Downgrading durch OPS - Grouperproblem oder australische Realität?

  • Auch wenn der Bundesrat das Fallpauschalengesetz ersteinmal abgelehnt hat, hat das Codieren und Groupen in Deutschland meiner Einschätzung nach eine Zukunft. Ob die Ablehnung zu einer fundierteren Planungsphase mit etwas weniger chaotischen Bedingungen für die Betroffenen führt, bleibt abzuwarten (oder mit zu beeinflussen?).


    Jetzt meine konkrete Erfahrung (GWI und 3M-Grouper):
    Die Hauptdiagnose Dickdarm-Crohn (K50.1) ohne Nebendiagnosen (es gab bei dem jungen Patienten wirklich keine) fällt in die DRG G64Z entsprechend einem Relativgewicht von 1,01. Gebe ich nun zusätzlich die erfolgte OPS 1-650.2 für eine Ileokoloskopie ein, erfolgt ein Downgrading zur DRG G44B mit einem Relativgewicht von 0,9.
    Handelt es sich um ein Grouper-Problem? Weiß jemand, ob es in Australien ähnliche Phänomene gibt? Kennt jemand für die obige Konstellation eine Begründung? Ich kann doch nicht jeden Patienten durchgroupen, ob ich die korrekt eingebenen OPS-Ziffern nicht doch besser wieder rauslösche.

    Dr. Andreas Hilden, Med. Klinik, Ev. Krhs. Weende in Göttingen

  • Hi,


    ich hatte das selbe Problem,und habe es wie folgt analysiert:
    Der Grouper (sehr gut zusehen in der OLE-Anbindung des DIACOS-Groupers) hat ja immer dichotome Verzweigungen. Bei allen gstroenterologischen Erkrankungen hat er seur früh einen Entscheidungsknotenpunkt, an dem es sich verzweigt nach den Prozeduren-DRG´s und den medizinischen DRG´s.. Hierist die grosse FRage, welche Prozeduren der Grouper abfragt, um diese Entscheidung zu treffen. Gemeint sind signifikante Prozeduren wie ERCP und ähnliche.
    Im Falle des Cfohn ohne Begleiterkrankungen ist wohl die Entscheidung des Grpupers, ihn zu der DRG: Coloskopie ohnen relevante Begleiterkrankungen zuzuordnen, richtig. Ich weiss jetztz auswending nicht, das die G44z ist, ich bin zu Hause, und habe den Grouper nciht hier. Ich glaube aber, essit die nicht näher klassifizierte Durchfallerkrankung. Insofern ist diese DRG sachlich falsch, entspricht nicht den DKR. Also folgende Schlussfolgerungen:


    1. Die Codierung nach G44 ist richtig, nach DKR. Etwas wegzulasen mit den Ziel einer Grupoierung in einen Z-Code, geht stark in Richtung Betrug (wird der MDK sagen)


    2. Warum muss ein Crohn ohne Begleiterkrankungen ins Krankenhaus? Entweder er hat welche (E44, Kachexie, oder Elektrolytstörungen oder Anämie oder Erbrechen oder Synkopen, oder Leberwerte oder Niereninsuff oder oder ) oder er kriegt gar keine DRG weil er ambulant zu behandeln wäre.



    Grusss
    Dr. Heun-Letsch
    Medizincontroller am Diako Mannheim

  • Man sollte nicht nur auf die für Deutschland irrelevanten australischen Relativgewichte von gestern blicken. Es wird erst interessant wenn wir auch die Abrechnungsspielregeln haben.


    G64Z (inflammatory bowel disease) hat in Australien auch eine höhere Verweildauer als die Koloskopie-Tagesfall G44C oder komplikationsloser Mehrtagesfall G44B.


    Es gibt dafür in Deutschland zwar noch keine Regelungen, denkbar ist aber, dass sie einen erheblichen Abschlag in Kauf nehmen müssen, wenn der Patient vor der unteren Grenzverweildauer entlassen wird, und dann geht der Schuss mit dem "Vergessen von Prozeduren" nach hinten los.:boom:


    Grüße
    S. Glocker

  • Hallo,


    das problem ist ja schon treffend geschildert, die DRG_Zuordnung geschieht schon sehr früh in die Klassen Operativ (0-39), andere (40-59) und konservativ(60-99).


    Dieses läßt sich schon an der Nummer der DRG erkennen.


    Das `Downgrad` passiert auch bei akuter Pankreatitis mit ERCP, hier fällt man in die `australisch` schlechter bewertete ERCP-DRG.


    Aber wie oben schon gesagt, die Australischen Same-day-cases, die eignetlich hier dem ambulanten Bereich zuzuordnen wären und weitere Unterschiede haben hier einfach für die BRD schlichtweg völlig falsche Relativgewichte und genau deshalb muß ja auch eine Deutsche Nachkalkulation, ja schließlich ein eigenes deutsches DRG-System entwickelt werden....


    und das ist ja auch beabsichtigt...



    --
    Thomas Lückert
    Stabsstelle Medizinisches Controlling
    Krankenhaus Reinickendorf
    ein Haus der Vivantes

    Thomas Lückert
    Stabsstelle Medizincontrolling
    Unfallkrankenhaus Berlin

  • Lieber Heun,


    Zur Aufnahmeindikation für einen Pat. mit einer entzündlichen Darmerkrankung kann man sich trefflich streiten. Die "Schwere" der Erkrankung ist sicherlich ein Kaugummi. Wo fängt die Exsikkose an, wo ist der Hydratationszustand noch ausgeglichen? Der MDK akzeptiert sicherlich nicht den leicht erhöhten Hämatokrit als Dokumentationsgrundlage. Bei jüngeren Menschen gelingt die Kompensation klinisch gesehen noch trotz größerer enteraler Volumenverluste, dennoch kann eine stationäre Behandlung wegen der Intensität der Durchfälle oder Schmerzen notwendig werden. M.E. ist eine Fehlbelegung bei dieser Krankheitsgruppe bei fehlenden Nebendiagnosen nicht zwangsläufig.


    Die "Philosophie" der Systeme ist ein weites Feld, und wir können gespannt sein (müssen auf der Hut sein), welche Oberphilosophen die deutschen Kostengewichte auspendeln.

    Dr. Andreas Hilden, Med. Klinik, Ev. Krhs. Weende in Göttingen