Schwierige Intubation

  • Nach Meinung unserer Anästhesie wird die T88.4 &quot;Misslungene oder <b>schwierige</b> Intubation viel zu selten kodiert, da nicht bekannt. Sie soll wohl auch noch &quot;gutes Geld&quot; bringen.
    Meine Frage: Wie häufig ist die T88.4 in Ihrem Patientengut vertreten?
    1%, 5%, 10% oder sogar häufiger??
    In den DKR habe ich nichts dazu gefunden.


    Besten dank für möglichst viele Antworten.


    T.Heller
    aus Unterfranken:drink:

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

  • Yes, die schwierige Inubation, bringt scheinbar richtig Geld (kann man ja in einen Zahnersatzfond stecken :) )


    Beachtenswertes Beispiel:


    HD: K35.9 Akute Appendizitis, nicht näher bezeichnet
    ND: -
    PR: 5-470.0 Appendektomie, offen chirurgisch


    =>DRG G07B mit cw: 1,04


    HD: K35.9 Akute Appendizitis, nicht näher bezeichnet
    ND: T88.4 Mißlungene oder schwierige Intubation
    PR: 5-470.0 Appendektomie, offen chirurgisch


    =>DRG G07A mit cw: 1,87


    Die Frage ist, wann darf man sie verschlüsseln ?


    mfG


    Christoph Hirschberg

  • ...kann im übrigen noch aus meinen Unterlagen das folgende Merkbildchen (Eselsbrücke) zeigen:



    [IMG:http://www.kodiertip.de/intub.jpg]


    T88.4 Mißlungene oder schwierige Intubation
    (CC-Werte von 2 bis 4)


    mfG


    Christoph Hirschberg




    [ Dieser Beitrag wurde von C-Hirschberg am 30.01.2002 editiert. ]


  • So ernst der Hintergrund auch ist, es bricht mir den Zahn...

  • Hallo und guten Morgen,


    <chirschberg>
    Die Frage ist, wann darf man sie verschlüsseln ?
    </chirschberg>


    Kann man mangels spezieller KR wohl nur aus den allgemeinen Kodierrichtlinien beantworten:


    Wenn signifikant Behandlungsaufwand oder -risiko steigen, also


    a - ich die Fiberoptik auspacken muss?
    b - ich meinen Oberarzt hinzuziehe?
    c - ich einmal tief durchatme und einen 2., dann erfolgreichen Intubationsversuch starte?


    Bei a) würde ich auf jeden, bei c) auf keinen Fall kodieren. Wir kodieren auch b), solange wirs dürfen.


    Freundliche Grüße



    Christian Jacobs



    Im Moment ist die schwierige oder misslungene Intubation hier in etwa so häufig:


    :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D :D ;( :D :D :D :D :D

  • 8) :besen: Hier kommt mal wieder die Hexe vom MDK: ich würde über alle Häuser eine Statistik fahren: wieviel Eingriffe in Narkose zu wie oft schwierige Intubation kodiert? Wer statistisch auffällt, bekommt einfach einen Qualitätsabzug, der grad etwas höher ist, als der Budgetvorteil durchs &quot;Hochkodieren&quot;. Ist natürlich fies (Management by Spargelstechen: wer als erstes den Kopf rausstreckt, wird dekapitiert. Aber so wird es wahrscheinlich laufen. Also: alle immer gleich eigene Vergleiche mit anderen Häusern fahren (schöner Tip für IMC, 3M, Internova, etc.).
    Gruss :besen: 8)

  • Zitat


    Original von mthieme:


    Deshalb hier ein paar Anhaltszahlen, die sich im uebrigen ganz gut mit eigenen statistischen Erhebungen aus meiner Facharzt-Ausbildungszeit decken: &quot;Die schwierige Intubation&quot;
    Viele Gruesse


    M. Thieme


    Hallo Herr Thieme,
    besten Dank für die Quelle aus Langendreer.
    Zitat hieraus:
    Nach der Definition der American Society of Anesthesiologists liegt eine schwierige Intubation dann vor, wenn bei einem durchschnittlich ausgebildeten Anaesthesisten die erfolgreiche Einlage eines Endotrachealtubus mehr als 3 Versuche erfordert oder länger als 10 Minuten dauert . Sie kommt bei 1 - 18 % aller Intubationen vor.
    1-18% sind allerdings [b]ein weites Feld[/] würde Günter Grass sagen.
    Fliehende Stirn und fliehendes Kinn werden doch nicht in Langendreer die Ursache für schwierige Intubation sein??
    :)) :)) :)) (Sollte ein Witz eines gebürtigen Witteners sein)
    Vielleicht können andere kollegen auch noch mit ein paar Vergleichszahlen aufwarten.


