Nekrose nach Weichteiltrauma

  • Liebes Forum,
    da ich leider bei meinen Recherchen nicht ganz fündig wurde, hier meine Bitte an Sie.


    Häufig treten nach Luxationen, Frakturen, Kontusionen Weichteilnekrosen auf, welche mit R02 nicht ganz treffen.
    Wie verfahren Sie? Schlüssel aus T93 oder/und T84 oder geht es besser?.
    Herzlichen Dank im voraus

    :b_dinner:Frohes Schaffen, schimi

  • Hallo digit,


    eine pauschale Antwort auf Ihre Frage gibt es nicht, dazu ist Ihre Frage auch zu pauschal gestellt.


    Eine Frühkomplikation nach Trauma wäre z.B. unter der T79.ff zu suchen. Tritt die Nekrose während/nach der Behandlung auf, treten die T8er Codes in Aktion usw. Die Kette der Antwortmöglichkeiten geht ins Unendliche.


    Wenn Sie hier Codierprobleme haben, können Sie uns jederzeit Einzelfälle schildern, damit man auf den Einzelfall abgestimmte Codiervorschläge machen kann.


    Es tut mir leid Ihnen nichts besseres sagen zu können,


    Mit freundlichen GRüßen


    Thomas Winter
    Berlin

  • Hallo Herr Winter, liebes Forum.


    Herzliche Dank für Ihr Angebot, wurde leider nicht benachrichtigt, daher etwas verspätet.
    Hier ein spezieller Fall, welcher mit dem MDK diskutert wurde.
    Geschlossene Fraktur des distalen Unterschenkels Kl. 3A nach Gustilo und Anderson.
    Schraubenosteosynthese. Postoperative Ausbildung einer Hautnekrose im Kontusionsbereich. Operationszugang heilt primär. Nekrosenabtragung und xenogene temporäre Weichteildeckung, sekundäre plastische Deckung.
    Vorschlag des MDK war: T84.6, was m.E. jedoch eher auf eine durch uns verursachte Komplikation schließen lassen würde!?
    Grüße aus dem heute sonnigen Zentrum Nordschwabens, Donauwörth.

    :b_dinner:Frohes Schaffen, schimi

  • Hallo Digit,


    es tut mir leid, daß ich erst heute dazu komme, Ihnen zu antworten.


    Auch Ihre jetzt etwas präziseren Angaben klären nicht alle Eventualitäten, die für die Kodierung wichtig sind.


    Leider kenne ich die Einteilung nach Gustilo et al. nicht so genau, um sie in die ICD-gemäße nach Tscherne und Oestern überführen zu können.


    Aus Ihren Angaben entnehme ich – bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege -, daß der Kontusionsherd, nicht mit der Osteosynthese in (un-)mittelbarem Zusammenhang gesehen werden muß. Hat der Patient demzufolge also „Läuse und Flöhe“, mithin zwei unabhängige Orte des Geschehens? Also eher ein Kontusionstrauma und eine Fraktur an anderer Stelle, also eine Fraktur nach indirektem Trauma, wie z.B. eine hohe Weber-C-Fraktur nach Umknicktrauma im OSG?


    War es also ausgeschlossen, daß die Osteosynthese in der Lage hätte sein können, die Perfusionssituation im späteren Nekrosebereich negativ zu beeinflussen, sei es z.B. als Ursache für eine Abflußstauung oder Behinderung des Zuflusses? Konnte durch das Geziehe und Gezerre bei der Reposition im Rahmen der Osteosynthese kein Schaden im späteren Nekrosebereich gesetzt werden? Ist die Schraube mehr von dorsal eingebracht worden, und die Nekrose liegt ventral? War es ausgeschlossen, daß beim Bohren im Moment der Perforation der Gegenkortikalis ventral kein Schaden hätte gesetzt werden können? All dies sind schlüsselrelevante Fragen, die mit Ihren bisherigen Angaben nicht eindeutig zu beantworten sind.


