zu und durch.


    Mit freundlichen Grüßen
    LT



  • Fundus ist anatomisch betrachtet ein Teil des Magens. Laut ICD-Systematik wird mit ICD I86.4 die Magenvarizen und damit auch die Fundusvarizen kodiert, solange die konkrete Ursache der Fundusvarizen nicht anderenorts klassifiziert ist (bei bekannter Grunderkrankung ist ein Code aus I98.2 zusätzlich anzugeben). Blutunde Fundusvarizen bedeuten nicht automatisch eine Pfortadaerthrombose (I81).


    Gruß
    Ordu

  • Hallo Dr. Ordu,


    im Beitrag von Hr. Liebermann vom 16.12. ist aber beschrieben, dass der Pat eine Pfortaderthrombose hat und wenn diese Thrombose schon länger besteht (habe ich jetzt mal vorausgesetzt), ist doch davon auszugehen, dass diese die Ursache der Fundusvarizen ist.


    Gruß
    LT

  • Ich hatte mich noch auf den ersten Beitrag bezogen. Wurde die Pfortaderhromose im Beitrag von Hr. Liebermann zum ersten Male festgestellt, dann ist dies die HD (Ursache) mit zusätzlicher Angabe
    des Sekundärcodes I98.21.


    Gruß
    Ordu

  • Vielen Dank für die Antworten, LT & Dr. Ordu!


    D\'Accord: Pfortaderthrombose ist HD, wenn erstmals diagnostiziert. Was aber, wenn sie schon vom einweisenden Internisten im Ultraschall diagnostiziert und im KH nicht spezifisch therapiert wurde? Dann müssen die Fundusvarizen HD sein.


    DKR 1105 sagt:


    Zitat

    Wenn ein Patient zur Abklärung einer oberen gastrointestinalen (GI) Blutung aufgenommen wird und bei der Endoskopie ein Ulkus, Erosionen oder Varizen gefunden werden, wird die gefundene Erkrankung mit einer Blutung kodiert ...


    Am besten passt hier I98.3 \"Ösophagus- und Magenvarizen bei andernorts klassifizierten Krankheiten, mit Angabe einer Blutung\". Dieser Kode kann aber als *-Kode nicht als HD kodiert werden. Es bleiben also I86.4 \"Magenvarizen\" als HD übrig sowie die Frage, wie die Blutung dann am besten zu kodieren ist. Die DKR 1105 sagt weiter:


    Zitat

    Nicht alle Kategorien, die zur Verschlüsselung von gastrointestinalen Läsionen zur Verfügung stehen, stellen einen Kode mit der Modifikation mit einer Blutung zur Verfügung. In solchen Fällen wird für die Blutung ein zusätzlicher Kode aus K92. Sonstige Krankheiten des Verdauungssystems angegeben


    Es bietet sich K92.1 \"Meläna\" an. Dann hätten wir


    I86.4 (HD)
    K92.1
    I81
    D62


    I98.3 ist allerdings m.E. im Vergleich zu K92.1 Meläna die wesentlich spezifischere Verschlüsselung des Blutungsgeschehens:


    I86.4 (HD)
    I81+
    I98.3*
    D62


    Deswegen zielte meine Frage daraufhin ab, ob die doppelte Kodierung der Fundusvarizen mit I86.4 (HD) und I98.3* in Ordnung geht.


    Oder ist hier I81 auf alle Fälle HD, auch wenn bereits bei Aufnahme bekannt und nicht therapiert, weil DKR D012 gilt?


    Zitat

    Schlüsselnummern für Ätiologie (zugrunde liegende Ursache) werden durch das Kreuz-Symbol (+) und Manifestations-Schlüsselnummern durch das Stern-Symbol (*) gekennzeichnet. Zu kodieren ist in derselben Reihenfolge, in der sie im Alphabetischen Verzeichnis oder im Systematischen Verzeichnis der ICD-10-GM erscheinen, d.h. die Ätiologie-Schlüsselnummer, gefolgt von der Manifestations-Schlüsselnummer.


    und:


    Zitat

    Wenn bei der Verschlüsselung der Diagnose die ICD-10-Verzeichnisse auf einen Stern-Kode (Manifestation) führen, dann muss anschließend die Ätiologie geklärt werden. Dazu sind in der Systematik und im Alphabetischen Verzeichnis für viele Schlüsselnummern Hinweise aufgenommen worden (siehe Beispiel 5). Dabei können auch Schlüsselnummern zur Kodierung der Ätiologie benutzt werden, die in der ICD-Systematik keine Kreuz-Kodes sind. Auch sie werden in diesem Fall mit einem Kreuz () gekennzeichnet.


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    Vielen Dank im Voraus für alle weiteren erhellenden Antworten.


    B. Liebermann