    Schönes Wochenende wünscht
    :drink:
    --
    mfG
    Thomas Heller
    QMB/OA Gyn
    KKH Haßfurt/Unterfranken

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

  • Auch in unserem Haus wird die T88.4 Schwierige Intubation zu selten kodiert. Unsere Anästhesie fragt nach, ob sich diese Kodierung auf jebliche Intubation bezieht, sowohl im intensivmedizinischen Bereich als auch im Zusammenhang mit normalen Operationsnarkosen, die ja sonst im OP- Schlüssel enthalten sind und dann extra dazucodiert werden müssten.
    Herzlichen Dank:) :) :) :) :)
    --
    Andrea Barthel

  • Liebe Frau Barthel,


    <a-barthel>
    [..] ob sich diese Kodierung auf jegliche Intubation bezieht, sowohl im intensivmedizinischen Bereich als auch im Zusammenhang mit normalen Operationsnarkosen, die ja sonst im OP- Schlüssel enthalten sind und dann extra dazucodiert werden müssten
    </a-barthel>
    Die T88.4 kann derzeit m.E. für jede schwierige Intubation (signifikant höherer Aufwand, s.o.) kodiert werden, ob im Zusammenhang mit einer Narkose oder nicht, ist schnurz. Ich sehe hier auch keinen Konflikt mit der KR, die uns das Kodieren der Prozedurencodes &quot;Narkose&quot; bei typischerweise in Narkose durchgeführten Eingriffen verbietet, da ich diese Codes nicht codieren würde (sondern nur zB Appendizitis, Appendektomie und die T88.4, nicht aber die 8-900 o.ä.).


    Freundliche Grüße
    Christian Jacobs



  • Die oben angegeben definitionen der schwierigen intubation entlehnen sich aus der ASA task force difficult airway management, die zuerst 1993 in anesthesiology veröffentlicht und seither mehrfach redigiert wurden (Practice guidelines for management of the difficult airway. A report by the American Society of Anesthesiologists Task Force on Management of the Difficult Airway. Anesthesiology.
    1993 Mar;78(3):597-602.).
    an anderer stelle in diesem forum ist der sachverhalt auch schon diskutiert worden, leider krieg ich nicht mehr raus, wann und wo. einer der ng-teilnehmer hatte damals auch die konkrete literaturstelle bzw. webadresse, wo man die definition nachlesen kann.


    In einem Gutachten habe ich hierzu folgendes geschrieben:


    In der Definition der Amerikanischen Gesellschaft für Anästhesiologie (ASA) wird der Begriff als “schwieriger Atemweg” weiter gefaßt: “Ein schwieriger Atemweg ist definiert als die klinische Situation, in der ein durchschnittlich ausgebildeter Anästhesist Schwierigkeiten mit adäquater Maskenbeatmung und/oder der Intubation hat. Eine endotracheale Intubation ist dann als schwierig zu bezeichnen, wenn die erfolgreiche Einlage eines Endotrachealtubus mit konventioneller Laryngoskopie mehr als drei Versuche erfordert (...) oder länger als 10 min dauert (ASA Task Force 1993).


    somit dürfte die schwierige intubation eigentlich keine frage des ermessens (...zu wenig...) oder des upcoding (hallo, pat klein) sein. man muß allerdings einschränken, daß es weder eine nationlae leitlinie gibt, noch die ASA task force irgendetwas verbindliches für deutsche ärzte von sich gibt. die definition erscheint mir dennoch sinnvoll.


    by the way, hat jemand eigentlich außer der appendizitis noch eine erlösrelevante kombination aus krankheit und schwieriger intubation gefunden ??



    viele grüße an alle, peter merguet





    [ Dieser Beitrag wurde von merguet am 05.02.2002 editiert. ]

  • Hallo,


    <merguet>
    by the way, hat jemand eigentlich außer der appendizitis noch eine erlösrelevante kombination aus krankheit und schwieriger intubation gefunden ??
    </merguet>


    Als Nebendiagnose mit einem CCL der immer über Null liegt, ist die T88.4 bei allen AR-DRGs, die nach PCCL weiter unterteilt sind, erlösrelevant - sei es als einzige oder erst in kombination mit anderen Nebendiagnose mit CCL>0.
    Also zB auch bei Gallenblasen-OPs, Hüft-TEPs, ACVB etc etc


    Interessanterweise hat die T88.4 nicht nur für die operative Partition einen CCL>0 (nämlich 3 oder 4), sondern auch für die nicht-operative (hier 2 oder 3).
    Für ein Lungenödem mit Beatmung mag das ja noch verständlich sein, aber der Grouper schluckt auch zB:


    F23.9 akute Psychose HD
    F10.2 chron .Alkoholabusus ND
    T88.4 misslungene oder schwierige Intubation ND


    (ohne kodierte OP oder Beatmung) und macht daraus U62A &quot;akute psychiatrische Störung mit schweren oder katastrophalen Begleiterkrankungen oder Komplikationen&quot; CW 2,5. Ohne die T88.4 käme hier nur die U62B heraus.


    So richtig :mdk: -fest ist diese kodierung aber nicht ...


    mfg


    Christian Jacobs