    Eines läßt sich aber wahrscheinlich jetzt schon sagen, die T84.6 wäre als ein Code unter vielen nur dann richtig, wenn die Nekrose auch infiziert gewesen wäre (Erregerangabe fehlt) und ein (un-)mittelbarer Zusammenhang mit der Osteosynthese hergestellt werden kann. Von dem Odium – von uns verursachte Komplikation mit der Befürchtung im Hintergrund von Schuld – sollten wir uns verabschieden. Ein schuldhaftes Verhalten liegt nur bei einem Kunstfehler vor, alles andere ist als schicksalhaft zu bezeichnen, und ärztliches Handeln ohne das Risiko einer Komplikation gibt es nicht.


    Vielleicht präzisieren Sie Ihre Angaben etwas, oder schicken mir per privater e-mail die anonymisiereten OP-Berichte, den Arztbrief und eventuelle A b s t r i c h e r g e b n i s s e, damit ich mir ein Bild von der Situation machen kann.


    Mit freundlichen Grüßen


    Thomas Winter
    Berlin


    Hallo Herr Winter,


    ich habe für Sie oben aus \"Abstrichergebnisse\" A b s t r i c h e r g e b n i s s e gemacht. Der \"Forumswächter\" erkennt hier ein Schimpfwort und blendet den sensiblen Teil aus.


    Gruß


    D. D. Selter

  • Hallo Forum,


    gerne würde ich dieses Thema anhand eines konkreten Falles nochmals aufgreifen. 90 Jahre alte Patientin stürzt und zieht sich eine Prellung der Schulter zu. Stationäre Aufnahme zur Schmerztherapie, im Verlauf bildet sich eine Nekrose der Cutis und Subcutis der beim Sturz kontusionierten Haut, welche abgetragen werden muß.


    Wie kann ich diese Nekrose am spezifischten abbilden? R02 [Gangrän, a.n.k.] oder T79.8 [Sonstige Frühkomplikation eines Traumas] oder hat vielleicht jemand noch einen besseren Vorschlag?


    Vielen Dank


    Felix :d_gutefrage:

  • Hallo Felix,


    R02 ist nicht so doll, da nur möglich,wenn andernorts nicht klassifiziert. Es heißt ja auch am Anfang des Kapitels ... ungenau bezeichnete Zustände, für die an anderer Stelle keine klassifizierbare Diagnose vorliegt.


    Dann lieber doch die unspezifische T79.8 (-> eine Diagnose)


    Viele Grüße

    [f2]Mit freundlichen Grüßen


    Dr. M. Finke
    Oberarzt der Chirurg. Abteilung :i_ritter:
    Rotkreuzklinik Lindenberg[/f2]

  • Hallo Felix et al,


    ich vermute, dass es sich bei der Verletzung um ein subcutanes Decollement gehandelt haben könnte mit geschlossener Zerreißung der Blutgefäße zur Haut. Diese Verletzungen sind sehr selten.


    Ist bei der OP auch ein größeres Hämatom ausgeräumt (oder vorher punktiert) worden? Das wäre fast beweisend.


    Dann ergäbe sich folgende Codierung: S40.0 + S45.ff wobei dann die S45.ff wohl die HD sein dürfte. Andernfalls bliebe dann doch nur die S40.0 + T79.8 von Finke.


    Schauen Sie in den/die OP-Bericht( e).


    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Winter
    Berlin

  • Hallo,


    eine Patientin kommt 1 Woche nach Fahrradsturz auf das rechte Knie zur Aufnahme. Problem jetzt -flächenhafte Hautnekrose über der rechten Kniescheibe nach subcutanem raumfordernden Hämatom. Therapie : Nekrosenabtragung und anlage eines VAC Verbandes dann 1 Woche später sekundäre Hautnaht.


    Was ist jetzt die HD? Ich sage die T79.8 (Frühkomplikation nach Trauma (Weichteilnekrose) dies ist das Hauptproblem. Die S Ziffer ist nicht das aktuelle Problem.
    Der MDK sagt die S80.0 ist HD und die T Ziffer ist ND.
    Was ist jetzt korrekt ?


    Gruß Attila

  • Hallo,


    für eine Hautnekrose gibt es nur R02, keine spezifischere Kodierung.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau