Ursache und Folge

  • Pat. mit Guillan-Barre (G61.0) hat neu aufgetretene Schluckstörungen (R13) und dadurch Exsikkose (E86) kommt zur stationären Aufnahme und bekommt PEG-Anlage (5-431.2) Keine weitere Diagnostik aber Fortführung diverser Medikamente wegen Lähmungen. Was ist HD?
    Aus dem sonnigen Bayern
    Susanne :roll:

    Susanne in München :i_drink:

  • Hallo, Susanne,
    medizinisch gesehen gibt\'s glaub\' ich keine Frage! Aber warum legen wir den Patienten gerade zu diesem stationären Aufenthalt ins Bett - weil er exsikkiert ist bei seiner Schluckstörung. So gesehen interpretiere ich die Schluckstörung als Folgezustand bei GBS, womit die DKR 005 anwendbar ist. Hier wird die Vorgehensweise auch für Folgen entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems geschildert. Damit ist der Folgezustand in der Reihenfolge hinten anzustellen. Für die Auswahl der HD bleibt die Schluckstörung und die Exsikkose - und hier würde ich nach dem Resourcenverbrach vorgehen. Mein Vorschlag:


    HD Exsikkose
    ND Schluckstörung, GBS


    Mit der HD GBS wär\' ich vorsichtig ... (ich weiß, ich weiß, ich hab\'s nämlich auch gegroupt .... GBS bringt viel mehr)


    Bin gespannt auf die Diskussion ....

    mfg Gerhard Füchsl

  • Hallo Susanne, Herr Füchsl,
    Hallo Forum,


    Zitat


    Zitat: G. Füchsel
    medizinisch gesehen gibt\'s glaub\' ich keine Frage!


    Da stimme ich Ihnen zu !


    Zitat


    Zitat: G. Füchsel
    So gesehen interpretiere ich die Schluckstörung als Folgezustand bei GBS, womit die DKR 005 anwendbar ist.


    Begrifflich haben Sie mit \"Folgezustand\" sicherlich nicht unrecht. Allerdings fordert die von Ihnen genannte DKR D0005a:


    Zitat


    Die Kodierung der Folgezustände von Krankheiten erfordert zwei Schlüsselnummern:


    • eine für den aktuellen Rest-/Folgezustand und
    • eine Schlüsselnummer („Folgen von ...“), die ausdrückt, dass dieser Zustand Folge einerfrüheren Krankheit ist.


    Der Restzustand oder die Art der Folgezustände werden an erster Stelle angegeben, gefolgt von der Schlüsselnummer „Folgen von ...“.


    D.h.: In diesem Fall müsste es einen Kode \"Folgen von GBS\" geben, der dann entsprechend zu verschlüsseln wäre.



    Deshalb würde ich die beschriebene Schluckstörung eher als \"Symptom\" anstatt \"Folgezustand\" bezeichnen. Aus der Fallschilderung schließe ich, daß das GBS bei Aufnahme bereits bekannt war (\"Pat. mit Guillan-Barre (G61.0) hat neu aufgetretene Schluckstörungen (R13)\"). Somit kommt hier die DKR 0002c zur Anwendung:


    Zitat


    Wenn sich ein Patient mit einem Symptom vorstellt und die zugrundeliegende Krankheit zum Zeitpunkt der Aufnahme bekannt ist, jedoch nur das Symptom behandelt wird, ist das Symptom als Hauptdiagnose zu kodieren. Die zugrundeliegende Krankheit ist anschließend als Nebendiagnose zu kodieren (siehe Beispiel 4).


    Als HD würde ich deshalb die Schluckstörung wählen. Die Schluckstörung war Grund für die Aufnahme, wurde spezifisch durch PEG behandelt. Man könnte allerdings auch die Exsikkose als HD in betracht ziehen. das GBS ist m.E. definitiv als ND zu verschlüsseln.



    MfG


    M. Ziebart

  • Hallo,


    Herrn Ziebart hat eigentlich schon alles gesagt.


    Ich würde die Schluckstörungen als Grund für die Exsikkose und PEG-Anlage allerdings definitiv als HD nennen. Die Exsikkose als eigenständiges Problem als ND, sowie das GBS als zugrundliegende Krankheit.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo,
    ich möchte hier entgegenhalten, daß in der DKR005a es auch folgende Textstelle gibt:


    (...)Sofern der zugrundeliegende Krankheitsprozess nicht mehr aktiv ist, wird die Schlüsselnummer für die akute Form dieser Krankheit nicht kodiert, sondern der Folgezustand mit den entsprechenden spezifischen ICD-Kodes(...) - daraus schließe ich, daß bei Aktivität die Grunderkrankung kodiert wird.


