Vorbereitung Pflege

  • Bin noch neu in diesem Forum und etwas erschlagen ob der Medizinlastigkeit dieser Seite; wage mich denn trotzdem mit einer pflegerischen Frage hierher.


    Im Rahmen des Pflegemanagement-Studiums beschäftige ich mit den Vorbereitungen der Pflege auf die DRG. Veröffentlicht findet man bislang nur, das die Pflege schlecht oder gar nicht vorbereitet ist. Die Rufe nach Patientenklassifikationssystemen verhallen ob des Termindrucks und nach geeigneten Dokumentationssystemen ruft die Pflege ja schon immer. Schulungen und Informationsveranstaltungen finden vereinzelt statt.
    Kann vielleicht jemand aus dem eigenen Haus über Vorbereitungsprozesse berichten? Wie hat sich das Kodier-, Dokumentations-,und Kooperationsbewusstsein der Pflegenden inzwischen verändert?


    Herzlichen Dank im voraus.


    :look:

    Barbara Teichmann

  • I) Liebe oder lieber "Teibar" (Name wäre einfacher, oder?),


    bei mir im Haus ist die Pflege fast motivierter als die Ärzte. Wir haben einen Bogen erstellt, wo nach ATL´s (bei uns läuft die Pflegedoku schon lange nach ATL´s) ca. 50 Nebendiagnosen zum Ankreuzen aufgelistet sind. Die Pflege kreuzt hier ihre Diagnosen an, der entlassende Arzt kontrolliert diese Diagnosen und überträgt sie. Das hilft uns eine Menge weiter.
    Die Pflegeleistungen erfassen wir bisher nur auf der Intensiv nach OPS, soweit das möglich ist.
    Ansonsten läuft immer noch die PPR, unsere PDL ér tragen im Moment aber alle anderen Möglichkeiten zusammen (z.B. LEP), um im Falle eines Falles vorbereitet zu sein (wir sind ja abhängig von den kalkulationsvorgaben, nach Kalkulationshandbuch sollen PPR-Minuten angegeben werden (alternativ sonstige Pflegestufen oder Pflegetage)).
    Aber ich habe gehört, dass der Dachverband der Pflege jetzt auch DRG-technisch präsent wird.
    Unsere medizinischen Dachverbände sind ja auch noch nicht alle aufgewacht, Sie befinden sich also in der besten Gesellschaft.
    :dance1: Frohes Schaffen
    patricia

  • Hallo teibar/ Fr. Klein / alle Groupies,


    dazu kann ich nur sagen, dass auch die pflegerischen Berufsverbände meiner Meinung nach noch fast im Tiefschlaf liegen.


    Im DBfK werden mittlerweile einige Schulungen angeboten (Februar), ich hoffe, das dort die Diskussion nochmal entfacht wird... ?(
    So richtig viel kommt da allerdings auch nicht. Ich denke, das Problem liegt unter anderem daran, dass für die Pflege noch kein fertiges und relativ umfangreiches Klassifikationswerk verbreitet wurde.


    Wer sich schon einmal NANDA angeschaut hat, hat Tränen der Rührung in den Augen ;( und der ICNP ist noch nicht fertig und die Lizenzierung für Deutschland steht in den Sternen (soweit meine Info).


    Ich hoffe, dass das Bewusstsein der Pflegenden für diese Problematik vielleicht etwas geweckt wird. Ich befürchte jedoch, dass viele immer noch den Kopf in den Sand stecken und hoffen, das der Kelch an Ihnen vorüber geht... :strauss:


    Das in Ihrem Haus, Frau Klein, wie auch schon in anderen (hatte Hr. Selter nicht schon ähnliches berichtet?), so eine Motivation da ist, und Anfänge schon integriert werden, finde ich toll.
    Ich fände es wichtig, in diese Bewegungen etwas mehr Koordination zu bringen (z.B. durch Organisierung im Berufsverband) und da mal ein bißchen die Ärmel hochzukrempeln.


