Prostahyperplasie und Harnröhrenstriktur

  • Hallo liebes Forum,
    bei folgendem Fall kann ich die Logik des Groupers nicht nachvollziehen. Vielleicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen.
    N40 Prostatahyperplasie
    N35.9 Harnröhrenstriktur
    5-601.0 Elektroresektion Prostata
    5.585.1 Urethrotomia interna
    Nehme ich die N40 als HD, dann ergibt sich die DRG M03Z (Eingriffe am Penis). Nehme ich aber die N35.9 als HD, dann gelange ich in L05B (Transurethrale Prostataresektion).
    Ich würde meinen, es müsste genau umgekehrt sein.
    Wer kann mir dazu Auskunft geben?
    Danke
    Tiffany

  • Hallo Tiffany,


    Zur Logik kann ich mich nicht äußern, ich kann Ihnen das Grouperverhalten aber vielleicht erklären:


    Konstellation 1:
    HD = N35.9 Harnröhrenstriktur
    ND = N40 Prostatahyperplasie
    OPS = 5-601.0 Elektroresektion Prostata
    OPS = 5-585.1 Urethrotomia interna


    --> Der Grouper \"schaut\" zunächst nach, zu welcher MDC die HD passt und wird in der MDC 11 (KH und Stör. der Harnorgane) fündig. Innerhalb dieser MDC werden nun die weiteren Angaben abgeprüft. Dabei findet der Grouper als erstes Kriterium die TURP und kann die L05 eingrenzen, da keine weiteren ND von Relevanz --> L05B als Ergebnis.
    Ließe man die TURP weg, würde der Grouper erst bei der Urethrotomia interna fündig und nähme die L08Z. Die Reihenfolge der \"Stop\"schritte ist hier ausschlaggebend.


    Konstellation 2:
    HD = N40 Prostatahyperplasie
    ND = N35.9 Harnröhrenstriktur
    OPS = 5-601.0 Elektroresektion Prostata
    OPS = 5-585.1 Urethrotomia interna


    --> Der Grouper \"schaut\" wieder zunächst nach, zu welcher MDC die HD passt und wird (hierbei erst) in der MDC 12 (KH und Stör. der männlichen Geschlechtsorgane) fündig. Innerhalb dieser MDC werden nun die weiteren Angaben abgeprüft. Dabei findet der Grouper als erstes Kriterium die Urethrotomia interna und kann die M03 (Andere Eingriffe am Penis) eingrenzen, da keine weitere Unterteilung --> M03Z als Ergebnis.
    Ließe man hier die Urethrotomia interna weg, würde der Grouper erst bei der TURP fündig und nähme die M02Z. Die Reihenfolge der \"Stop\"schritte ist hier ebenfalls ausschlaggebend.


    Kurz:
    MDC 11 --> TURP vor Urethrotomia interna
    MDC 12 --> Urethrotomia interna vor TURP


    Warum die Reihenfolge von TURP und Urethrotomia interna jeweils unterschiedlich abgeprüft wird, weiß ich leider auch nicht, hoffe aber, dennoch hilfreich gewesen zu sein.


    Gruß
    B. Sommerhäuser

  • Danke, Herr Sommerhäuser, für diese Erklärung. Manche Dinge muss man wohl einfach zur Kenntnis nehmen und akzeptieren. Auf jeden Fall liegt dann keine fehlerhafte Kodierung vor.
    Tiffany

  • ...wobei der MDK in Baden-Württemberg in diesem Fall die Harnröhrenstriktur nicht als HD zulässt. Begründung: Die Harnröhrenstriktur ist ein Symptom der Prostatahyperplasie.
    Grüße aus Heidelberg
    Sascha Baller

    Dr. med. Sascha Baller
    Dr. Baller | Medizincontrolling
    www.drg24.de

  • Hallo Sascha,

    Zitat


    Original von Sascha_Baller:
    ...wobei der MDK in Baden-Württemberg in diesem Fall die Harnröhrenstriktur nicht als HD zulässt. Begründung: Die Harnröhrenstriktur ist ein Symptom der Prostatahyperplasie.


    ich bin urologisch ja nicht bewandert, diese Pathophysiologie will sich mir daher nicht recht erschließen. Vielleicht kann ein Urologe dazu beitragen, dass ich nicht dumm sterbe ???
    Vielen Dank und Gruß
    B. Sommerhäuser

  • Hallo Burkhard,


    ich würde doch die einfachste Erklärung ansetzen: Zunahme des Prostatagewebes erzeugt eine Einengung der Harnröhre = Striktur = Symptom im Sinne des MDK.


    Jetzt steckt man dann wieder voll in der ND-Diskussion .....

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau

  • Hallo Dirk,


    hmm, die Genese einer \"Striktur\" hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt, z.B. nach Manipulation i.R. TURP als Komplikation oder durch Infektionen. Würde man die einfache Einengung durch Raumforderung wirklich mittels Urethrotomie behandeln ? Ich weiß nicht so recht...
    Warten wirs ab, vielleicht meldet sich ja noch jemand, der tagtäglich damit zu tun hat.


    Liebe Grüße
    sendet
    Burkhard

  • Dazu meine ich: Eine Urethrotomie wird tatsächlich nur dann durchgeführt, wenn eine Stenose distal der Prostata vorliegt (z.B. bulbär oder penil), die Einengung im Bereich der Prostata (prostatische Harnröhre) wird ja schon mit der TUR-P vollständig therapiert! Eine Harnröhrenstenose (distal der prostatischen HR) ist also kein Symptom der BPH (N40). Andererseits muss ich dem MDK-Ba-Wü rechtgeben: Der wesentlich aufwendigere OP-Teil ist im Normalfall die TUR-P und die N40 als Hauptursache des Aufenthaltes somit Hauptdiagnose.
    Im Einzelfall (sicher seltener als 5% z.B.: nur leichte Einengung im prostatischen Bereich und nur wenig reseziertes Prostatagewebe nachweislich <=10-15g, aber hochgradige langstreckige penile HR-Stenose =sehr aufwendig) kann aber durchaus die Harnröhrenstenose die Hauptursache der obstruktiven Miktion darstellen und müsste dann nach den Kodierrichtlinien auch als HD anerkannt werden!
    Schade dass der MDK sowenig urologisch denkt...
    Viele Grüße,


    Dr. Simon Zillich, Urologie KH Salem Heidelberg

    Dr. med. Sascha Baller
    Dr. Baller | Medizincontrolling
    www.drg24.de