    Und außerdem, gibt die DKR 005a Hinweise auf die Folgezustandscodes. Dabei gibt es ausdrücklich den Hinweis auf die Folgen entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems, nur hier sind eher die Meninigitiden gemeint (auf alle Fälle fällt darunter das GBS - so meine ich - nicht). In diesem Abschnitt heißt es:


    (...) Falls für das Grundleiden keine Schlüsselnummer für Folgezustände existiert, wird das Grundleiden verschlüsselt (WHO) (...).


    Summa summarum läuft es über Ihre Argumentation oder meine darauf hinaus, daß das GBS eine Nebendiagnose ist, aber:


    Bei der Schluckstörung und der Exsikkose sehe ich dennoch eine Konkurrenz, denn möglicherweise wird der Patient zunächst parenteral mit Flüssigkeit substituiert, erst später über PEG und damit die Exsikkose behandlt und der Hauptresourcenverbrauch hier hineingesteckt, eine spezifische Behandlung der Schluckstörung ist zumindest im vorgestellt Fall nicht beschrieben ...


    Bin gespannt .... :roll:

    mfg Gerhard Füchsl

  • Hallo! Eigentlich schön, dass sich alle einig sind..


    ich sehe den Fall allerdings etwas anders. Die D005 kommt hier nicht zur Anwendung, weil die Schluckstörung nicht Folgezustand oder Spätfolge, sondern Zeichen einer Exazerbation des GBS ist. Das GBS ist somit nicht eine \'frühere\' oder \'Vor-\'Erkrankung. Schon eher wäre die D006 (chronische und akute Erkrankungen) anzuwenden, die aber nur zur Frage Stellung nimmt, welche Diagnose zu verschlüsseln ist, wenn es verschiedene Codes gibt, und nicht zur Frage der Hauptdiagnose.


    Insofern gebe ich Herrn Ziebart recht, dass es sich hier nicht um einen Folgezustand, sondern um ein Symptom handelt.


    Susanne: Haben Sie wirklich nur das Symptom behandelt ? Schließlich hätte die Diagnose einer Exazerbation des GBS eine erheblich therapeutische Konsequenz, z.B: Immunglobuline, Plasmapherese...). Hatte der Patient keine pflegeaufwandsteigernden Paresen o.ä. ?


    Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier bei Durchsicht der Krankenakte sehr wohl Argumente für die Hauptdiagnose GBS finden lassen.


    Schöne Grüße!

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



    I'd rather have a full bottle in front of me than a full frontal lobotomy

  • Erstmal herzlichen Dank für die rege Diskussion eines Falles, bei dem es medizinisch gesehen keine Frage gibt. Drum bin ich ja auch Ärztin und nicht Meddoku. Am ende bin ich jetzt so schlau als wie zuvor Dank Dr. P. Leonhardt:


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    \"Susanne: Haben Sie wirklich nur das Symptom behandelt ? Schließlich hätte die Diagnose einer Exazerbation des GBS eine erheblich therapeutische Konsequenz, z.B: Immunglobuline, Plasmapherese...). Hatte der Patient keine pflegeaufwandsteigernden Paresen o.ä. ?


    Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier bei Durchsicht der Krankenakte sehr wohl Argumente für die Hauptdiagnose GBS finden lassen.\"
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    Dazu kann ich nur sagen: Ich habe ja garnicht behandelt, ich controlle die Doku der zuständigen Internisten. Ich gehe jetzt also auf die Suche nach dem Kollegen, schaue, ob er so neurologisch gedacht hat wie Sie , ob die Pflege ihren Aufwand dokumentierte und ich damit Argumente für die HD GBS finde - das wäre natürlich das B€ST€! Aber das kann Dauern.....


    Ob das in 22 Minuten zu schaffen ist?
    Nächtlich-schwarzen bayerischen Dank sagt
    Susanne :roll: :deal:

    Susanne in München :i_drink:

  • Zitat


    Original von GerhardFuechsl:
    Bei der Schluckstörung und der Exsikkose sehe ich dennoch eine Konkurrenz, denn möglicherweise wird der Patient zunächst parenteral mit Flüssigkeit substituiert, erst später über PEG und damit die Exsikkose behandlt und der Hauptresourcenverbrauch hier hineingesteckt, eine spezifische Behandlung der Schluckstörung ist zumindest im vorgestellt Fall nicht beschrieben ...


    Guten Morgen,


    nehmen Sie z.B. die DKR 1107a Dehydratation bei Gastroenteritis:
    Bei Einweisungen zur Behandlung von Gastroenteritis mit Dehydratation wird die Gastroenteritis als Hauptdiagnose und „Dehydratation” (E86 Volumenmangel) als Nebendiagnose angegeben.


    Auch hier mag die Flüssigkeit-Substitution im Vordergrund stehen, trotzdem wird die Kodierreihenfolge so vorgegeben.


    Die Schluckstörung steht als Ursache der Exssikkose unstreitbar wohl fest, also für mich = HD.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau