• Hallo Forum,


    in einem Fall wurde die HD Urosepsis von MDK
    mit der Begründung abgelehnt, hier wäre keine
    (klinisch übliche)Volumentherapie erfolgt, ohne dabei
    zwischen den verschiedenen Formen der Sepsis zu differenzieren.
    Auf meinen Anruf hin hiess es, es stünden derzeit
    Verfahren vor dem Sozialgericht, bei denen geklärt
    werden soll, wann die Diagnose Urosepsis kodiert
    werden kann! Weiß jemand von solchen Verfahren, die
    anstehen oder hat jemand schon mal wegen Urosepsis
    mit MDK zu tun gehabt?


    Zu unserem Fall:
    Nach einer Prostatabiopsie kam es zunächst zu einer
    Prostatitis mit Entwicklung von Temparaturen über 39 Grad,
    wobei Fieber trotz Antibiotikawechsel sich nur langsam
    zurückbildete. Als Erreger wurde E. Coli nachgeweisen.


    Im MDK-Gutachten heisst es auch: Klinische Kriterien der
    ACCP/SCCM-Konsensuskonferenz liegen nicht vor, eine
    Volumentherapie war nicht notwendig!

    Gruß
    Ordu

  • Guten Abend,


    Zitat


    Original von Ordu Dr.:
    Im MDK-Gutachten heisst es auch: Klinische Kriterien der
    ACCP/SCCM-Konsensuskonferenz liegen nicht vor, eine
    Volumentherapie war nicht notwendig!


    Dieser Satz ist so pauschal nicht zutreffend !



    “The definition of sepsis appears to be very complicated….
    Septic patients are generally hospitalized for extended periods, rarely leaving the ICU before 2–3 weeks.â€


    Vielleicht ist die aktuelle Übersichtsarbeit(s.u.) für Sie nützlich
    Insbesondere Table 1




    Gruß


    E Rembs






    J. Clin. Invest. 112:460-467 2003
    The enigma of sepsis


    http://www.jci.org/cgi/reprint/112/4/460.pdf

  • Hallo Ordu Dr.,
    nach ACCP/SCCM-Kriterien (im klinischen Alltag aber weniger hilfreich)liegt eine Sepsis vor, wenn ein Erreger mikrobiologisch gesichert ist (eine Septikämie ist dabei keine conditio sine qua non!) und wenigsten 2 der 4 SIRS-Symptome vorliegen. Bei Ihrem Fall wird sich sicher noch neben dem Fieber >38C eine Leukozytose finden. Eindeutig wäre es bei Vorliegen einer akuten Organdysfunktion wie Thrombozytopenie, meatabolische Acidose etc.. Die Volumentherapie spielt hierbei keine Rolle, ebenso die Erregerresistenz.


    Dennoch würde ich Ihren Fall anders kodieren:
    HD T88.8 Sonst. näher bez. Komplikationen bei chir. Eigriffen und med. Behandlung (denn ohne Prostatabiopsie keine Prostatitis)
    Sekundärcode: B96.2 (Coli), ND N41.0 ak. Prostatitis, ev. auch einen U-Code für die Resistenz oder auch A41.51 Coli-Sepsis als ND.



    Ein interessanter Artikel hierzu:
    F.M. Brunkhorst, Definition und Diagnose der Sepsis nach aktuellen Krirerien, Klinikarzt 2004; 33(6), S.167


    Grüsse


    urogert

  • Hallo Urogert,


    HD: bleibt vermutlich die benigne/maligne Prostataerkrankung


    warum (ND) T88.8 und nicht
    T81.4 Infektion nach einem Eingriff ank ?



    Hallo Forum,


    die Situation kommt häufig vor:
    Verdacht auf \"beginnende\" Sepsis ohne dass besonders viele Sepsiskriterien erfüllt sind, dann antibiotische Behandlung.
    Kann man das als Sepsis kodieren ?
    Die Betonung liegt auf \"V.a. beginnende Sepsis\", ich formuliere bewußt nicht \"drohende Sepsis\" ...


    mfG


    C. Hirschberg

  • Hallo zusammen,


    in der Tat trifft ICD T81.4 zu, wenn die Prostatitis
    als Folge eines Eingriffs dargestellt werden soll.
    Diesem Code sind im KODIP der Thesaurus \"Septische Infektion
    nach Eingriff\" zugeordnet. Wir hatten jedoch die Erkrankung mit
    HD Urosepsis anegegeben, weil der klinische Verlauf dem
    entsprach.


    Unser Pat. hatte zwar Temp. über 39 Grad, aber die Leukozyten-
    zahlen waren nur 11.700. Laut diesen Kriterien sollte dies
    über 12.000 liegen, um 2 Kriterien zu erfüllen.
    Aber meines Erachtens sollte eher die Klinik des Pat. richtungs-
    weisend sein als die offensichtlich im Alltag \"wenig hilfreichen\" Kriterien.
    Gruß
    Ordu

  • Hallo Herr Hirschberg,


    Ihre HD ist, falls die PE-P stationär (warum auch immer? eigentlich ein amb. Eingriff )erfolgte oder bei Fallzusammenführung sicher richtig. Dies ist aber aus dem Fallbericht von Ordu Dr. nicht ganz klar.


    T81.4 ist sicher besser (war etwas schlampug von mir!)


    Eine Sepsis sollte meines Erachtens nur kodiert werden, wenn auch entsprechende nachvollziehbare Kriterien vorliegen. Ein hochfieberhafter Harnwegsinfekt oder eine abszedierende Prostatitis sind noch keine Sepsis, auch wenn er eine solche auslösen könnte.


    Grüsse
    urogert

  • Hallo urogert,


    die Prostatabiopsie war ambulant in einer urolog. Praxis
    durchgeführt worden. Wegen Fieber kam der Pat. ins KH.
    Eine Zusammenlegung wegen Komplikation scheidet somit aus.
    Ob eine (Uro-)Sepsis vorgelegen hat, darüber kann man sicher
    streiten.
    Gruß
    Ordu

  • Hallo Ordu Dr.,


    entsprechend einer Auskunft der InEK (in unserem Fall Harnleiterläsion auswärts, Neuaufnahme bei uns zur HL-Reimplantaion)ist der Komplikationskode die HD, wenn die Komplikation ursächlich ist für die stationäre Behandlung.
    Ich denke also auch bei Ihnen Komplikation = HD


    Gruß
    urogert

  • Guten Morgen,


    da sich die Definition der Sepsis und deren Unterteilung ja nun nicht im ICD-Kode niederschlägt, ist hier ein Dauerstreitpunkt vorprogrammiert.
    Ich habe beim DIMDI nachgefragt, ob hier eine Spezifizierung des Kodes für das nächste Jahr zu erwarten ist. Dies hat mir Dr. Schopen bestätigt. So wird dann nach SIRS, Sepsis, ... unterschieden werden können. Wenn dann noch eine adäquate CCL-Bewertung der unterschiedlichen Ausprägungen vom InEK vorgenommen wird, sind wir um eine Diskussion ärmer.

    Mit freundlichen Grüßen

    D. D. Selter

    Ärztlicher Leiter Medizincontrolling

    Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Murnau