    Mit freundlichen Grüßen,


    Iris Zanga



    [ Dieser Beitrag wurde von IZanga am 22.01.2002 editiert. ]


  • Da ich mit in der Erstellung einer (Neben-) Diagnoseliste für den Deutschen Pflegerat involviert war/bin, kann ich jetzt (endlich) die Veröffentlichung dieser Liste in Kürze auf den Seiten des Deutschen Pflegerates ankündigen. Diese ist ein Sublimat bestehender Listen und soll allen Pflege-, Klinik- bzw. "DRG-Managern" eine Hilfe bieten, die Diagnosen auszuwählen, die einem pflegerischen Aufwand auf ihren Stationen entsprechen (rf. Definition der Nebendiagnose).
    Ansonsten ist es in der Tat allen Pflegemanagern unbedingt zu empfehlen, eine Leistungserfassung (zumindest über PPR auf den Normalstationen) durchzuführen, damit im Schritt der Kostenevaluation der pflegerische Aufwand ansatzweise quantifiziert werden kann. Der Deutsche Pflegerat diskutiert übrigens in einem Expertenkreis ("Höhenrieder Kreis", dem ich angehöre) in der Tat die Übernahme des Schweizer LEP-Modells für Deutschland. Doch hier fallen einerseits Lizenzgebühren an, andererseits müssen erste Studien noch die Übertragbarkeit auf deutsche Verhältnisse beweisen - diese laufen derzeit für Intensivstationen in 5 Unikliniken unter der fachlichen Leitung des Pflegedirektors der Uni Tübingen, sowie für Normalstationen beim DIP (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung in Köln). Auf Ergebnisse weise ich hier gerne hin.


    Ich werde in diesem Forum auf die Veröffentlichung hinweisen und mich auch dafür einsetzen, die HTML-Seite auch hier im Download-Bereich anzubieten.


    Soweit der aktuelle Stand, schöne Grüße aus Ludwigshafen


    --
    Markus Stein [Dipl.-Dok. (FH)]


    Klinikum Ludwigshafen
    Verwaltungsdirektion

    Markus Stein [Dipl.-Dok. (FH)]


    RZV GmbH
    Strategisches Produktmanagement Krankenhaus

  • Hallo !
    Wir haben gerade begonnen zusammen mit der Pflegedienstleitung eine Arbeitsgruppe "Pflegediagnosen" ins Leben zu rufen, die hoffentlich bald zusammen kommt. Eine Liste habe ich bereits aus`nem Netz gezogen, wäre aber an einer "offiziellen" brennend interessiert. In der Verlaufskurve soll dann ein entsprechendes Blatt eingefügt werden. Der Arzt kann diese Diagnosen als pflegerelevante ND verwenden.
    Interessanterweise stoße ich dabei auf starken Widerstand unter den Kollegen !
    "Diagnosenstellung sei nur Arztaufgabe, man ließe sich von der Pflege nicht kontrollieren und würde schließlich alle Diagnosen selber finden und überhaupt wisse man ja nicht, was die Pflege so alles aufschreiben würde."
    Ich war von diesen Argumenten ziemlich überrascht. Gibt es ähnliche Erfahrungen und Lösungsansätze ?
    (Ich habe argumentiert, dass es nichts mit Kontrolle zu tun habe, die Pflegediagnosen einer Spezifizierung der PPR dienen sollen, es einen vorgegeben Katalog gäbe und die Übernahme in die DRG Ermittlung in der Verantwortung des Arztes liegt.)
    MfG



    --
    Jörg Gust
    (Med. Controller Marien-Hospital Witten)

    Jörg Gust
    (orth. Assistenzarzt, Ex-Med.Controller)

  • Hallo Herr Gust,


    eine "ofizielle" Liste wird es wohl nicht geben. Zum Download gibt es ja bereits mehrere (z.B. hier - die auch wir leicht abgewandelt nutzen - oder bei klinikmarkt.de, ...).
    Das Ihre Ärzte sich kontrolliert fühelen verwundert mich etwas, wir haben diese Erfahrung nicht gemacht. Unsere Ärzteschaft hat dies ehr als unterstützende Zuarbeit empfunden.


    Viele Gruesse


    M. Thieme

  • Guten Morgen,

    Zitat


    Original von mthieme:
    Das Ihre Ärzte sich kontrolliert fühlen verwundert mich etwas, wir haben diese Erfahrung nicht gemacht. Unsere Ärzteschaft hat dies eher als unterstützende Zuarbeit empfunden.


