Missed abortion ambulant

  • Hallo Forum! Das \'Servicezentrum\' :totlach: einer größeren Krankenkasse teilt mir soeben mit, dass ein zweitägiger stationärer Aufenthalt wegen missed abortion nicht bezahlt wird, verwiesen wird auf den §115b. Als Nicht-Gynäkologe muss ich mal blöd fragen: Hä ? Erst mal ist die Abrasio bei missed abortion doch wohl keine Sternchenleistung :sterne: ; und dann fände ich es auch aus ethischen Gründen äußerst bedenklich, Patientinnen mit missed abortion aus abrechnungstechnischen Gründen wieder nach Hause zu schicken (\"Ihr Kind ist tot, kommen Sie doch morgen zur Abrasio wieder!\") :bombe:


    Oder sehe ich da was falsch ???


    Schöne Grüße, P. Leonhardt

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



    I'd rather have a full bottle in front of me than a full frontal lobotomy

  • Hallo Herr Dr. Leonhardt,


    bei mir ist es eine *-Leistung und wir machen es in der Regel amb. mit 5-690.x

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • Hallo Herr Konzelmann,
    laut meinem AOP-Katalog hat die Ziffer 1060 kein Sternchen. Habe ich etwas übersehen ?


    Gruß, P. Leonhardt

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



    I'd rather have a full bottle in front of me than a full frontal lobotomy

  • Sternchen hin oder her.
    Patientenfreundlicher ist die ambulante Behandlung.
    Versuchen Sie mal folgendes Vorgehen: Patientin nach Vorgespräch mit Prostaglandin-Vaginaltablette nach Hause schicken und am nächsten Morgen zur Abrasio nüchtern einbestellen. Die allermeisten werden es Ihnen danken, wenn sie nicht zwei Tage stationär bleiben müssen.

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

  • Hallo Herr Dr. Leonhardt,


    Sie haben Recht: 1060 ohne *, aber 1104 mit * und ich sah nur den Text bei 1104 Abrasio. Leider kenne ich mich mit EBM nicht aus. Wer weiß, was besser trifft?

    [size=12]Freundlichen Gruß vom Schorndorfer MDA.

  • Zitat


    Original von Günter Konzelmann:
    [c=orangered]Wer weiß, was besser trifft?[/code]


    Zitat


    Original von Thomas_Heller:
    Die allermeisten werden es Ihnen danken, wenn sie nicht zwei Tage stationär bleiben müssen.


    Hallo Forum,
    die allermeisten, ja. Im vorliegenden Fall wollte die Pat. aber lieber stationär aufgenommen werden. Daher noch mal meine Frage an alle Gynäkophagen out there: haben Sie ähnliche Reaktionen von den Kostenträgern schon mal erlebt und wie haben Sie reagiert ?


    Vielen Dank schon mal,


    P. Leonhardt

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



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  • Hallo Forum,
    zur Frage, wie bei missed abortion behandelt werden soll kommt es darauf an, ob die Kürettage mit oder ohne Prostaglandinapplikation erfolgen soll. Im Falle einer Cergemapplikation empfehle ich die stationäre Durchführung, da Prostaglandine unerwünschte Wirkungen (siehe Beipackzettel)haben können, welche einer klinischen Überwachung bedürfen.
    Die AOK Bayern fragt regelmäßig bei der stationären Durchführung einer Abortabrasio die Notwendigkeit der stationären Behandlung nach. In allen Fällen mit Prostaglandinapplikation habe ich bei der AOK erreichen können, dass die stationäre Behandlung akzeptiert wird. Der OPS unterscheidet auch zwischen \"mit\" und \"ohne\" lokaler Medikamentenapplikation und ist als \"Marker\" für die Rechnungsprüfung brauchbar.
    Gruß
    G.Fischer
    Frauenarzt
    Klinikum Rosenheim

    Dr.Gerhard Fischer
    Medizincontroller/Frauenarzt

  • Zitat


    Original von gefi:
    Im Falle einer Cergemapplikation empfehle ich die stationäre Durchführung..



    Hallo Herr Fischer! Vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Da ich ein paar Tage in Ihrer schönen Stadt war (habe 4 Jahre in Rosenheim gelebt) komme ich erst heute drauf zurück.
    Wissen Sie, ob Ihre o.g. Empfehlung irgendwo halbwegs verbindlich niedergeschrieben ist, z.B. in einer Fachgesellschafts-Leitlinie o.s.ä. ? Leider sind die Kassen hier offensichtlich etwas hartnäckiger als in Oberbayern... :g_bayer:


    Schönen Gruß.

    Dr. Peter Leonhardt
    Neurologe
    Arzt für Med. Informatik
    Med. Controlling



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  • Zitat


    Original von Leo:


    Wissen Sie, ob Ihre o.g. Empfehlung irgendwo halbwegs verbindlich niedergeschrieben ist, z.B. in einer Fachgesellschafts-Leitlinie o.s.ä. ? Leider sind die Kassen hier offensichtlich etwas hartnäckiger als in Oberbayern... :g_bayer:


    Schönen Gruß.


    Hallo Leo,
    leider ist es bei uns auch so wie bei Ihnen. Die Prostaglandinapplikation wird bei uns auch nicht als Grund für stationäre Aufnahme akzeptiert.
    Auf eine Stellungnahme der Fachgesellschaft Gyn kann man leider lange vergeblich warten.
    Einen schönen Gruss aus Nordbayern
    :i_drink:

    mfG
    Thomas Heller
    QMB/Med Co/OA Gyn
    Haßberg-Kliniken
    Haus Haßfurt/Unterfranken

  • Guten Morgen an alle,
    vielleicht hilft ein Blick in den Cergem-Beipackzettel:


    Warnhinw.: Die Anw. des Cergem Vaginalzäpf. muß unter Aufsicht eines Arztes erfolgen, der über Einrichtungen zur mehrstündigen Überwachung der Kreislauffunktionen verfügt u. der vom Zeitpunkt der Einlage des Vaginalzäpfchens bis zum Ende des Eingriffes (einschl. der postoperativen Überwachung) für die Betreuung der Pat. verantwortlich ist.


    Unter einer Einrichtung zur mehrstündigen Überwachung verstehe ich eine Station mit Pflegepersonal.
    Gruß
    G.Fischer

    Dr.Gerhard Fischer
    Medizincontroller/Frauenarzt

  • Hallo,


    wir operieren Patientinnen mit einer missed abortion ambulant.


    Sie werden morgens um 7. OO Uhr einbestellt, bekommen Cergem gelegt und werden dann gegen 10.00 Uhr abradiert. Die Wirkung des Cergem reicht in der Regel aus.


    Bezüglich des nach Hausegehens sind die Patientinnen froh, wenn sie sich an den Gedanken gewöhnen können, dass die Schwangerschaft nicht in Ordnung ist, da sie ja in der Regel keine Symptome wie Blutungen oder Schmerzen haben. Sie erhalten strenge Verhaltensmaßregeln, dass sie sich bei Blutungen und Schmerzen sofort vorstellen sollen; das kommt aber eher selten vor.


    Gruß von der Nahe


    Ruth Aff

  • Hallo Forum,


    bei unkompliziertem Abort ist es eher eine Frage der Aufnahmeuhrzeit. Können die notwendigen Vorbereitungen noch für das laufende Tagesprogamm durchgeführt werden oder soll der Eingriff im Nachtdienst oder erst am nächsten Tag erfolgen. Dabei wird die Nüchternzeit der Patientin berücksichtigt und geklärt ob praeoperativ eine Cergemgabe erfolgen muss.
    Unabhängig davon, ob die Patientin vor der OP nochmal nach Hause geht oder im Krankenhaus übernachtet, rechnen wir als ambulante Op ab. (EBM-Ziffer 1060 + 83)
    Die Dauer der postoperativen Überwachung richtet sich ebenfalls nach der OP-Zeit - wird der Eingriff erst später am Abend durchgeführt, so ist eine Überwachung > 12 h (EBM 66) sicher gerechtfertigt. Eine stationäre Überwachung aufgrund einer Cergem-Gabe bei Abort in der Frühschwangerschaft halten wir nicht für notendig. Hierbei wird Cergem lediglich einmal 2 Stunden vor der OP appliziert, um eine Dilatation des Zervixkanals zu erleichtern. Anders ist die Situation bei komplizierten oder späten Aborten zu beurteilen.
    Die ambulanten OP´s fallen zwar nicht in die Belegungsstatistik, was vielleicht den ein oder anderen leitenden Arzt oder Pflegedienstleiter stört, sind aber auch nicht budgetiert! Schöpft man die Möglichkeiten des EBM aus, Ordinationsgebühr, E-Brief, Anaesthesie, Histologie, Vaginalsonografie und Labor, so hat man eine akzeptable Abrechnung.


    Viele Grüße aus Aachen!