"Nicht"-Kodierrichtlinie DKR 0042

  • Liebe Kollegen (oder sollte ich schreiben: Leidensgefährten? ich überlege im Moment aus gegebenem Anlass, ob ich nicht eine Balintgruppe für entnervte DRG-Stabstelleninhaber einrichte),


    Ihre Diskussion trifft im Moment wirklich ziemlich genau den Kern der unterschiedlichen Methoden (bei eigentlich gleicher Grundeinstellung zur Sache).
    Ich bin Rheinländerin, daher kann ich total pramatisch nur sagen: so lange mein Patient keinen Barcode am Arm hat und jeder User einen Barcodeleser in der Tasche, bin ich nicht bereit, irgendeinen Mitarbeiter im Krankenhaus (ob nun aus der Pflege, Arzt, KG, etc.) zur Dokumentation von 100000 Leistungen zu überzeugen. Das 100000 Leistungen initial indiziert sind, obwohl ich bisher von nur ca.5000 "vermögenswirksamen" Leistungen ausgegangen bin, würde ich auch eher vorsichtig sehen. Insgesamt denke ich, ein patient ist im Krankenhaus weil er krank ist und nicht weil er gesund ist. Viele Leistungen lassen sich daher in einem völlig selbstverständlichen Leistungspaket pauschaliert kalkulieren. Das gibt dann schonmal richtig kalkulatorische "Luft". Und solche Pakete kann ja mal das neue Institut packen, oder? Da muss ja nicht jedes Krankenhaus das Rad neu erfinden.
    Ich habe mir neulich ein EDV-System angesehen, welches meiner Meinung nach viel pragmatischer an die Sache heran geht. Hier werden von den Ärzten ihre Leistungen und Diagnosen als Texteingabe eingegeben (Unterstützungsprogramme entfallen also), die Software hinterlegt dann den OPS, ICD oder auch selbst konfigurierte Ziffern. So ist eine zweite Ebene möglich, die man selbst definieren kann. Und auswerten kann man dann auf alles Mögliche: unterschiedliche OP´s (selbst wenn es nur einen OPS dafür gibt), Nebendiagnosen aus dem CC-katalog, etc.etc. Damit Ärzte es auch benutzen, werden alle eingegebenen Daten auch im Arztbrief genutzt (wo man sie dann auch wegklicken kann, wenn man sie für uninteressant für den Einweiser hält), Befunde werden genauso an- und abgelegt. Und medizinisch sinnvolle Statistik können Sie auch fahren (z.B. wieviel Gallen hat dieses Jahr welcher Assistent operiert?). Fand ich sehr interessant. Das Ganze ist auch noch menuegesteuert, praktisch kein Schulungsaufwand. Aber halt teuer, und wer hat heute schon Geld. Meine Verwaltung hat abgewinkt, zumal wir gerade von Prokim auf SAP umstellen, was Streß genug ist.


    Insgesamt bin ich immer völlig perplex, wieviel über die Möglichkeiten zum Abrechnungsoptimieren gesprochen wird. Um ehrlich zu sein: das konterkariert doch das System. Führend in Australien ist die medizinische Leistung, die anschließend in Gestalt von DRG´s "gegossen" wird. Anschließend wird dann kalkuliert, um den Preis (retrospektiv) festzulegen. Die Australier korrigieren jetzt angeblich alle 6 Monate nach, um unnötige Gewinne aber auch unnötige Härten zu vermeiden. Und die hauptamtlichen Coder sollen abgeschafft werden, weil sie zu teuer sind und keine wesentliche Verbesserung der Kodierqualität bringen. Am besten kodiert der behandelnde Arzt.


    Nun, wir werden ja alle die neusten News auf der Case Mix Konferenz in Hamburg hören, lassen wir uns überraschen.


    gruss Patricia Klein :))

    Patricia Klein