    Bei uns ist es entsprechend. Die Pflege dokumentiert anhand unserer Liste und die Ärzteschaft fühlt sich unterstützt.
    Die Aussage, das ja die Ärzte nicht wissen würden, was da von der Pflege aufgeschrieben wird, ist eher auf unreflektierte Standesdünkele zurückzuführen.
    Natürlich weis man was da aufgeschrieben wurde, es steht ja auf dem Zettel und die Tatsache der Erwähnung bedeutet ja nun mal, dass dies von der Pflege so gesehen wurde. Die letzte Überprüfung unterliegt selbstverständlich dem Arzt, eine kurze Besprechung mit der Pflege bei "Ungereimtheiten" kann man ja wohl im Rahmen der sowieso notwendigen und vorauszusetzenden Kommunikation durchgeführt werden.


    Voraussetzung für eine sinnvolle Unterstützung durch die Pflege ist aber, dass auch sie Schulungen (in angepaßter Form) in DRGs und Kodierrichtlinien erfahren. So halten wir es bei uns.



    Mit freundlichen Grüßen






    --
    D. D. Selter
    Arzt, noch Leiter Med. Cont., DRG-Beauftragter, Kliniken d. MTK GmbH, Hofheim/Taunus. Ab 16.2.02 BGU-Murnau.


    P.S.
    Falls jemand meine Liste aus dem Download benutzt, würden mich evtl. Änderungen, bzw. Ergänzungen interessieren.
    Wäre nett, mir solche Listen mal zuzumailen.
    Danke (d.selter@gmx.de)


    [ Dieser Beitrag wurde von Selter am 24.01.2002 editiert. ]

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau


  • Hallo,


    Was beinhaltet denn das Schweizer LEP-Projekt? Hat jemand vielleicht
    eine gute Internet Seite parat?


    Wir haben auch eine Liste mit sogenannten pflegerelevanten
    Diagnosen und Prozeduren eingeführt, diese wurde auch sehr gut angenommen.
    Der Hauptkritikpunkt war, die Ärzte können sehr viele Prozeduren dokumentieren, das Pflegepersonal leider sehr wenige und sieht sich dadurch sehr benachteiligt. Was ich übrigens auch nur unterstützen kann.


    Mit freundlichen Grüßen
    Alexander Kaiser





    [ Dieser Beitrag wurde von akaiser am 24.01.2002 editiert. ]


    [ Dieser Beitrag wurde von akaiser am 24.01.2002 editiert. ]

  • Hallo Hr. Kaiser, Hr. Thieme (Sie sind mir Sekunden zuvor gekommen!),


    auch hier gibt es gute Informationen: www.lep.ch


    Gruß,


    Iris Zanga

  • Hallo Markus,


    ab wann ist denn mit der Veröffentlichung der Neben-Diagnosen-
    liste zu rechnen?



    Gruß Dagmar

    Mit freundlichen Grüßen
    Dagmar Wege


    Hannover

  • Aloha,


    Zitat


    Original von akaiser:


    Der Hauptkritikpunkt war, die Ärzte können sehr viele Prozeduren dokumentieren, das Pflegepersonal leider sehr wenige und sieht sich dadurch sehr benachteiligt. Was ich übrigens auch nur unterstützen kann.


    Es ist schon erstaunlich, welch bizarre Blüten das `moderne` Gesundheitswesen hervorbringt...


    Während (zumindest bei uns) die Ärzte Zeter und Mordio darüber schreien, dass sie immer größere Teile ihrer Arbeitszeit am Computer statt am und mit dem Patienten verbringen müssen, scheint ein anderer Berufsstand geradezu gierig darauf zu sein, endlich mehr Zeit mit Bürokratie zu vertun. War ich bisher noch der Ansicht, dies beruhe auf einem grundsätzlichen Mißverständnis über die DRGs als einer Art Gebührenordnung für stationäre Einzelleistungen, so hat mich ein Blick auf die LEP belehrt, daß es hierbei um Dinge geht, für die der Begriff `Status` noch die harmloseste Umschreibung ist.


    Der Letzte mache dann bitte auf Station das Licht aus. X(


    Markus Hollerbach